Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 01/2015, 16.01.2015

Die TR-Konjunkturumfrage: Die Stimmung ist besser als ihr Ruf

Die grossen MEM-Verbände haben ihren Mitgliedern für 2015 warme Regenbekleidung und festes Schuhwerk empfohlen; das Geschäftsklima soll rauer werden. Die «Technische Rundschau» wollte wissen, inwieweit diese Prognosen mit der Zulieferer- und Lohnfertigerrealität deckungsgleich sind. Wir haben deshalb fünf ausgewählte Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen zu ihrer persönlichen Konjunkturaussicht für 2015 befragt.

Autor: Wolfgang Pittrich

Roland Goethe, Geschäftsleitung Goethe AG, Glarus

Geschäftsverlauf 2014

Wir hatten die ersten drei Quartale ein sehr gutes Auftragsvolumen. Ab Mitte Jahr und besonders im letzten Quartal war das Bestell- und Auftragsvolumen rückläufig. Wir sind also in Summe nicht da, wo wir in 2014 eigentlich sein wollten.

Konjunkturausblick 2015

Die Gespräche, die wir bisher mit unseren langjährigen Kunden geführt haben, lassen einen durchaus vorsichtig positiven Ausblick auf 2015 zu. Wir haben höher budgetiert als 2014, und ich denke, wir werden unser Ziel auch erreichen. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass wir gewisse Anstrengungen unternommen haben, in andere Branchen zu diversifizieren, beispielsweise in die Baubranche oder den Elektronikbereich. Nur mit den bestehenden Kunden wäre der Ausblick auf 2015 sicherlich nicht so positiv.

Herausforderungen

Wir möchten uns noch breiter aufstellen als bisher. Nicht nur was die Diversifizierung in andere Branchen betrifft, sondern auch, wenn es um innovative Lösungen für unsere Kunden geht. Nur als reiner Lohnfertiger wahrgenommen zu werden, würde mittelfristig dazu führen, dass der Preisdruck noch grösser wird. Unser Ziel war es daher in den vergangenen beiden Jahren die Kunden bereits frühzeitig bei der Produktentwicklung zu unterstützen, beispielsweise durch das Know-how unserer Spezialisten bei der Konstruktion der Teile.

Wir möchten verstärkt aktiv auf die Kunden zugehen und Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. Diese Anstrengungen haben in 2014 erstmals Früchte getragen. Das hat uns stark geholfen, und da sehen wir auch die Zukunft.

Urs Müller, Verkaufsleiter Kubo Tech AG, Effretikon

Geschäftsverlauf 2014

Das Geschäftsjahr 2014 verlief sehr erfolgreich, sodass wir nach neuester Prognose mit einem Umsatzplus von 11 Prozent abschliessen werden. Besonders zu Beginn des Jahres waren die Auftragseingänge sehr stark, nach den Sommerferien war dann eine leichte Abkühlung spürbar. Ohne diesen Rückgang wäre das Jahr 2014 mit Sicherheit das Beste in der 34-jährigen Geschichte von Kubo Tech geworden. Nichtsdestotrotz dürfen wir stolz auf das zu erwartende Ergebnis sein. Zugelegt haben wir vor allem im Bereich kundenspezifische Hochleistungsdichtungen und Gesamtlösungen.

Konjunkturausblick 2015

Schon vor Beginn 2015 zogen wieder einige dunkle Wolken am Horizont auf. Ob sich diese wieder verziehen oder zum Sturm verdichten, entzieht sich noch unseren Kenntnissen. Der sekundäre Sektor wird immer kleiner und die Verlagerung von Schweizer Hightech-Produktionen geht munter weiter. Der Kostendruck parallel zum hohen Frankenkurs wird als Hauptgrund für Schliessungen oder Verlagerungen angegeben.

Nach solch negativen Meldungen sollten wir für das kommende Jahr eher pessimistisch sein. Doch durch die Nähe zu unseren Kunden sehen wir aber auch viele innovative Entwicklungen; Unternehmer, welche am Standort Schweiz festhalten und dank hochtechnologischen Produkten weiter zulegen. Das stimmt uns positiv und wir rechnen trotz Kundenschwund mit stagnierenden Zahlen.

Herausforderungen

Nebst den oben beschriebenen wirtschaftlichen Herausforderun­gen, sehen wir uns auch mit technologischen Herausforderungen konfrontiert. Während man sich früher mit einigen wenigen Vorschriften beschäftigen musste, werden wir heute mit unzähligen komplexen Machwerken überflutet. Einige davon füllen – mit ihren Querverweisen auf weitere Vorschriften – ganze Ordner. Flanschberechnungen und Montageschulungen nach DIN EN 1591-1 oder die EN 1935/2004 über Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, sind nur zwei Beispiele.

Einige davon haben durchaus ihre Berechtigung; andere wiede­rum behindern europäische Firmen und führen zu Wettbewerbsbenachteiligung gegenüber Produktionen, zum Beispiel aus asiatischen Ländern.

Stefan Kundert, Geschäftsleitung Kundert AG, Jona

Geschäftsverlauf 2014

Das Geschäftsjahr 2014 hat im ersten Quartal mit stark steigendem Auftragseingang begonnen, gefolgt von einem eher zurückhaltenden Sommer. Seit dem Herbst hat der Auftragseingang wiederum zugelegt. Insgesamt wird das Jahr 2014 zu einem zufriedenstellenden Ergebnis führen.

Konjunkturausblick 2015

Das kommende Jahr ist schwierig abzuschätzen. Zahlreiche internationale Krisenherde sowie ein konjunkturell schwaches Europa könnten einerseits als Wachstumsdämpfer wirken, andererseits beweist die Schweizer Exportindustrie immer wieder ihre Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit in einem schwierigen internationalen Umfeld, was uns vorsichtig optimistisch für die nächsten Jahre stimmt.

