Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
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Ausgabe 03/2014, 12.03.2014

Je früher die Zusammenarbeit, desto besser das Ergebnis

Der Stanz- und Feinschneidspezialist Etampa AG möchte gemeinsam mit seinen Kunden eine perfekte und kostenoptimierte Teilefertigung realisieren. Um dies zu erreichen, empfiehlt der Lohnfertiger, sein umfassendes Prozess-Know-how bereits in einem frühen Entwicklungsstadium des Produkts mit einfliessen zu lassen.

Filigrane, hochkomplexe Stanz- und Feinschneidteile nach Kundenanforderung – dies ist das Metier der Etampa AG in Grenchen/SO. Die meist aus Stahlblech hochpräzise gefertigten Teile gehen an Kunden in der Automobil- und Bauindustrie, der Elektronik/Elektrotechnik sowie der Sicherheits- und Medizinaltechnik. Dort, wo sie verbaut werden, erfüllen sie oft eine Schlüsselfunktion und sind sicherheitsrelevant. Das gilt für Brems- und Sicherheitssysteme für Fahrzeuge ebenso wie für Komponenten von Elektromotoren, aber auch für Haushaltsgeräte oder Lifestyle-Produkte wie Zahnbürsten oder Rasierer.
Hauptabnehmer ist allerdings mit 70 Prozent die Automobilindustrie. «Besonders stark sind wir im Segment für Teile von ABS- und ESP-Systemen sowie bei Ventilteilen», präzisiert CEO Walter Sahli. Insbesondere die wiedererstarkte US-Automobilindustrie sei zunehmend auf Technik aus Europa angewiesen. Hier möchte Etampa verstärkt mitmischen.
Gefertigt werden die Teile vorwiegend aus Stahl oder Edelstahl, aber auch aus Buntmetall, Aluminium und Titan. Pro Jahr verarbeitet Etampa etwa 1500 t an Stahllegierungen und 300 t an weiteren Metallen in Form von Coils. Auf Stanz- und Feinschneidteile entfallen jeweils rund 50 Prozent, wobei Seriengrössen bis über 50 Mio. Stück pro Jahr erreichen können.
Beim Stanzen von Bandmaterial zwischen 0,1 und 4 mm Dicke sind die Produktionsgeschwindigkeiten in der Regel hoch bis sehr hoch: Die Pressen arbeiten mit bis zu mehreren Hundert Hüben pro Minute. Dabei werden die Teile meist mithilfe von Folgeverbundwerkzeugen, die mehrere Arbeitsschritte nacheinander verbinden, gebogen, tiefgezogen, geprägt, gewindegeformt, abgestreckt, geschnitten oder quer gelocht. In den von Etampa eingesetzten 12 Stanzautomaten und Schnellläuferpressen mit Presskräften von 250 bis 1000 kN sorgt moderne Servotechnik dafür, dass die Pressleistung optimal umgesetzt wird.
Im Vergleich zu herkömmlichen Antriebssystemen lässt sich die Fertigungspräzision entweder mit einer höheren Ausbringung kombinieren oder – bei gleicher Ausbringleistung – die Präzision der Werkstücke weiter erhöhen. «Zum Vorteil unserer Kunden ist damit je nach Teilegeometrie und -beschaffenheit ein um bis zu 50 Prozent gesteigerter Ausstoss eine realistische Zielgrösse», macht Walter Sahli deutlich.
Das Feinschneiden ist immer dann das Verfahren der Wahl, wenn die Schnittflächen spezielle Anforderungen erfüllen müssen, und wenn ein hoher Glattschnittanteil gefordert ist. Die bei Etampa eingesetzten 14 Feinschneidpressen mit Presskräften zwischen 400 und 2500 kN erzielen äusserst rechtwinklige Schnitte und Glattschnittanteile bis 100 Prozent. «Aufgrund der hohen Form- und Massgenauigkeit können weitere Bearbeitungsschritte wie das Entgraten oder Schleifen teilweise komplett entfallen», betont Walter Sahli. Dank moderner Pressentechnik auf Basis der Servotechnologie können in einem Hub verschiedene Geschwindigkeiten gefahren werden. «Hieraus resultiert eine signifikant höhere Ausbringleistung bei gleichbleibender Qualität und damit eine deutlich bessere Wirtschaftlichkeit, die unseren Kunden zugute kommt», so der Firmenchef.
Beim Feinschneiden verarbeiten die Grenchner Bandmaterial in Dicken zwischen 0,5 und 6 mm. Produziert werden die Teile im Komplettschnitt oder mittels Folgeverbund-Werkzeugen bei Hubzahlen bis über 100 min-1: Im Komplettschnitt – alles in einem Hub  – erfährt das Werkstück gleichzeitig mehrere Veränderungen, während im Folgeverbund eine Vielzahl an unterschiedlichen Arbeitsschritten nacheinander kombiniert werden können. Dabei werden die Teile unter Berücksichtigung extrem enger Toleranzen unter anderem gebogen, tiefgezogen, geprägt, geschnitten, gewindegeformt oder quer gelocht.
Um im Bereich Feinschneiden leistungsmässig auch weiterhin auf dem neusten Stand zu sein, investierte Etampa rund 2 Mio. CHF in eine neue 2500-kN-Feinschneidpresse samt Peripherie. «Diese servomechanische Presse ist etwa dreimal so leistungsfähig wie ihre Vorgänger und bietet zusätzliche technische Features», hebt Walter Sahli hervor. So erlaube die vom internationalen Marktführer Feintool in Lyss gelieferte Maschine des Typs Feinspeed XFT 2500 beispielsweise die Verkettung von bisher separaten Produktionsschritten in einem Arbeitsgang.
Die neue Anlage besteht eigentlich aus zwei Maschinen: Eine Bandzuführ- und -richtanlage von Arku behandelt das Coil vor, um Spannungen und Unregelmässigkeiten im Metall zu beseitigen. Danach wird das Blechband in die Presse geführt, die die Präzisionsteile vollautomatisch fertigt. Bis 2017 will Etampa pro Jahr noch jeweils eine weitere Presse dieser Art anschaffen. «Die Schweizer Spitzenbetriebe der Metallbearbeitung müssen in Spitzentechnologie investieren, um die Marktführerschaft zu verteidigen», ist Walter Sahli überzeugt.
Am Anfang eines neuen Kundenprojekts steht in der Regel eine Zeichnung in einem unterschiedlich frühen Produkt- oder Teileplanungsstadium. Viele Kunden legen Wert auf das aktive Co-Engineering von Etampa: Dabei werden funktionelle Anforderungen, verwendete Materialien oder Materialdicken diskutiert, um gemeinsam ein hinsichtlich seiner Eigenschaften und Produktionseignung optimiertes Teil zu finden. «Die Kunden schätzen unsere Erfahrung und den technischen Input vor allem deshalb, weil Produktionen optimiert sowie zeitnah zu realisieren sind», sagt Walter Sahli. Dazu müssen die Zuständigen bei Etampa Anforderungen und Funktionsweise der zu fertigenden Teile möglichst genau verstanden haben – erst dann können Funktionstoleranzen und Prüfvorschriften festgelegt werden.
«Wir möchten unsere Beratungs- und Entwicklungsleistungen ab einem möglichst frühen Zeitpunkt anbieten», merkt Walter Sahli an. «So lässt sich das Optimierungspotenzial hinsichtlich der Produkteigenschaften am besten ausschöpfen.» Dem Bereich Werkstoffe, Oberfläche und Tribologie komme dabei eine immer grössere Bedeutung zu, weshalb die diesbezüglichen Kapazitäten bei Etampa ausgebaut werden sollen.
Ein gemeinsam erarbeitetes, fertigungsoptimiertes Produkt hat einen nachhaltigen Einfluss auf Werkzeugkonzeption, Nachschleifzyklen sowie auf die Lebensdauer der Werkzeuge. Walter Sahli: «Wir teilen unseren Kunden mit, wenn sich durch geringfügige Veränderungen an der ursprünglichen Teileplanung die Produktivität deutlich erhöhen würde, wenn durch veränderte Toleranzen oder Materialien günstiger produziert werden könnte oder wenn der Materialverbrauch erheblich geringer würde, weil der Stanzstreifen optimiert werden kann.» Nicht selten ergebe sich daraus für den Kunden ein erhebliches Einsparpotenzial, denn die optimierte Produktion habe positive Auswirkungen auf die Teilekosten und damit auf die Gesamtinvestition. ■
- Bernhard Reichenbach

