Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 05/2015, 14.05.2015

Der Schwung ist deutlich spürbar

Autor: Stève Mérillat Geschäftsführer CC Schweiz

«Tixpref» wurde von der Tissa Glasweberei AG entwickelt und ist die Bezeichnung für thermoplastische Textilverbund-Prepregs aus unidirektional faserverstärkten Bändern. Vollständig durchtränkte thermoplastische UD-Tapes werden zu Prepregs verwebt. Diese Verbundgewebe bieten höhere Schadenstoleranz, verglichen mit Duroplast-basierenden Geweben, sowie hohe Ermüdungsfestigkeit und Steifigkeit.

Die gute Einbindung der Faser in die Matrix führt zudem zu einer Verringerung des Konstruktionsgewichts des Verbundteils. Tixpref kann bei Umgebungstemperatur gelagert werden.

Die Gewebe sind geeignet für automatisierte Prozesse sowie für autoklavfreie Herstellverfahren.

Der Schwung ist deutlich spürbar

CC Schweiz ist in Bewegung und damit verbunden auch die Mitglieder unserer Organisation sowie die ganze Branche. Die Composites-Industrie ist wie andere Industriezweige in der Schweiz auch fast ausschliesslich technologiegetrieben. Damit dies so bleibt, müssen wir zusammenstehen, denn hier können wir punkten.

Genau dies tun wir und werden wir auch weiter tun. Der positive Schwung, den es dazu braucht, war an der diesjährigen Mitgliederversammlung deutlich zu spüren.

Sei es durch die Bestätigung unserer Arbeit durch das KTI, welche unseren Zwischenbericht gutgeheissen hat. Sei es durch das stetige Wachstum unserer Organisation, die auch im abgelaufenen Jahr wieder neue Mitgliederfirmen gewinnen durfte. Oder sei es durch die Innovationskraft unserer Mitglieder, die zeigt, wie fit wir sind.

Last but not least ist es aber auch dem Engagement unseres Vorstandes zu verdanken. Es ist mir eine Freude, in dessen Gremium als neues Mitglied Jürg Wildi, CTO von RUAG Aviation, zu begrüssen. Gleichzeitig möchte ich mich an dieser Stelle bei Prof. Dr. Markus Henne von der Hochschule Rapperswil für seine Arbeit im Vorstand herzlich bedanken.

Durchbruch im Leichtbau für die Automobilindustrie

Das IWK, Institut für Werkstofftechnik und Kunststoffverarbeitung an der HSR Hochschule Rapperswil, hat zusammen mit seinem Industriepartner ThyssenKrupp Presta AG, Liechtenstein, ein neuartiges Verfahren entwickelt, das die massentaugliche Produktion von faserverstärkten Hybridbauteilen im Spritzgussverfahren mit metallischen Einlegern für Strukturbauteile in Lenksystemen ermöglicht. Das erste gemeinsame Produkt ist eine Lenksäulenkonsole für die Automobilindustrie.

«Die Schwierigkeit bestand darin, ein Verfahren zu finden, mit dem ein Bauteil schnell genug und in hoher Stückzahl hergestellt werden kann bei gleichzeitiger Einhaltung sämtlicher Anforderungen», erklärt Gion Barandun vom IWK die Kernaufgabe des Forschungsprojekts, das rund zwei Jahre dauerte.

Jetzt haben die Forscher zusammen mit ihrem Auftraggeber und Industriepartner ThyssenKrupp Presta AG den Durchbruch geschafft: Ein neuartiges Verfahren zur Herstellung von hybriden Bauteilen im Spritzgussverfahren.

Dabei werden vorgeformte Bleche im Spritzgussprozess umströmt und durchströmt, sodass sie schliesslich den hohen mechanischen Anforderungen genügen, die für eine Lenksäulenkonsole gelten müssen; dies in einer ähnlich hohen Herstellgeschwindigkeit wie bei herkömmlichen Prozessen und auf vergleichbarem Kostenniveau.

Allerdings mit dem Vorteil, dass sich mit der Faserverbundwerkstoff-Lösung 40 Prozent Gewicht einsparen lassen und sich die Verfahrenstechnik selbstverständlich jederzeit auch auf andere Bauteile übertragen lässt.

www.iwk.hsr.ch

www.thyssenkrupp-presta.com

Suter Kunststoffe: Mit der Industrie gross geworden

Bei der Firma Suter Kunststoffe AG laufen die Drähte heiss. Das Unternehmen im bernischen Fraubrunnen ist ein Handelsunternehmen im Bereich Faserverbundwerkstoffe/Composites. Beratung ist gefragt, wenn der Kunde Flüssigkunststoffe, Faserverbundwerkstoffe oder Werkzeugharze bestellen will. Vom Hersteller von Spezialboards über Zulieferer für die Automobil- oder Luftfahrtindustrie bis hin zum Bootsbauer. Sie alle nutzen die Firma Suter Kunststoffe AG als Drehscheibe, wenn es um die Herstellung von Leichtbauteilen aus Verbundwerkstoffen geht.

