Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 01/2015, 16.01.2015

Schweizer "Jugend forscht": Wenn Mathe plötzlich Bock auf mehr macht

Die Stiftung «Schweizer Jugend forscht» lud Gymnasiasten und Berufsschüler beiderlei Geschlechts zur Studienwoche «Faszination Informatik». Die Jugendlichen überraschten mit klugen Denkansätzen und präsentierten stolz ihre pfiffigen Lösungen.

Autor: Elsbeth Heinzelmann freie Journalistin Technik und Wissenschaft, Bern Elsbeth Heinzelmann

Stefan Horisberger, Direktor der gemeinnützigen Stiftung «Schweizer Jugend forscht», organisierte, unterstützt durch die Hasler-Stiftung, die Studienwoche «Faszination Informatik». «Wir sind überrascht, welch knifflige Themen die 29 Jugendlichen dieses Jahr wissenschaftlich anpackten, und mit welcher Begeisterung sie schliesslich Mitte September 2014 ihre Resultate und Erkenntnisse an der Université de Fribourg einem zahlreichen Publikum vorstellten und fachlich erklärten.»

Die Veranstaltung richtet sich an Jugendliche auf Gymnasialstufe und in der Berufsbildung im Alter von 16 bis 21 Jahren. Jeweils zwei bis drei Teilnehmer aus der ganzen Schweiz bilden ein Team mit einem kompetenten Informatikspezialisten, um im Rahmen von 13 Projekten eine aktuelle Aufgabe der Informatik zu lösen. Dabei treten sie in direkten Kontakt mit der Welt der Informatik an Hochschulen*, können mit Kollegen und Kolleginnen Ideen austauschen und persönliche Netzwerke aufbauen.

«Wichtig ist es, dass die Jugendlichen den Spass, den sie heute haben, sowie die Leidenschaft weiter behalten. Nur so erzielen sie gute Resultate», weiss Professor Ulrich Ultes-Nitsche, Leiter des Departements Informatik an der Université de Fribourg.

Könnten sich nicht noch mehr beteiligen? Immerhin wurden von den 43 angebotenen Ausbildungsplätzen nur 29 in Anspruch genommen. Der SJf-Chef nickt: «Ja, die Rekrutierung ist schwierig, da wir die Veranstaltung unmittelbar nach den Sommerferien durchführen. Aber wir können dies nicht ändern, da die Studienwoche für die Partner zwingend in der studienfreien Zeit stattfinden muss.»

Michael Luggen, MSC in Computer Science der Université de Fribourg und Betreuer des Projekts, zieht trotzdem eine positive Bilanz: «Interessant ist, dass im Bereich der Informatik der Geschlechterunterschied keine Rolle spielt, gemischte Teams sind sogar besonders innovativ.» Dass junge Menschen oft davor zurückschrecken, ein Informatikstudium anzupacken, erklärt er mit einem Missverständnis: «Viele meinen, als Informatiker sitze man mutterseelenallein vor einem PC. Gerade das Gegenteil ist der Fall: Wirklich arbeiten kann man nur gemeinsam in dynamischen Netzwerken.»

Ivo Blöchliger übernahm die nicht einfache Aufgabe, die jungen Leute während der Studienwoche zu betreuen und für eine reibungslose Organisation zu sorgen. «Mir machte es einen Heidenspass», kommentiert der Oberassistent am Informatikdepartement der Université de Fribourg. «Ich erachte es als Privileg, eine Woche lang mit so talentierten und motivierten jungen Menschen meine persönliche Faszination an der Informatik teilen zu dürfen.»

*Informatik-Departemente der Université de Neuchâtel et de Fribourg, Università della Svizzera italiana und der Hochschule für Technik FHNW


Schweizer Jugend forscht (SJf)
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Stolze Jungforscher: Null Bock auf Mathe? Ganz im Gegenteil! Die 29 Jugend­lichen stürzten sich mit Feuereifer auf ihre Informatikaufgaben.


Präsentation im Hörsaal: Die Arbeiten wurden in einem Schlussbericht dokumentiert und ins Internet gestellt. (Bilder: Karin Büchler)

Kamera steuert Roboter

Sandro Covo und Eric Hoffman sind zwei der jungen Nachwuchsforscher, die an der Uni Fribourg ihre Projekte vorgestellt haben. Ihr Ziel war es, einen Roboter so zu programmieren, dass er sich dank einer Webcam im Raum orientieren kann. Den Legoroboter rüsteten sie mit dem Betriebssystem LeJos aus, das die Programmierung in Java ermöglicht. Zur Steuerung des Roboters analysierten sie zuerst auf dem Server das Bild und bestimmten die Position.

Der Server ist mit der Webcam verbunden und wertet jedes Bild aus. Der Roboter lässt sich mit Klicken auf dem Kamerabild steuern, wozu die Koordinaten der Maus ausgelesen und dem Roboter als Zielkoordinaten übertragen werden. «Einsätze sehen wir in Notfallsituationen, wo rasch eine Orientierung nötig ist», kommentiert Eric Hoffman, «aber auch in Lagerhallen für den automatisierten Warentransport sowie zur Steuerung von Robotern in Kriegsgebieten durch Drohnen.»

Die Studienwoche «Faszination Informatik» ist ein Steinchen im grossen SJf-Puzzle, das talentierte junge Menschen mit wissenschaftlicher Neugier, Kreativität und Problemlösungskompetenz für Informatik begeistern will. Sie sind als Ingenieure, Physiker, Naturwissenschaftler und Mathematiker für den Forschungs- und Produktionsstandort Schweiz die zukünftige Lebensader – engagieren wir uns für sie!