Etampa AG, Grenchen, Tel. 032 644 21 21
www.etampa.ch
Feintool Technologie AG, Lyss, Tel. 032 387 51 11
www.feintool.com


Etampa AG
Der weltweit agierende Stanz- und Feindschneidspezialist Etampa AG, Grenchen/SO, fertigt im Lohnauftrag für Kunden aus der Automobil- und Bauindustrie, der Elektronik/Elektrotechnik sowie der Sicherheits- und Medizinaltechnik komplexe Kleinteile. Das 1945 gegründete 90-Mitarbeiter-Unternehmen unterhält an seinem Hauptsitz auf 7200 m2 Betriebsfläche ein effizientes Engineering, einen leistungsstarken Werkzeugbau und eine modern ausgerüstete Produktion mit 12 Stanz- und 14 Feinschneidpressen. Zudem ist Etampa mit einer Verkaufsniederlassung in Illinois/USA vertreten. Um mit seinen Produkten näher am Kunden zu sein, soll hier ein Konsignationslager eingerichtet werden. Amerika ist mit 15 Prozent Umsatzanteil nach Europa mit 60 Prozent – und noch vor Asien – der zweitwichtigste Absatzmarkt. Das Unternehmen, dessen Exportanteil bei 90 Prozent liegt, erzielte 2013 einen Umsatz von rund 20 Mio. CHF.
 


TR-Meinung
Der Grenchner Stanz- und Feinschneidspezialist Etampa investiert erhebliche Summen in moderne, leistungsfähige Ausrüstung. Damit ist ein gewisses Risiko verbunden: Wie entwickelt sich die wirtschaftliche Lage? Können die Maschinen ausgelastet werden? Dieses Risiko muss jedoch eingegangen werden, denn kostenintensive Produkte aus dem Hochlohnland Schweiz müssen besonders gut sein, um ihren Preis zu rechtfertigen – und echte Spitzenprodukte lassen sich eben nur mit Spitzenausrüstung wirtschaftlich herstellen.
- Bernhard Reichenbach, Redaktor TR