Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 01/2018, 19.01.2018

Digitale Transformation heisst das Zauberwort

Die 28. Ausgabe der «SPS IPC Drives» im vergangenen November in Nürnberg brach alle bisherigen Rekorde dieser Leitmesse der elektrischen Automation. Egal ob bei den Besucherzahlen, den Ausstellern oder der in 16 Hallen belegten Ausstellungsfläche – überall wurden neue Topwerte erreicht. Wie auf bald jeder Messe lautete das allgegenwärtige Zauberwort «Digitalisierung». In Nürnberg war der Begriff allerdings ganz besonders angebracht.

Zuerst zu den erwähnten Rekordergebnissen in den Zahlen der Messeleitung: 1675 Aussteller, das sind 70 mehr als im Vorjahr, präsentierten den 70 264 Besuchern (2016: 63 291) ihre Angebote. Die Messestände belegten neu in 16 Hallen (2016: 14) eine Gesamtfläche von 130 000 m2 (2016: 122 200 m2). Dieser Erfolg widerspiegelt den Fakt, dass die industrielle Automatisierung zu den Kernkompetenzen der deutschen Wirtschaft zählt und damit einen wesentlichen Treiber darstellt. Und – die Spatzen pfeifen es von den Dächern – in diesem Szenario ist die bereits genannte Digitalisierung der zentrale Faktor.

Dass sich Shopfloor und IT damit immer enger vernetzen, nahm die Messe in der thematisch neu ausgerichteten Halle 6 auf: Hier drehte sich alles um industrielle Web-Services, digitale Geschäftsplattformen und Lösungen in den Bereichen Software, Cloud-Dienste und Cyber-Security. Zusätzlich konnten sich die Besucher auf themenbezogenen Sonderschauflächen wie zum Beispiel dem «Automation meets IT»-Gemeinschaftsstand über entsprechende hochaktuelle Themen der Automatisierungsbranche informieren.

Was dem Schreibenden weiter auffiel: Offensichtlich haben Virtual Reality (VR) und auch Augmented Reality (AR) den Durchbruch in die Produktion beziehungsweise in die Produktentwicklung geschafft: Auf diversen Messeständen gab es Bereiche, in denen ein Besucher oder ein Mitglied des Standpersonals mit einer VR-Brille auf dem Kopf im leeren Raum Manipulationen an einer virtuellen Installation vornehmen konnte, während Zuschauer den ganzen Vorgang auf einem Wandbildschirm verfolgen konnten. Diese Demonstrationen sind ein gutes Beispiel dafür, wie Weiterentwicklungen im Consumerbereich – in diesem Fall in der Game-Industrie – und die durch Skaleneffekte bedingte Preisreduktion bei der Hardware, hier den VR-Brillen, einem Prinzip in der Industrie zum Durchbruch verhelfen können.

Jetzt zurück zur SPS IPC Drives: Ganz offensichtlich trägt sie die Affiche als internationale Leitmesse zu Recht. Rund ein Drittel der Aussteller kam aus dem nichtdeutschen Ausland. Dabei fiel auf, dass Unternehmen aus Fernost zahlreicher werden: Allein aus der VR China waren 84 vor Ort, aus Taiwan noch einmal 38, während nur 19 aus Japan und 8 aus Südkorea stammten; insgesamt kamen also 149 aus dem Ostasiatischen Raum. Aus der Schweiz waren immerhin 46 Aussteller präsent, was dem fünftgrössten Kontingent hinter Deutschland (1113), Italien (105), der VR China und den USA (51) entspricht.

In der Folge einige ausgesuchte Neuheiten von der Messe:

ABB stellte ein neues Mitglied der YuMi-Familie vor. Der kollaborative Einarmroboter soll anwenderrelevante Funktionen mit wesentlich geringerem Platzbedarf kombinieren. Seine offizielle Markteinführung ist 2018 geplant. Ebenso wie der zweiarmige YuMi, der 2015 für die Kleinteilmontage lanciert wurde, hat auch der Neue eine Traglast von 500 g. Dank seiner kompakten Bauweise soll er sich leicht in bestehende Montagelinien integrieren lassen. Er ist mit Lead-Through-Programmierung ausgestattet, was eine spezielle Schulung für den Bediener überflüssig macht. Laut Hersteller hat der Erfolg von YuMi alle Erwartungen übertroffen. Ursprünglich für die Kleinteilmontage konzipiert, habe er sich als sehr vielseitig erwiesen. «Aufgrund des grossen Erfolgs von YuMi und da der Roboter auf ausdrücklichen Kundenwunsch entwickelt wurde, geht man bei ABB fest davon aus, dass der neue Einarmroboter sehr gut aufgenommen wird», sagt Sami Atiya, Leiter der Division Robotik und Antriebe von ABB.

Baumer lancierte mit «OM70 laser point» und «laser line» neue Hochleistungsdistanzsensoren. Sie vereinen hochgenaue Messtechnik mit einfacher Handhabung in der Automatisierungsindustrie. Wiederholgenaue Messungen im Submikrometerbereich und minimalste Linearitätsabweichungen sollen die zuverlässige Vermessung von Bauteilen und die hochpräzise Positionierung von Objekten oder Greifern ermöglichen. Die Sensoren garantieren gemäss Hersteller eine hohe Prozesssicherheit auch bei Temperaturschwankungen oder variierenden Fremdlichteinflüssen. Der OM70 laser point eignet sich dank sehr geringer Spotgrösse vor allem für Positions- und Höhenüberprüfungen von kleinen Bauteilen und Objekten. Die sehr feine Laserlinie des OM70 laser line bietet auch bei anspruchsvollen Oberflächen hohe Präzision, heisst es. Zudem ermöglichen spezielle Varianten für die Toleranzmessung eine effiziente Überprüfung der Masshaltigkeit von Objekten. Durch das Einlernen einer Referenz ermitteln die OM70-Sensoren direkt die Abweichung vom Sollmass. Ein digitaler Ausgang kann entsprechend parametriert werden. Die Parametrierung kann direkt am Sensor über das gut sichtbare Touch-Display mit integriertem Monitor vorgenommen werden.

