Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 07/2014, 23.06.2014

Der Kampf um die Talente hat begonnen

Der Beruf des Automatikers scheint sich grosser Nachfrage zu erfreuen. So hat die Siemens Schweiz AG vor Kurzem beschlossen, ihre Ausbildungsquote für Automatiker deutlich zu erhöhen. Konkret ist auch eine Ausbildungsrichtung Gebäudeautomatiker geplant.

(pi) Die Geschäftsaussichten für Anbieter von Automatisierungs- und Sicherheitssystemen sind derzeit attraktiv. Insbesondere infolge der nach wie vor hohen Bautätigkeit sowie der umzusetzenden Energiewende ist die Nachfrage nach energieeffizienten und nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen im Gebäudebereich hoch. Nicht umsonst suchen Unternehmen, die in diesem Segment tätig sind, händeringend nach qualifiziertem Personal.

So hat beispielsweise die Siemens Schweiz AG angekündigt, ihr Lehrstellenangebot für Auto­matiker mit Schwerpunkt Gebäudetechnik in den kommenden drei Jahren von bisher 42 auf insgesamt 64 Lehrstellen zu erhöhen. Die Division «Building Technologies» (BT) ist das umsatzstärkste Geschäftssegment der Schweizer Siemens-Tochter mit einem jährlichen Wachstum von durchschnittlich acht Prozent seit 2011.

Sieht man sich die Altersstruktur der Siemens-Beschäftigten in diesem Bereich an, ist es kein Wunder, wenn die Verantwortlichen die Ausbildungsaktivitäten deutlich forcieren möchten. «Alleine im Bereich Projektabwicklung und Kundendienst werden in den nächsten fünf Jahren über 70 Mitarbeitende in Pension gehen», sagt Paul Züger, Ausbildungskoordinator bei der Division Building Technologies (siehe auch Interview). Und nachdem der Schweizer Souverän ein deutliches Veto gegen zu viel Zuwanderung eingelegt hat, bleibt als sicherer Weg nur noch die eigene Ausbildung, um dieses Loch zu stopfen.

Noch gibt es in der Schweiz keine spezifische Lehre zum Gebäudeautomatiker. Daher plant die Siemens Schweiz AG zusammen mit einigen Schweizer Ausbildungsstätten, den «Gebäudeautomatiker HF» einzuführen. Während die Ausbildungsschwerpunkte noch im Detail ausgehandelt werden müssen, sind sich in einem Punkt alle einig: Die Attraktivität des Berufs Automatiker muss deutlich erhöht werden.

Denn während Elektroinstallateur oder Polymechaniker in der Auszubildendengunst weit oben liegen, taucht der Automatiker im Ranking der Top-20-Ausbildungsberufe erst gar nicht auf. Das heisst, es muss noch kräftig am Image des jungen Berufs gefeilt werden, der erst 1997 als eigenständige Ausbildung anerkannt wurde.

www.technische-rundschau.ch/grand-prix-automatiker

«Schwierige Personalsituation»

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Siemens Schweiz AG Berufsbildung
8047 Zürich, Tel. 0585 583 554
berufsbildung.ch@siemens.com
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Gute Karriereaussichten: Automatiker werden, auch aufgrund der breiten Ausbildungsinhalte, händeringend gesucht. (Bilder: Siemens)


Paul Züger, Ausbildungskoordinator Siemens-Division Building Technologies.

Grand Prix Automatiker

Die Zeitschrift «Technische Rundschau» hatte bereits Ende vorigen Jahres die Bedeutung des Automatikers für die Schweiz erkannt. Zusammen mit der Festo Schweiz AG und Wago Contact wurde deshalb der Wettbewerb «Grand Prix Auto­matiker» ins Leben gerufen, der auf der Fachmesse «Sindex» in Bern zur Uraufführung kommt. Am 3. September treten fünf Automatiker-Profis im fairen und spannenden Wettkampf gegeneinander an. Sie zeigen, welche Herausforderungen ein Automatiker heutzutage meistern muss, und machen daher im besten Sinne Werbung für diesen aufregenden Beruf.

Vier Fragen an Paul Züger, Siemens Building Technologies

Herr Züger, die Siemens-Division «Building Technologies» möchte die Anzahl an Automatiker-Lehrstellen von derzeit 42 auf insgesamt 64 Lehrstellen schweizweit ausbauen. Was steckt dahinter?

In der Gebäudebranche gestaltet sich das Marktumfeld beim Fachpersonal zurzeit schwierig. Da ein zunehmend intensiver Kampf um Talente stattfindet, wird die Personalrekrutierung immer schwieriger. Aus diesem Grund haben wir beschlossen, die Lehrstellen in diesem Fachgebiet auszubauen.

Aber wozu benötigt Siemens diese grosse Zahl an Automatikern?

Der Servicebereich der Building Technologies generiert mit rund 65 Prozent den grössten Teil des Geschäftsvolumens der Division. Dort werden in den nächsten fünf Jahren insgesamt rund 125 Personen in Pension gehen. Um einen Teil dieses Abgangs ersetzen zu können, braucht es neue Lernende.

Sie zielen sehr stark in Richtung Gebäudeautomatisierung. Noch gibt es gar kein eigenes Berufsbild «Gebäudeautomatiker».

Unsere Vision sieht vor, dass man in ein paar Jahren vom Berufsbild Gebäudeautomatiker sprechen und diese spezifische Ausbildung auch anbieten kann. Immerhin laufen parallel mehrere Projekte mit derselben Stossrichtung: So lanciert die Höhere Fachschule für Technik Mittelland ein Ausbildungsangebot zum Gebäudeautomatiker HF, und verschiedene Partner planen unter der Leitung des Verbandes Schweizerischer Elektro-Installa­tionsfirmen (VSEI) ein Ausbildungsangebot zum Gebäudeautomatiker mit eidgenössischem Fachausweis, welcher dann beispielsweise an der Schweizerischen Technischen Fachschule Winterthur, STFW, angeboten wird.

Hier sind sich alle am Prozess Beteiligten einig: Bezüglich Image des Berufsbildes Automatiker muss noch viel mehr Überzeugungsarbeit geleistet werden. Wir wollen den Bekanntheitsgrad unter anderem mit folgenden Massnahmen steigern: Social Media konsequent nutzen, Informationen für Berufsberater und Schulen bereitstellen sowie interne Medienkanäle einsetzen. Zudem haben wir einen guten Ruf bei jungen Talenten. Weltweit gehört Siemens bei den Studierenden zu den beliebtesten Arbeitgebern.