Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 03/2015, 13.03.2015

«Curricula bereits in Arbeit»

Das Schlagwort «3D-Printing» verheisst die schöne neue Produktionswelt und wird oft schon als vierte industrielle Revolution bezeichnet. Nur: Wie steht es um die Ausbildung für 3D-Drucken/Additive Manufacturing? Über dieses Thema sprach die «Technische Rundschau» mit Thomas K. Pflug von der NC-Gesellschaft. Auch deshalb, weil in Deutschland diese Diskussion bereits breit geführt wird.

Autor: Wolfgang Pittrich

Herr Pflug, alle Welt spricht von 3D-Printing und Additive Manufacturing – aber nirgends gibt es dazu verbindliche Ausbildungsinhalte. Warum nicht?

3D-Printing/Additive Manufacturing ist heute das Thema und so steht aktuell der nächste Paradigmenwechsel als Aufgabe für die Aus- und Weiterbildung an – wie Mitte der 1970er-Jahre, als die NC-Technik den Paradigmenwechsel vom Handradbetrieb zur NC/CNC-Werkzeugmaschine erzwang. Da aber AM schon Anfang der 1990er-Jahre als Innovation für die Industrie startete, haben wir zwei Szenarien zu beachten: Einmal den Industrie-relevanten AM-Einsatz, wo die Verfahrenshersteller mit den Anwendern die notwendige Ausbildung betreiben.

Und zweitens?

Zweitens die junge Szene der vorwiegend individuell genutzten und preiswerten 3D-Drucker für Kunststoffe, welche heute ein breites Publikum begeistern – wenn die Ergebnisse der Prozesse genügen. Dafür muss eine rasche Ausbildungsstrategie angeboten werden.

Wo sollte man vernünftigerweise ansetzen: Im Bereich der beruflichen Bildung oder eher in der universitären Ausbildung?

Die beruflichen Ausbildungsziele haben über die 2D/3D-Ausbildung und die Zerspanungsberufe die besten und sinnvollsten Ansatzpunkte, das Thema 3D-Druck bildungspolitisch zu integrieren. Die universitäre Ausbildung an den Konstruktionslehrstühlen hat mancherorts schon Tradition und zielt auf die notwendige Vermittlung der AM-gerechten Konstruktion und Fertigung, wie wir es von den «Etablierten» - also Schweissen, Leichtbau, Sicherheit, Ergonomie und so weiter – schon kennen. Fazit: Das AM-gerechte Konstruieren – und da muss auch das Scannen mit einbezogen werden – gilt es für jegliche 3D-Drucker zu beherrschen.

Warum hat sich gerade die NC-Gesellschaft dieses Thema auf die Fahnen geschrieben?

Die NC-Gesellschaft e. V. wurde 1975 mit dem Ziel gegründet, in den DACH-Ländern die Pionierarbeit für die NC/CNC-Ausbildung zu initiieren und auszuführen. Dafür hatten wir auch als ersten Sitz Biberist in der Schweiz gewählt. Die Analogie für den Paradigmenwechsel bei der AM-Technologie liegt also auf der Hand, und deshalb steht die Bereitstellung der Ausbildungsdienstleistung ganz oben auf dem NCG-Aktionsplan!

Gibt es bereits Umsetzungspläne?

Konkrete Curricula sind in Arbeit. Die neue NCG-Geschäftsstelle beim BFW Schömberg, Standort Stuttgart, ist dafür bewusst gewählt worden. Gestartet wird mit der Ausbildung der Ausbilder, welche in den DACH-Ländern dann in die direkte Umsetzung gehen werden.

Steckt dahinter wirklich mehr als nur ein Lippenbekenntnis?

Durch meine Funktion als NCG-Vorsitzender werde ich mich dafür einsetzen, dass die Erfolgsgeschichte der NCG bei der NC/CNC-Ausbildung um die AM-Ausbildung fortgeschrieben wird! Übrigens, NC, also «numeric control», ist die Grundvoraussetzung für jedwede Computergesteuerte Verfahrenstechnik von der Werkzeugmaschine bis hin zum 3D-Druck – und deshalb ist der Name NC Gesellschaft korrekt wie bisher.


NC Gesellschaft e.V.
DE-89075 Ulm, Tel. +49 731 55 27 55
ncg@ncg.de

Thomas K. Pflug, Vorsitzender der NC Gesellschaft, zum Thema Ausbildung für Additive Manufacturing: «Gestartet wird mit der Ausbildung der Ausbilder, welche in den DACH-Ländern dann in die direkte Umsetzung gehen werden.