Eine Publikation der Binkert Medien AG
Ausgabe 11/2017, 10.11.2017

Werkzeugmaschinenshow vom Feinsten

Über 130 000 Besucher, mehr als 2200 Aussteller, sechs Messetage mit vollen Hallen: Die EMO Hannover zog eine positive Bilanz. Die Redaktion der «Technischen Rundschau» war ebenfalls vor Ort und bestätigt die gute Stimmung auf den Ständen. Im folgenden Artikel werfen wir einen Blick auf ausgewählte Innovationen und Trends rund um die Werkzeugmaschine.

Die EMO Hannover (18. bis 23. September) sollte sich auch für die weit über 100 Schweizer Aussteller ausgezahlt haben. Kam sie doch zur rechten Zeit: Das Schweizer Konjunkturbarometer der MEM-Industrie geht langsam, aber stetig nach oben, ebenso wie der Eurokurs zum Franken. Zudem war die Stimmung in Hannover gut bis sehr gut. So planen laut einer Umfrage des Veranstalters VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) die EMO-Besucher in den kommenden 24 Monaten mehr als Euro 20 Mrd. in Produktionstechnik zu investieren. Bereits in der EMO-Woche kamen Verträge im Wert von Euro 8 Mrd. zustande.

Neben dem omnipräsenten Thema «digitale Transformation» gab es für die Besucher viele Innovationen und Neuheiten rund um die Werkzeugmaschine zu erleben und zu bestaunen. Aus der Fülle an Produktvorstellungen und Premieren hat die Redaktion der «Technischen Rundschau» exemplarisch eine handvoll Produkte ausgewählt und ist auf der Messe verschiedenen Trends nachgegangen (siehe auch Artikel «Trendreport» ab Seite 6).

Aufschlussreich war der Besuch bei der Imoberdorf AG, den man unter dem Motto «Die Rundtaktmaschine lebt» zusammenfassen kann. Nach eigenen Angaben ist das Schweizer Familienunternehmen zur Zeit der einzige Anbieter, der sämtliche produktivitätssteigernden und kostensenkenden Bearbeitungselemente auf einer einzigen Anlage vereinen kann. Dazu gehört die Bestückung des Rundtakttisches mit bis zu fünf frei programmierbaren CNC-Achsen pro Bearbeitungseinheit, bis zu zehn Werkzeugen pro Station und bis zu 16 Stationen pro Anlage.

In Summe können bis zu 15 Teile gleichzeitig bearbeitet werden. «Was hinten rauskommt, sind lieferfertige Präzisionsteile, die keiner weiteren Bearbeitung mehr bedürfen. Kein Umrüsten, kein Maschinenwechsel ist nötig» beschreibt Georg Hourmuzis, Verkaufsverantwortlicher für Süddeutschland und Österreich, den Sachverhalt. Besonders was die Rüstzeiten angeht, haben sich die Spezialisten aus Oensingen viele Gedanken gemacht. So lassen sich durch den Einsatz von Nullpunktspannsystemen durch das hauptzeitparallele Einrichten die Rüstzeiten deutlich verkürzen. «Plötzlich rechnet man nicht mehr in Tagen, sondern in Stunden», weiss Georg Hourmuzis. «Konkret sind es bei Wechseln innerhalb der Teilefamilie weniger als eine, bei neuen Teilen weniger als zwei Stunden.»

Generell war die wirtschaftliche Zerspanung ein grosses Thema auf der EMO. Dazu gehört neben der Rüstzeitenminimierung auch die prozesssichere Zerspanung, trotz hoher Bearbeitungsgeschwindigkeiten. Speziell diesem Thema haben sich die GF Machining Solutions mit ihrer Weltneuheit, der Hochleistungsfräsmaschine «Mikron Mill P 500 U» gewidmet. Mit der Maschine sollen vor allem Hersteller von Präzisionsteilen und Formwerkzeugen in den Genuss höchster Präzision und kompromissloser Prozesssicherheit kommen, unter anderem dank der Thermostabilität und der symmetrischen Konstruktion der Maschine. Beim Thema Prozesssicherheit setzt GF Machining Solutions auf intelligente Module, die in Richtung digitale Transformation zielen. Dazu gehört beispielsweise der Maschinen- und Spindelschutz (MSP) und der modulare, digitale «rConnect Services» einschliesslich «Live Remote Assistance» (LRA). Anwender sollen dadurch Stillstandzeiten von Stunden auf wenige Minuten senken können.

Produktivität wurde bei Heller gross geschrieben. Bei den bereits 2016 vorgestellten horizontalen 5-Achsbearbeitungszentren der HF-Baureihe stand vor allem die neue HF 5500 mit Palettenwechsler, einem Arbeitsbereich von 900 × 950 × 900 mm sowie einer maximalen Palettenbeladung von 750 kg im Fokus. Gegenüber der HF 3500 wurde die Störkontur in Höhe und Durchmesser um 27 Prozent vergrössert. Wichtig ist diese Optimierung auch deshalb, weil die Heller-Spezialisten bei der Maschinenkonzeption nicht nur auf eine Einzelteilaufspannung fokussierten, sondern die Möglichkeit zu Mehrfachaufspannungen oder zur Aufnahme sehr grosser Bauteile wie Getriebegehäuse mit Rahmenvorrichtung von vorneherein einplanten.

