Eine Publikation der Binkert Medien AG
Ausgabe 04/2016, 15.04.2016

Industrie 4.0: Chance für exportierende KMU?

Industrie 4.0 wird die globale Vernetzung der Schweizer Wirtschaft entscheidend vorantreiben, davon ist man bei Switzerland Global Enterprise überzeugt. In einem ersten Schritt gilt es für Schweizer KMU, bereits heute den eigenen Export zu digitalisieren.

(msc) Switzerland Global Enterprise – oder S-GE – bündelt im Auftrag des Bundes unter anderem die Leistungsaufträge der Exportförderung. S-GE unterstützt exportwillige Schweizer KMU und vernetzt Unternehmen, Wissensträger und Organisationen weltweit. Nur logisch, dass dabei aktuell auch das Thema Industrie 4.0 einen hohen Stellenwert in der Prioritätenliste einnimmt.

Das Konzept Industrie 4.0 bedeutet in erster Dimension eine stärkere vertikale Vernetzung. Im Idealbild organisiert sich die Fabrik selbst, der Kunde erhält ein individualisiertes Produkt. Noch nie konnten sogar KMU so agil auf neue Kundenbedürfnisse am anderen Ende der Welt reagieren, wie dies die Zukunftsvision von Industrie 4.0 darstellt.

Als noch relevanter für das internationale Geschäft von KMU wird sich aber die zweite Dimension, die der horizontalen Vernetzung, erweisen. In einem Wertschöpfungsnetzwerk werden Firmen über Organisations- und Ländergrenzen hinweg an ein und demselben Produkt zusammenarbeiten. So verschwindet der Vorteil, den eine Produktion im Rahmen einer grossen, geschlossenen Organisation im Prinzip bietet. Viele kleine spezialisierte Hersteller können in Zukunft in einem Projekt kooperieren. Für KMU ergibt sich so eine Fülle neuer Ansatzpunkte für ihr internationales Geschäft, die Eintrittshürden sinken.

Die grössere Flexibilität bei der Organisation von Wertschöpfungsnetzwerken hat jedoch auch Kehrseiten: Die Maximierung der Effizienz und die neuen Möglichkeiten der Zusammenarbeit stellen Geschäftsmodelle gnadenlos auf die Probe.

Nicht zuletzt ergeben sich aber – vor allem für MEM-KMU – auch neue Absatzchancen: Traditionelle Schweizer Exportmärkte, wie Deutschland oder die USA, forcieren den Einstieg in die digitale Produktion. Gemäss einer Umfrage von PwC wollen deutsche Industrieunternehmen bis im Jahr 2020 ganze 40 Mrd. Euro in Industrie-4.0-Anwendungen investieren. Schweizer können hier als Zulieferer von einer Modernisierungswelle profitieren. Eines scheint klar: Wer nicht mit der vierten industriellen Revolution geht, der wird gegangen.

Die Herausforderungen lassen sich jedoch evolutionär bewältigen. In einem ersten Schritt gilt es, das internationale Geschäft zu digitalisieren. Bisher nutzen allerdings gemäss einer Umfrage der HTW Chur erst ein Drittel der befragten KMU überhaupt digitales Marketing zur Unterstützung ihrer Exportaktivitäten, obwohl sich solche Methoden immer mehr durchsetzen.

Häufig fehlen den KMU jedoch noch Kapazität und Know-how. Genau hier setzt die gemeinsame Initiative von Switzerland Global Enterprise und Google Schweiz an. In ihrem Zentrum steht die Plattform www.exportdigital.ch. Mit diesem Absatzmärktefinder können Unternehmer das Online-Exportpotential ihres Produktes testen. Darüber hinaus gibt es 100 Lernvideos, die Antworten auf alle möglichen Fragen des Online-Exports bieten. Damit kann jedes KMU den ersten Schritt machen auf dem Weg zur digitalen Transformation des eigenen Geschäftsmodells.


Switzerland Global Enterprise
8006 Zürich, Tel. 044 365 51 51
www.s-ge.com



Der «Schweizer-Chip» – Symbol für die anstehende Digitalisierung der Industrie, die den Schweizer KMU im Export auch Chancen eröffnet. (Bild: S-GE)

Auf einen Blick

Aussenwirtschaftsforum 2016

Switzerland Global Enterprise S-GE veranstaltet am 21. April in der Messe Zürich unter dem Titel «Industrie 4.0 – Ist Ihr Geschäftsmodell zukunftstauglich?» das Aussenwirtschaftsforum 2016.

Bracken P. Darrell, CEO Logitech und Dr. Eberhard Veit, Leiter der Plattform Industrie 4.0 der Bundesrepublik Deutschland, erläutern, was Industrie 4.0 für die Wettbewerbsfähigkeit von Schweizer KMU bedeutet. Die Partner von S-GE – die Credit Suisse, AXA Winterthur, PricewaterhouseCoopers und Amber Road – zeigen auf, welche Auswirkungen Industrie 4.0 auf die Exportwirtschaft hat. Anschliessend sprechen CEOs von renommierten Schweizer Firmen in «Kaminfeuergesprächen» mit den Teilnehmenden über ihre Erfahrungen und Gedanken zu Industrie 4.0. Die Teilnehmenden können überdies von internationalen Experten und Schweizer Unternehmern, welche die ersten Schritte schon gemacht haben, sowie von den Leitern der 21 Swiss Business Hubs direkt erfahren, wie weit die vierte industrielle Revolution in ihren Zielmärkten vorangeschritten ist. Am Aussenwirtschaftsforum werden ebenfalls die Export Awards 2016 verliehen.

Anmeldung und Programm unter:

www.s-ge.com/awf