Ifm Electronic brachte eine neue Modellreihe innovativer Signalleuchten mit patentgeschützter LED-RGB-Technologie mit nach Nürnberg. Diese schafft unter anderem einen starken Kontrastunterschied zwischen dem Lichtfleck der LED und der Umgebung. Da keine metallischen Komponenten wie Schrauben oder Stecker freiliegen, eignen sich die Leuchten besonders für den Einsatz in der Lebensmittelindustrie sowie im medizinischen, pharmazeutischen oder chemischen Bereich.

Signalleuchte mit verschiedenen Farben und Tönen

Laut ifm müssen Signalleuchten generell an die Applikation angepasst werden. Hier verfolgt der Hersteller einen pfiffigen Ansatz: Anstatt verschiedenfarbige Module umständlich aneinanderzureihen, bietet die neue Technologie die Möglichkeit, jede Signalleuchte mittels IO-Link oder per Einstellmenü und Tasten bedarfsgerecht anzupassen, beispielsweise in den Modi Dauerlicht, Blinklicht, Blitzlicht, verschiedene Farben und Sirene mit sieben unterschiedlichen Signaltönen. Das reduziert die Variantenvielfalt und Lagerhaltung. Die neue Signalleuchte ist aber auch als Standardvariante mit binären Eingängen erhältlich.

Maxon Motor bietet seine starken, bürstenlosen Flachmotoren ab sofort auch als Frameless Kit an. Das heisst: Stator und Rotor werden separat geliefert und erst bei der Montage zusammengeführt. Eine Lösung, die vor allem für Robotikanwendungen mit engen Platzverhältnissen interessant ist. Der Antriebsspezialist erweitert zudem seine konfigurierbare Produktelinie im Bereich der bürstenlosen DC-Motoren. Die Antriebe «ECX Speed» gibt es neu mit den Durchmessern 13 und 19 mm in den Varianten Standard und High Power. Hinzu kommen passende «GPX»-Planetengetriebe und -Encoder. Die Antriebe erreichen sehr hohe Drehzahlen und eignen sich besonders für Anwendungen in Power Tools. Alle Komponenten lassen sich vom Kunden online konfigurieren.

Standardisierung von Messdaten vereinfachen

NI National Instruments bringt mit der «Data Management Software Suite» eine automatisierte Komplettlösung auf den Markt, um aus Messdaten umsetzbare Erkenntnisse für den Anwender zu generieren. Die Software Suite soll die unternehmensweite Standardisierung von Messdaten, das Data-Mining, die automatisierte Analyse dieser Daten und die Erstellung von Berichten ermöglichen und vereinfachen. Dies übernimmt der in der Data Management Software Suite enthaltene Analysis-Server. Die komplette Suite lässt sich mit bestehenden Datenformaten und IT-Infrastrukturen integrieren, sodass Daten über jeden Windows-PC mit Netzwerkanbindung verwaltet werden können.

Die J. Schmalz GmbH, erstmals auf der SPS IPC Drives vertreten, zeigte dort wie intelligente Vakuumtechnik relevante Prozessdaten bereitstellen und so Automationsabläufe transparent machen kann. Die Smart Field Devices sollen in der Lage sein, mit allen gängigen Produktionsleitsystemen, Cloud-Plattformen oder sonstigen Steuerungslösungen zu kommunizieren. Der Vakuumerzeuger «ECBPi» arbeitet ohne Druckluft und soll sich besonders für Handhabungsaufgaben in der mobilen Robotik eignen. Via IO-Link stellt er dem Anwender Daten zu Energieverbrauch und Anlagenzustand bereit und leitet Handlungsempfehlungen zur vorbeugenden Wartung ab. All diese Daten stellt er im Feldbussystem oder in der Cloud bereit. Der ECBPi verfügt über eine NFC-Datenschnittstelle, über die Prozess- und Performancedaten auf mobilen Endgeräten wie Tablet-PC oder Smartphone bereitgestellt werden können. (msc)

abb.com
baumer.com
ifm.com
maxonmotor.ch
switzerland.ni.com
schmalz.com



Auf der SPS IPC Drives der Renner: Ein Besucher auf dem Messestand versucht unter Anleitung des Moderators (rechts) im leeren Raum mit VR-Brille eine Aufgabe zu lösen, das Publikum vefolgt auf dem Grossbildschirm (oben im Bild) das Resultat seiner Bemühungen. (Bild: Mesago)


Die «OM70 laser line»-Hochleistungssensoren eignen sich besonders für den Einsatz auf anspruchsvollen Oberflächen. (Bild: Baumer)


Maxon Motor lanciert mit dem «EC frame-less 90» einen Flachmotor als Frameless-Kit. (Bild: maxon)


Diese Signalleuchten können individuell konfiguriert und angepasst werden. (Bild: ifm)


Der smarte Vakuum-Erzeuger ECBPi ermöglicht via IO-Link die Prozessüberwachung von der Maschine bis in die Cloud. (Bild: Schmalz)