Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 07/2015, 09.07.2015

Erobert additive Fertigung die Maintenance?

Wird der Instandhalter in Zukunft ein defektes Element einer Produktionsanlage irgendwo auf dem Globus nicht mehr beim Anlagenhersteller in Europa bestellen, sondern vom Lohnfertiger vor Ort additiv mittels 3D-Datensatz bauen lassen? Im TR-Interview beantwortet Dominik Jost, CAM-Leiter bei der Sumec AG, diese und andere Fragen.

Autor: Markus Schmid

Wo sehen Sie Einsatzgebiete für additiv gefertigte Teile in der industriellen Maintenance?

Ich sehe deren Einsatz nicht als Kopie bestehender Teile, sondern in der Nachbildung der Funktion. Dies kann in der Überbrückungszeit bis zur Ersatzteilelieferung sehr nützlich sein. Der Hauptvorteil liegt jedoch in der Herstellung von Hilfsmitteln bei Unterhaltstätigkeiten, die bis anhin mit der Begründung «für so etwas stelle ich doch keinen Mechaniker an die Maschine» als zu teuer erachtet wurden.

Welches sind die Vorteile?

Im geringen Personalaufwand, der Nutzung der Geisterschicht und bei den Freiheiten in der Konstruktion, und da bei der Integration von bionischen Lösungen.

Wo liegen die Herausforderungen?

Man muss dazu den Horizont der üblichen produktionsgerechten Konstruktion überschreiten, also den Anwendern der AM-Teile, den Montagemechanikern, die Möglichkeiten der additiven Fertigung näher bringen, damit sie entsprechende Forderungen für Hilfsmittel an die Produktion stellen.

Welches sind die Grenzen für einen solchen Einsatz?

Sie ergeben sich aus den technischen Grenzen der zur Verarbeitung verfügbaren Materialien. Weiter liegt der Bau und Einsatz von sicherheitsrelevanten Komponenten eindeutig ausserhalb des von uns anvisierten Bereiches.

Können Sie garantieren, dass so gefertigte Teile genauso ihre Funktion erfüllen wie Original-Ersatzteile?

Im selben Mass wie bei jedem anderen Ersatzteil, das wir herstellen. Wir analysieren die Funktion, definieren die technischen Anforderungen und setzen diese mit unserem Fachwissen um. Meist funktionieren solche Teile besser als das Original, da die Schwächen in einem Schadenfall bereits offen ersichtlich sind und beim Ersatzteil eliminiert werden.

Wer muss die Garantie übernehmen, der Instandhalter, der Teilefertiger oder der Lieferant des Datensatzes?

Durch die bis anhin fehlende Normung und Validierungsfähigkeit ist es nicht ratsam, diese Kette auseinander zu reissen, da man sich sonst genau zwischen den Verantwortlichkeiten zerreibt. Es gehört alles in eine Hand.

Wie wird sich der Einsatz von AM-Teilen in der Maintenance entwickeln?

In den nächsten 10 bis 15 Jahren wird der Preiszerfall der AM-Anlagen ihre Verbreitung fördern. Die Ausbildung von Polymechanikern verlagert sich weiter in Richtung Konstruktion und Programmerstellung. Die Produktion wird jedoch immer noch so zentral geschehen wie jetzt, da das technische Wissen und die entsprechende Infrastruktur immer noch nötig sein werden. Es werden Normungen und validierungsfähige Prozesse zu Rohmaterialbeschaffung und Qualitätskontrolle entstehen. Die klassische Produktion wird aber nicht verschwinden, da nicht auf Vorteile wie das hohe Produktionsvolumen verzichtet werden kann.


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Dominik Jost, Fertigungstechniker und CAM-Leiter bei der Sumec AG. (Bild: Sumec)