Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 07/2015, 09.07.2015

Markt für Servoantriebe legt weiter zu

Eine unabhängige Studie zum Servoantriebe-Markt in Deutschland belegt, dass sich die bisherige Wachstumstendenz fortsetzt. Auf dem Schweizer Markt existieren hingegen keine Zahlen zur Entwicklung in diesem Marktsegment, wie die Recherche der «Technischen Rundschau» ergab. Hierzulande ist man diesbezüglich auf Kaffeesatzlesen angewiesen.

(msc) Der Markt für Servoantriebe wächst in Deutschland weiterhin. Knapp zwei von drei Maschinenbauern rechnen in der Zukunft mit einem steigenden Bedarf. Grosse Trends bestehen in diesem Markt im verstärkten Einsatz ethernetbasierter – auch sicherer – Protokolle sowie der Integration unterschiedlicher Sicherheitsfunktionen in den Servoantrieb.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle unabhängige Studie, die von Dipl.-Betriebswirtin Michaela Rothhöft, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fachhochschule Südwestfalen, freiberuflich durchgeführt wurde. Im Rahmen dieser Wiederholung von Studien aus den Jahren 2003, 2007 und 2011 gaben im Zeitraum Januar/Februar 2015 deutschlandweit 249 Maschinenbauer und Ingenieurbüros Auskunft über Kaufverhalten, technische Anforderungen und zukünftige Entwicklungen zum Thema Servoantriebe.

Die Nachfrage nach dieser Antriebsart ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Während 2003 lediglich 24 Prozent der Maschinenbauer 200 und mehr Servoantriebe im Jahr benötigten, sind es heute bereits 41 Prozent. Im Verpackungsmaschinenbau erwerben 37 Prozent sogar mehr als 500 Servoantriebe jährlich. Zukünftig möchten dabei immer mehr Maschinenbauer ihre Gesamtbewegungslösung, also die sogenannte Motion Control, entweder nur dezentral oder sowohl zentral als auch dezentral realisieren. Während derzeit noch 61 Prozent der Teilnehmer diese ausschliesslich zentral in der Steuerung lösen, erwarten dies demnächst nur noch 48 Prozent.

Bekanntester Hersteller für Servoantriebe ist nach wie vor die Firma Siemens mit 83 Prozent. In den letzten Jahren hat aber SEW von 32 Prozent 2003 auf heute 54 Prozent stark aufgeholt. Diese gestiegene Bekanntheit spiegelt sich auch in einer deutlich grösseren Anzahl an Kunden wider. Zudem etablieren sich traditionelle Steuerungshersteller wie beispielsweise B&R, Beckhoff und Rockwell immer mehr in diesem Markt. So überrascht es auch nicht, dass heute deutlich häufiger «alles aus einer Hand» als Kaufgrund genannt wird als noch vor 12 Jahren. Aber auch die Erfüllung technischer Anforderungen, wie beispielsweise die Baugrösse, ist von steigender Bedeutung.

Die Studie entstand aus einer Eigeninitiative der Dipl.-Betriebswirtin (FH) Michaela Roth­höft. Finanziert wird sie von der Autorin selbst durch deren Verkauf. Fachlich wird sie durch den VDMA-Arbeitskreis Steuerungstechnik unterstützt. Jedes Jahr entsteht so in Zusammenarbeit zwischen Autorin und Automatisierungsherstellern ein anonymisierter Fragebogen mit Fragen zu verschiedenen Automatisierungsthemen, die den Bedarf und die Wünsche der Automatisierungsanwender eruieren sollen. Verschickt wird der Fragebogen an Anwender von Automatisierungstechnik per Post, weil die Autorin über die Jahre festgestellt hat, dass so die Antwortqualität markant besser ist als per Internet!

Michaela Rothhöft
DE-58675 Hemer, Tel. +49 2372 501 180
info@marktstudien.org



Entwicklung des Bekanntheitsgrades von Servomotoren-Herstellern in Deutschland. (Grafik: Rothhöft)


An der Grafik lässt sich zwar die Steigerung des Automatisierungsgrades in der deutschen Industrie ablesen, was vermutlich auch auf die Schweiz zutrifft, die absoluten Zahlen sind jedoch für Schweizer Verhältnisse irrelevant.

Bedeutung für den Schweizer Markt

Die «Technische Rundschau» publiziert diese Studie, weil einerseits zum Schweizer Markt keine entsprechende Arbeit existiert. Andrerseits kann man davon ausgehen, dass sich die Marktanteile der gros-sen, in dieser Studie beobachteten Anbieterer in der Schweiz ähnlich entwickeln wie in Deutschland, da es in der Schweiz keinen Stückzahlenmässig ähnlich bedeutenden heimischen Hersteller von Servoantrieben gibt. Bei Interpretation der Zahlen zur prozentualen Entwicklung des Gesamtmarktes ist jedoch grösste Vorsicht geboten, angesichts dessen, dass der Wechselkursschock Franken/Euro dieses Jahr die Zahlen der Schweizer Maschinen- und Anlagenbauer sowie der Automatisierer und Integratoren doch nachhaltig beeinflusst hat.