Herausforderungen

Die grösste wirtschaftliche Herausforderung im internationalen Wettbewerb wird die Lohnentwicklung in der Schweiz sein. Um die wesentlich höheren Lohnkosten in der Schweiz gegenüber den umliegenden EU-Ländern wettzumachen, muss die Schweizer Industrie sehr effizient mit modernster Technologie produzieren und sich gegenüber den Kunden flexibel und kundennah erweisen. Standortvorteile müssen durch einen nachhaltigen und breit gefächerten Abbau von bürokratischen Hemmnissen und Kosten sowie eine vergleichsweise tiefe Besteuerung von Unternehmensgewinnen bewahrt und verstärkt werden.

Peter Breitenmoser, Geschäftsleiter Schmolz + Bickenbach Stahlcenter AG, Bronschhofen

Geschäftsverlauf 2014

Das Geschäftsjahr ist gut angelaufen und verlief die ersten acht Monate sehr positiv. Danach ging es etwas unter unseren Erwartungen weiter. Übers ganze Jahr gesehen sind wir mit dem Geschäftsergebnis 2014 jedoch zufrieden.

Konjunkturausblick 2015

Wir gehen davon aus, dass sich der Markt in der Schweiz relativ stabil hält. Mit verschiedenen gezielten Marketingmassnahmen wollen wir unser Verkaufsteam bestmöglich unterstützen und dabei das Optimum herausholen. Insbesondere auch dank unserem langjährigen, gut eingespielten Team. Der gegenwärtige Auftragseingang stimmt uns dafür optimistisch.

Herausforderungen

Der Markt ist hart umkämpft. Der Wettbewerb hat in den letzten Jahren stark zugenommen und wird in naher Zukunft auch kaum abnehmen. Insbesondere das Tagesgeschäft ist sehr intensiv geworden. Heute bestellt, morgen geliefert – und dies immer zu äusserst wettbewerbsfähigen Bedingungen. Das fordert jede einzelne Mitarbeiterin und jeden einzelnen Mitarbeiter, tagtäglich einen sehr hohen Servicelevel zu leben.

Eine weitere Herausforderung ist die klare Positionierung unseres wirtschaftlich autonomen Unternehmens «Schmobi» mit Sitz im sankt-gallischen Wil, die unser KMU vom weltweit tätigen Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach differenzieren soll.

Rolf Schaub, Verkaufsleitung ZW Hydraulik AG, Rümlingen

Geschäftsverlauf 2014

Das Niveau der Auftragseingänge war im Vergleich zum Vorjahr etwa auf gleicher Höhe, bedeutet aber, auf bescheidenem Niveau. Dank natürlichen Abgängen, welche nicht mehr ersetzt wurden, konnte man sich der verschlechterten Marktsituat­ion anpassen und so eine Vollbeschäftigung sichern. Für 2014 wird das Geschäftsergebnis befriedigend ausfallen, was bei Betrachtung des wirtschaftlichen Umfeldes doch noch als Erfolg angesehen werden darf. Der Bestellungseingang in den letzten drei Monaten ist gesunken, das heisst auch, dass der Arbeitsvorrat am Schrumpfen ist und sich bereits ab Januar bemerkbar macht.

Konjunkturausblick 2015

Meiner Ansicht nach ist eine Erholung und Besserung kurzfristig nicht in Sicht. Die Margen verharren auf bescheidenem Niveau. Der Druck ist seit rund zwei Jahren konstant hoch und nagt an den Reserven. Mit noch höherer Effizienz und besseren Produktionsmethoden kann dem einigermas­sen entgegengewirkt werden.

Die schlechten Nachrichten aus dem mit Abstand wichtigsten Markt, der Europäi­schen Union, werden vorderhand nicht verstimmen. Der Konjunkturmotor ist weiterhin am Stottern. Die Grippe, welche wir seit Beginn der Krise eingefangen haben, ist noch nicht am Abklingen.

Herausforderungen

Die Frankenstärke ist und bleibt für uns als KMU ein Damoklesschwert. Die Auswirkungen belasten uns stark, obwohl die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit sich beruhigt hat. Für uns bedeutet dieses Thema immer noch eine grosse Herausforderung, aber irgendwann sind alle Massnahmen zur Abfederung aufgebraucht.

Es herrscht ein Nachholbedarf an Investitionen, welche in den nächsten zwei Jahren getätigt werden sollten; im Produktionsbereich neue Werkzeugmaschinen und im IT-Bereich ein neues ERP-System, was uns zukünftig die Wettbewerbsfähigkeit erhält und organisatorisch Doppelspurigkeiten vermeidet sowie Erleichterungen bringt.

Goethe AG
8750 Glarus, Tel. 055 646 80 70
info@goethe-ag.ch

Kubo Tech AG
8307 Effretikon, Tel. 052 354 18 18
info@kubo.ch

Schmolz + Bickenbach Stahlcenter AG
9552 Bronschhofen, Tel. 071 913 63 63
info@schmobi.ch

Kundert AG
8645 Jona, Tel. 055 225 16 16
info@kundert.ch

ZW Hydraulik AG
4444 Rümlingen, Tel. 062 285 20 40
info@zwh.com



Roland Goethe, Geschäftsleitung Goethe AG, Glarus


Urs Müller, Verkaufsleiter Kubo Tech AG, Effretikon


Peter Breitenmoser, Geschäftsleiter Schmolz + Bickenbach Stahlcenter AG, Bronschhofen


Rolf Schaub, Verkaufsleitung ZW Hydraulik AG, Rümlingen


Stefan Kundert, Geschäftsleitung Kundert AG, Jona