Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 12/2015, 04.12.2015

Mit Präzision zu neuer Grösse

Mit der Entwicklung und Herstellung von Präzisionswerkzeugen für die Bohrungsbearbeitung in Metall ist die 1962 gegründete Urma AG gross geworden. 2003 stieg man zudem mit der Exklusivvertretung von Haas für die Schweiz in den Werkzeugmaschinenhandel ein. Seither platzte das Stammhaus in Rupperswil aus allen Nähten. Ende Oktober ist nun ein Neubau eingeweiht worden. Die TR war vor Ort und liess sich von Urs Berner, dem CEO des Unternehmens, die dahinterstehende Entwicklung erklären.

Autor: Markus Schmid

Die Firma, die Willy Berner, der Vater des heutigen CEO und Inhabers der Urma AG, 1962 begründete, generierte bis 2002 ihren gesamten Umsatz mit Ausdrehwerkzeugen. Dann setzte eine tiefgreifende Veränderung ein, die Urs Berner so beschreibt: «Bis zu diesem Zeitpunkt basierte 100 Prozent unseres Umsatzes auf nur gerade einer Technologie. Heute macht dieser Sektor weniger als 20 Prozent am Gesamtumsatz aus. Das heisst, dass es uns heute in der ursprünglichen Art vermutlich nicht mehr gäbe, wenn wir unser Produktsortiment nicht ausgeweitet hätten. Wir suchten im Werkzeugsektor nach Ergänzungen und stiessen dabei auf das Reiben. Reiben erzeugt – wie das Feinbohren – Präzisionsbohrungen. Zu einem gewissen Grad konkurrenzieren sich die zwei Technologien, es gibt aber auch Unterschiede. Reiben ist primär ein Serienfertigungsprozess, das Feinbohren wird eher in der Einzelteilfertigung eingesetzt. Deshalb konnten wir mit dem Reiben unsere Kundenbasis ausweiten.»

Das Unternehmen produziert aber nicht einfach Standardreibahlen; es hat das Reiben mit dem 2008 weltweit patentierten Reibsystem «CircoTec RX» revolutioniert. Mit diesen Systemen können verschiedenste Materialien mit hohen Vorschüben bearbeitet werden. Vor allem aber ermöglicht ein präziser Innenkegel auf dem Schneidenträger, dass die Reibschneide in knapp einer Minute µm-genau gewechselt werden kann, ohne dass dabei das Werkzeug aus der Maschinenspindel entnommen werden muss. So lassen sich bei einer Widerholgenauigkeit von < 4 μm weit kostengünstiger präzisere Bohrungen erzielen als mit einem Ausdrehwerkzeug. Bei Urma spricht man von einer Kosteneinsparung von über 94 Prozent pro Bohrung in der Serienfertigung.

Diese Reibtechnik setzte einen neuen Leistungsmassstab, und die Aargauer etablierten sich mit ihren Werkzeugsystemen bei Motoren- und Getriebebauern. Sie überzeugt am Markt derart, dass heute selbst Formel-1-Teams ihre Kurbelwellenbohrungen damit fertigen.

Dies bedeutete aber auch, dass wegen der stetig steigenden Nachfrage nach den CircoTec RX-Reibahlen – vornehmlich aus Deutschland und Japan – in Rupperswil ständig in weitere Produktionsanlagen investiert werden musste. Dabei gelangte man an die Grenzen des bestehenden Baus. Dies auch deshalb, weil man sich neben der Werkzeugherstellung ab 2003 mit dem Schweizer Exklusivimport der Werkzeugmaschinen des US-Herstellers Haas ein zweites Standbein schuf.

Und damit wären wir bei der Einweihung des neuen Gebäudes mit 2000 m² Fabrikations- und 700 m² Bürofläche. Es war – für ein Unternehmen von der Dimension der Urma mit ihren 80 Mitarbeitern – ein gewaltiger Anlass. An drei Tagen Ende Oktober strömten insgesamt weit über 600 Besucher durch die neuen und alten Produktionshallen. Allein am ersten Tag konnte Urs Berner 200 Geladene begrüssen – unter ihnen Gastredner Hans Hess und Peter Dietrich von der Swissmem.

Passend war auch die inhaltliche Klammer des Empfangs in der neuen Produktionshalle gewählt: Eine Maquette des Haas-F1-Boliden, der 2016 vom Genfer Romein Grosjean in der Fahrer-WM eingesetzt wird, repräsentierte den High-Tech-Teil, den anderen Teil, die Schweizer Qualität, lieferte ein Alphornsextett in der Rolle des ur-schweizerischen Qualitätsorchesters.


Urma AG
1234 Rupperswil, Tel. 062 889 20 20
info@urma.ch



Diese Werkzeuge machten die Urma gross: Reibsysteme aus der Reihe CircoTec RX. (Bilder: Urma)


Urs Berner, CEO der Urma AG.

Drei Fragen an Urs Berner, Inhaber der Urma AG

«Der Neubau ist ein gewaltiger Schritt»

Herr Berner, wieso investieren Sie mit Ihrem Neubau 6 Mio. CHF in den teuren Standort Schweiz?

Ich entschied mich dazu, weil ich an die Urma AG glaube. Das Familien-KMU ist sehr solide aufgestellt. Es verfügt über ausgezeichnete Mitarbeitende; viele junge, hungrige und motivierte Leute, die etwas bewegen wollen.

Damit definieren Sie aber noch kein erfolgreiches Geschäftsmodell ...

Wir haben eine ganze Reihe von innovativen Geschäftsmodellen implementiert. Hier nur die Wichtigsten: Erstens das Haas-Marketingkonzept, in dem wir dem Kunden die Maschine zum Nettopreis und mit allen Daten zu Maschine und Ersatzteilen zur Verfügung stellen. Das ist ein neuer Ansatz. Zweitens können wir im Unternehmen autonom innovative Werkzeuge entwickeln und diese selbst vermarkten, wie etwa bei den Produktereihen DigiTec und CircoTec RX erfolgreich geschehen. Unsere Reibahlen werden wir in zusätzlichen kleineren Durchmessern anbieten. Dann erinnere ich an unser Distributionskonzept: Wir verkaufen unsere Produkte weltweit über Vertretungen, eigene Niederlassungen und über die OEM-Partner P. Horn in Deutschland und Sumitomo in Japan.

Wie nutzen Sie den Neubau?

Der Bau ist ein gewaltiger Schritt. Hier installieren wir hochgenaue Schleifmaschinen, die roboterisiert dreischichtig arbeiten werden. Der Showroom und unsere Fertigung werden zu einem Treffpunkt für Kunden und Lieferanten. Hier können sie sich auszutauschen, etwa zu neuen Fertigungskonzepten.