Komplettes Sortiment mit über 13 000 Artikeln

Suter bietet das ganze Sortiment an vom Harz über sämtliche Gewebe- und Faserverbindungen bis zum richtigen Pinselset oder Spezialwerkzeug. Insgesamt sind es über 13 000 Artikel, die das Unternehmen heute im Sortiment hält.

Dabei hat alles ganz anders angefangen. Suter betrieb ursprünglich eine Papeterie-Kette. Daneben gab es eine ganz grosse Leidenschaft in der Familie. Der Vater des heutigen Geschäftsführers, Marco Suter, betrieb die Modell-Fliegerei als Hobby und brauchte dafür Harze und Gewebe. So begann vor über drei Jahrzehnten die Geschichte der Firma Suter Kunststoffe AG. «Wir sind mit der Industrie gross geworden, was uns heute mit vielen Herstellern von Kunststoffen verbindet und uns ermöglicht, auf deren Know-how jederzeit zurückzugreifen», schildert Marco Suter eine der grossen Stärken seines Unternehmens. Heute besteht der Hauptteil der Abnehmer aus Industriekunden.

Allerdings spielen auch die Privaten nach wie vor eine wichtige Rolle; sind sie doch oft auch nützliche Innovationstreiber und Türöffner in der Industrie, wie Suter meint. «Private brauchen die gleichen Produkte wie die Industrie, nur in viel kleineren Mengen». Der sogenannte Amateur wisse haargenau, was er wolle. Manchmal werden über Wochen irgendwelche Fasern gesucht und die Zeit zum Laminieren und Ausprobieren scheine manchmal fast unbeschränkt. Der Kunde will wissen, was es an neuen Materialien gibt und welche Verfahrenstechnik anzuwenden ist.

Entsprechend gut geschult müssen die Mitarbeitenden bei der Firma Suter sein. Gute Fachkräfte zu finden, ist nicht immer leicht, aber die einzige Chance, wie ein mittelständisches Unternehmen wie die Suter Kunststoffe AG gegen den internationalen Preiswettbewerb bestehen kann. «Es ist schwierig, gute Leute zu finden. Entsprechende Ausbildungs- und Lehrgänge im Bereich Faserverbundwerkstoffe gibt es in der Schweiz nur wenige», sagt Suter. So kommen seine Mitarbeitenden aus anderen Branchen, wie Bootsbau oder Formenbau. Alle sind aber von der Materie fasziniert und bauen sogar in der Freizeit eigene Regattenboote oder Motorradkleidungen.

Marco Suter selbst kommt ursprünglich aus dem Verkauf und hat sich vieles, was mit Kunststoffen zu tun hat, im Selbststudium und als Stagiaire bei seinen Industriekunden beigebracht, was schlussendlich zur Ausbildung als Kunststoffingenieur geführt hat.

Strukturwandel als grösste Herausforderung

Die grösste Herausforderung für sein Unternehmen sieht Marco Suter in der Bewältigung des Strukturwandels. Zum einen finde ein Wandel zu immer grösseren Mengen und zur Massenproduktion statt. Zum anderen entwickle sich auch seine Branche immer mehr in Richtung Online-Lösungen, weshalb er sich im Moment etwa auch um einen neuen Online-Auftritt und den Ausbau der EDV-Lösung für die Lagerbewirtschaftung kümmere.

Aus dieser Entwicklung sieht Suter für sein Unternehmen die besten Chancen in der Fokussierung auf Nischenmärkte und die Forschung. Darin sei die Schweiz stark und Projekte wie Alinghi und Solar Impuls, die zu den Kunden von Suter zählen, wird es immer geben.

www.swiss-composite.ch



Stève Mérillat, Geschäftsführer Carbon Composites Schweiz.


40 Prozent leichter: Lenksäulenkonsole als Hybridkonstruktion mit Faserverbundwerkstoffen.
(Bild: IWK)


Alles was das Composites-Herz begehrt: Angebot der Suter Kunststoffe AG.


Marco Suter ist studierter Kunststoffingenieur. (Bilder: Suter)

Agenda*

Auf einen Blick

Workshop Composites im Maschinenbau
(24. Juni 2015; Zürich): Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit Swissmem.

10. Rapperswiler Kunststoff-Forum
(3. September 2015; Institut für Werkstofftechnik und Kunststoffverarbeitung, Rapperswil): Fachliche Informationen aus Hochschule und Industrie bilden den Rahmen für Gedankenaustausch in anregender Atmosphäre.
www.iwk.hsr.ch/rapperswiler-kunststoff-forum

Praxiszirkel Zukunft Leichtbau
(8. September 2015, 16 bis etwa 18 Uhr; Technopark Brugg AG): Veranstaltung im Hightech Zentrum Aargau mit CC Schweiz als Partner.

*Weitere Termine und Anmeldung:
www.cc-schweiz.ch/aktuelles/veranstaltungsliste