Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
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Ausgabe 08/2012, 14.08.2012

Soll ich mich weiterbilden oder einen Doktortitel kaufen?

Wie steht es um die Qualität der Weiterbildungslehrgänge? Soll sich die Schweiz den europäischen Standards anpassen? Und was ist von ausländischen Fernstudien zu halten, bei welchen in Kürze ein Doktortitel «erarbeitet» werden kann?

«Life Long Learning» soll in der Schweiz gelebt werden. Nach einer soliden Grundausbildung (Berufslehre, Fachhochschule, Universität) sollen sich berufstätige Personen regelmässig weiterbilden. Da sich alle der Wichtigkeit bewusst sind, wird aktuell ein neues Weiterbildungsgesetz geschaffen.
Viele bezeichnen die Bildung als das wertvollste Gut der Schweiz. Und man ist sich einig, dass gezielte Weiterbildung im Berufsalltag sehr wichtig ist. Wie aber deren Finanzierung gelöst werden soll, ist immer noch umstritten. Welche Studiengänge subventioniert werden sollen und welche nicht, steht ebenfalls zur Diskussion.
Die Frage, die viele Experten beschäftigt, lautet: «Soll die gute Bildung nur begüterten Personen offen stehen oder soll Bildung allen kostenlos angeboten werden?»
Aktuell wird die Bildung in der Schweiz stark subventioniert, das heisst, dass Bund und Kantone viel Geld für die Grundausbildung zur Verfügung stellen. Die Semestergebühr an einer Fachhochschule beträgt 700 Franken pro Semester und entspricht nur etwa 5 Prozent der effektiv anfallenden Kosten. Die Kosten für eintägige Seminare bewegen sich ebenfalls in diesem Rahmen, weil sie ohne Subventionen durch Bund und Kanton finanziert werden müssen.
Will sich jemand zum «Meister» weiterbilden oder einen Master-Abschluss über eine Weiterbildung erwerben, muss er eine hohe finanzielle Hürde überwinden. Denn: Wer bezahlt die über 20 000 Franken für eine Master-Weiterbildung? Oft bezahlen Unternehmungen einen Teil dieser Kosten, um den Mitarbeitenden einen Anreiz zur Weiterbildung zu geben. Was aber, wenn der Arbeitgeber nicht unter die Arme greift?
Nehmen wir das Beispiel einer 35-jährigen Person, die nach Jahren der Berufspraxis wieder die Schulbank drücken soll. Unser Bildungssystem bietet in diesem Fall die Weiterbildungsprodukte Certificate of Advanced Studies, CAS, Diploma of Advanced Studies, DAS, Master of Advanced Studies, MAS, oder Executive Master of Business Administration, EMBA, an. Da diese Weiterbildungsprodukte zur vollen Kostendeckung angeboten werden müssen, sind sie in der Regel sehr teuer. Gibt es Alternativen? Wie wäre es mit einem Studium an einer sogenannten Fernuniversität? Beispiele wie «In weniger als 6 Monaten zum Dr.-Titel» zeigen, dass es auf dem Weiterbildungsmarkt auch unseriöse Angebote gibt. Leider ist auch unter seriösen Bildungsinstitutionen die Handhabung des European Credit Transfer System, ECTS, sehr unterschiedlich.
Ist es möglich, berufstätig – auch nur teilweise – innerhalb von 2 Jahren noch 120 ECTS-Punkte in einem Studium zu erarbeiten? Ein ECTS-Punkt entspricht einem Studienaufwand von 25 bis 30 Arbeitsstunden. Da muss also wohl noch das Lehrbuch unter dem Kopfkissen eingerechnet werden... Die Abschlüsse in der Hochschulweiterbildung bringen

  • CAS: mind. 10 ECTS-Punkte
  • DAS: mind. 30 ECTS-Punkte
  • MAS: mind. 60 ECTS-Punkte

Master-Abschlüsse gibt es wie Sand am Meer. Leider ist sehr schwierig, den Wert bzw. die Qualität eines Master-Abschlusses zu beurteilen. Darum wird auch bei uns, ähnlich wie in den USA, das Ranking unter den Hochschulen an Bedeutung zunehmen. Lehrgänge, welche nicht selbst für eine gute Qualität sorgen, werden sich ins eigene Fleisch schneiden. Ein Abschluss an einer renommierten, akkreditierten Hochschule wird wertvoller sein als ein Abschluss, der zwar genauso viele ECTS-Punkte ausweist, wo aber die Schule nicht denselben guten Ruf besitzt.
Unter anerkannten Hochschulen gibt es Zusammenarbeitsverträge. Im neuen Weiterbildungsgesetz wird der Anrechnung von Bildungsleistung Rechnung getragen. Erworbene Kompetenzen können so an einer anderen Hochschule angerechnet werden.
Fachkräfte können nur mit guter Weiterbildung ihr Wissen aktualisieren und damit ihren Marktwert erhalten. Darum müssen auf politischer Ebene genügend beziehungsweise die richtigen Anreize geschaffen werden, damit gebildete Fachkräfte durch stetige Weiterbildung auf dem Laufenden bleiben.
Die Attraktivität eines Mitarbeitenden für den aktuellen ebenso wie für den potenziellen Arbeitgeber wird über eine Weiterbildung aber nicht nur erhalten, sondern auch gesteigert. Dies jedenfalls zeigt die Salärumfrage 2011/2012 von Swiss Engineering: «Wer eine Hochschulweiterbildung abgeschlossen hat, kann einen deutlich höheren Lohn erwarten als jene, die nur berufsbegleitende Einzelkurse besuchten oder (noch) keine Weiterbildung in Angriff genommen haben.»
Die Aus- und Weiterbildung wird also auch in Zukunft von zentraler Wichtigkeit für den Werkplatz Schweiz und seine Positionierung auf dem globalen Markt sein. Die Verantwortung dazu liegt sowohl bei der Politik als auch bei den Arbeitgebern und ihrer Unterstützung der Mitarbeitenden bei der Weiterbildung. Die hohen Qualitätsstandards in der Schweiz sollen nicht auf Auslandniveau angepasst werden. Tragen Sie persönlich durch Ihre Aus-/Weiterbildung dazu bei, dass die Schweiz auch künftig auf genügend Fachkräfte zählen kann!•

Autor: Prof. Martin Hüsler, Leiter WeiterbildungHochschule für Technik FHNW
5210 Windisch, Tel. 056 462 46 76
weiterbildung.technik@fhnw.ch
www.fhnw.ch/wbt


Infoabende zu den MAS und CAS:(jeweils von 18.15 bis 20 Uhr)

  • 29. August in Brugg/Windisch
  • 5. November in Basel