Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 10/2014, 08.10.2014

Schweizer Medizinaltechnik auf gutem Weg

Die Schweizer Medtech-Unternehmen fühlen sich trotz verschärfter Rahmenbedingungen gut gerüstet: Für dieses und nächstes Jahr erwarten sie eine Wachstumsrate von knapp 10 Prozent. Gefahr droht hauptsächlich durch den starken Franken und die zunehmende Regulierungswut, aber auch durch fehlende Ressourcen für quantitatives Wachstum. So jedenfalls sieht es der «Swiss Medical Technology Industry Report» 2014.

Die Schweizer Medtech-Firmen haben in Zeiten des Umbruchs weitgehend ihre Hausaufgaben gemacht und erwarten für dieses und nächstes Jahr eine Wachstumsrate von durchschnittlich 9,7 Prozent. Angesichts des internationalen Preis- und Wettbewerbsdrucks sowie der wachsenden Regulierungen und Ressourcen-Knappheit sind jedoch vor allem KMU gefordert, vermehrt aus ihren Nischen heraus zu agieren, um sich im globalisierten und konsolidierten Umfeld weiterhin zu behaupten.

Dies ist ein Fazit des vom Medical Cluster zusammen mit Patrick Dümmler und Beatus Hofrichter, ConCep+, verfassten Swiss Medical Technology Industry (SMTI) Reports 2014, der auf einer breiten Befragung von 341 Medtech-Firmen basiert.

Als attraktiver Standort für die Medizintechnik hält die Schweiz hinsichtlich ihrer Dichte und volkswirtschaftlichen Bedeutung weltweit eine Spitzenposition: Hier sind im europäischen Vergleich mit rund 1450 Herstellern, Zulieferern, Händlern und Dienstleistern am meisten Betriebe pro Kopf angesiedelt. Die globalen Top 90 der gelisteten Medtech-Firmen haben in den vergangenen acht Jahren den Umsatz von 180 auf 348 Mrd. US-Dollar praktisch verdoppelt.

Doch die internationale Wechselkursproblematik bleibt weiterhin bestehen, was die Wettbewerbsfähigkeit schmälert. Investitionen werden deswegen zusätzlich in Ländern mit vorteilhafteren Kursen getätigt.

Neben dem Preisdruck sind die Regulierungen die beiden Kernherausforderungen, die sich laut 85 Prozent der Befragten in einem zunehmend globalisierten und konsolidierten Umfeld noch weiter verschärfen werden. Jedoch: Um diesen adäquat zu begegnen, haben viele Unternehmen, vor allem die KMU, gemäss der Studie nicht die kritische Grösse; es fehlen die nötigen Ressourcen. Hauptsächlich Hersteller mit einem jährlichen Umsatz zwischen 10 und 50  Mio. Franken müssen kreativ werden, um aus ihrer Nischenposition erfolgreicher zu agieren.

76 Prozent der SMTI (5 Prozent mehr als 2012) planen auch in den kommenden zwei Jahren strategische Investitionen, rund 70 Prozent davon in die Produktion und in F&E. Marketing und Verkauf gewinnt als dritter Bereich an Bedeutung. Der Fokus liegt zusehends auf dem Heimmarkt. So sollen die Ausgaben in der Schweiz um 10 Prozent steigen.

Auf der anderen Seite fokussieren vor allem mittelgrosse Firmen in den Aufbau zusätzlicher Produktionsstandorte ausserhalb der Schweiz. Zur Stärkung des Schweizer Standorts regen die Autoren der Studie unter anderem den Auf- und Ausbau von gemeinsamen Expertenplattformen sowie die Erweiterung des Aus- und Weiterbildungsangebots an den Universitäten an. Zudem gelte es, die Zulassung von ausländischen Spezialisten zu verbessern.


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Die Schweizer Medtech-Branche will wachsen: Der Fokus liegt zunehmend auf dem einheimischen Markt; so sollen die Investitionen dort um rund 10 Prozent zulegen. (Bild: Fotolia)

Schweizer Medtech-Branche

  • Rund 1450 Unternehmen, darunter etwa 850 Hersteller und Zulieferer, fast 600 Händler und spezialisierte Dienstleister
  • 52 000 Vollzeitstellen
  • Mit einem Umsatz von rund CHF 14 Mrd. beträgt der Anteil am Schweizer BIP 2,3 Prozent
  • Medtech-Hersteller investieren jährlich 17 Prozent und Zulieferer 11 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung
  • Das gesamte Exportvolumen der Medtech-Firmen beträgt etwa CHF 10,5 Mrd.
  • Grösster Exportmarkt ist die USA mit CHF 2,2 Mrd., gefolgt von Deutschland mit CHF 2 Mrd.
  • Die Schweizer Medizintechnikindustrie trägt 24 Prozent zum Schweizer Handelsüberschuss bei

Regulierungsflut als Hindernis

Als eine grosse Herausforderung und zugleich Markteintrittshürde nennen die Befragten im SMTI-Report die wachsende Regulierungsflut. Von der Entwicklung über die Herstellung bis zur Auslieferung eines Medizinprodukts können die verschiedenen Phasen bis zur Markteinführung bis zu sechs Jahre beanspruchen. Beispielsweise verlangt die Prüfnorm zur Belastung und zum Verschleiss eines Hüftgelenkersatzes mehrere Millionen Testzyklen. Unter anderem fallen für die technische und klinische Dokumentation eines Produkts heute je nach Risikoklasse bis zu 10 000 Seiten an. Mit den kommenden neuen EU-Medizinprodukte-Richtlinien (MDR) wird künftig der Zertifizierungsaufwand auch für die Schweiz noch weiter wachsen.