Wirtschaftlichkeit hat auch mit Maschineninvest zu tun. Die Hermle AG hat deshalb vor Jahren mit der «Performance-Line» eine Art Einstieg in die Hermle-Welt geschaffen. Bis auf gewisse Ausstattungsmerkmale und natürlich dem Preisunterschied stehen diese Maschinen den grossen Schwestern der «High-Performance-Line» in nichts nach. Auf der EMO wurde mit der C 650 diese Baureihe deutlich nach oben erweitert. Die Maschine besitzt ein Maschinenbett in Mineralgussausführung aus der Hermle-eigenen Giesserei. Der integrierte starre Aufspanntisch kann in der 3-Achsausführung Werkstücke bis maximal 3000 kg in den Abmessungen 1050 × 900 × 600 mm aufnehmen und ist deshalb prädestiniert für den Werkzeug- und Formenbau und den Maschinenbau. In der 5-Achsausführung mit Schwenk­rundtisch können Werkstücke bis 1500 kg und einem Durchmesser von 900 mm bei einer Höhe von 600 mm platziert werden.

Den mit Abstand grössten Stand auf der EMO belegte DMG Mori, deren Exponate fast die komplette Halle 2 füllten. Neben unzähligen Maschinen zeigte man als Weltpremiere das Drehzentrum «CTX 2500/700». Laut Harry Junger, Geschäftsführer der DMG-Mori-Tochter Gildemeister Drehmaschinen GmbH, vereint die Maschine die Vorteile der «NLX 2500/700»- und der «CTX beta 800»-Maschine: «Mit Sicherheit ist dies die stabilste und zugleich leistungsstärkste Maschine, die wir in dieser Klasse in den letzten 25 Jahren gebaut haben.» Einstechen bis 12 mm Breite und Vollbohrer mit 80 mm Durchmesser würden damit erstmalig prozesssicher möglich.

Werfen wir noch einen Blick auf das Schleifen. Die spanische Danobat Group präsentierte die Vertikalschleifmaschine VG 800, die für mittelgrosse Werkstücke mit einem Durchmesser von 800 mm und einer Höhe von 600 mm konzipiert wurde. Auffälligstes Merkmal ist wahrscheinlich der Werkzeugrevolver, der unterschiedlichste Werkzeuge zum Schleifen, Drehen, Bohren, Ausdrehen, Fräsen und für das Messen von Innen-, Aussen-, Plan- und Kegeldurchmesser bevorraten kann. Die Maschine verfügt zudem über einen Hauptspindelstock, einen Hochfrequenzspindelstock für Innenschleifen und eine Planschleifspindel; alles Eigenentwicklungen aus dem Hause Danobat. Eine C-Achse mit hydrostatischer Führung, die einen Rundlauf von unter 1 µm verspricht, steht für den Hochgenauigkeitsanspruch der Maschine genauso wie der Linearmotor in der X-Achse, der von Glasmassstäben überwacht und auf eine konstante Temperatur gekühlt ist.

«Maximale Produktivität» lautete das Motto der Weltneuheit der United-Grinding -Tochter Mägerle. Mit der «MFP 51» präsentierte man ein robust konzipiertes Schleifzentrum mit einem integrierten Werkzeugwechsler in Portalbauweise mit 66 Positionen. Das Magazin kann flexibel mit unterschiedlichen Schleifscheiben, Diamantrollen, Messtastern und Werkzeugen für Bohr- und Fräsbearbeitung beladen werden. Die Kombination von Hochleistungsspindel, die Drehzahlen bis zu 12 000 min-1 zulässt, und Überkopfabrichter verspricht kurze Prozesszeiten. Speziell mit dem in den Schleifsupport integrierten Überkopfabrichter können der Abrichtvorgang nach dem Schleifzyklus und die Bewegungszeiten zum Abrichter eliminiert werden. Für die einzelnen Bearbeitungsschritte lassen sich zudem die Schleifscheiben und Diamantabrichtrollen mit einem Doppelgreifer simultan einwechseln.

Präzision war Trumpf auf dem Stand von Kellenberger-Hardinge. Pünktlich zum 100. Geburtstag in diesem Jahr brachte der Schweizer Schleifspezialist die Koordinatenschleifmaschine «Hauser 2000» auf den Markt. Die Maschine ist Nachfolgemodell der beliebten Baugrösse «H 35-400», die laut Kellenberger «in punkto Genauigkeit und Leistungsfähigkeit beim Koordinatenschleifen bisher Massstäbe setzte». Neben bewährten Attributen wie automatisches Konusschleifen, automatischer Schleifdornwechsler «ATC» und automatischer Palettenwechsler «APC» verfügt das neue Modell über die Möglichkeit, Schleifen und Hartdrehen auf einer Maschine zu kombinieren. Die dafür notwendige Steifigkeit und Genauigkeit kommt einerseits über die Doppelständerbauweise. Zudem befindet sich der Bearbeitungskopf zentrisch innerhalb des Maschinenrahmens; thermische Dehnungseinflüsse werden dadurch, so Kellenberger, praktisch eliminiert. In Kombination mit dynamischeren Achsbewegungen, wiederum eine Folge der höheren Steifigkeit, bringt die Maschine beste Voraussetzung für die produktive Hartfeinbearbeitung mit.(pi)

danobatoverbeck.de
dmgmori.ch
gfms.com
heller.biz
hermle-schweiz.ch
imoberdorf.com
kellenberger.com
maegerle.com



Wirtschaftlichkeit hat auch mit Maschineninvest zu tun: Mit der C 650 erweitert Hermle seine Einsteigerbaureihe Performance-Line deutlich nach oben. (Bild: Hermle)


Produktivität trifft auf Steifigkeit: Die CTX 2500/700 ist die leistungsstärkste Maschine ihrer Klasse bei DMG Mori. (Bild: DMG Mori)


Schleifen, Bohren, Drehen, Ausdrehen, Fräsen und Messen auf einer Maschine bietet die VG 800. (Bild: Danobat))