Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
13.03.2015

Die Maintenance – im Wandel

Die Maintenance-Branche muss sich auf einen tiefgreifenden Wandel im Zusammenhang mit Industrie 4.0 gefasst machen. Auch am Thema 3D-Druck wird sie nicht vorbeikommen. In der Schweiz steht sie vor anderen Herausforderungen: Laut den Experten, mit denen die TR sprechen konnte, sterben hier die Fachleute aus, während sowohl das verstaubte Image wie die fehlenden Ausbildungsmöglichkeiten das Nachwuchsproblem noch akzentuieren.

Autor: Markus Schmid

Die Easyfairs Maintenance 2015 ist Geschichte, und der Veranstalter ist zufrieden, denn laut seinen Angaben kamen mit über 1500 Besuchern 30 Prozent mehr als letztes Jahr zur Messe. Ein Faktor für den Erfolg der achten Auflage der Veranstaltung war sicher das Forum in der Messehalle, das an den zwei Messetagen mit 17 unterschiedlichen Vorträgen aufwartete. Schon die Themen in diesem Forum waren ein Indiz für den Wandel, der gerade jetzt auf die Maintenance-Branche zukommt. Die Stichworte lauten – wie könnte es anders sein  – Industrie 4.0 und 3D-Druck.

Zu aktuellen Trends und den Zukunftsaussichten der Branche in der Schweiz befragte die TR Hans Burger, Vorstandsmitglied des Branchenverbandes fmpro, Christoph Heitz, Professor am IDP Institute of Data Analysis and Process Design der ZHAW, der in Winterthur in einem Nachdiplomstudiengang CAS Instandhaltungsmanagement lehrt und Guido Walt, Inhaber der auf Instandhaltung spezialisierten Beratungsfirma Wear Management.

Walt brachte seine relativ düstere Zukunftsprognose ohne Umschweife auf den Punkt: «Beim Thema Trends möchte ich erst gar nicht auf die Technik eingehen. Viel wichtiger ist die Tatsache, dass die eigentlichen Maintenance-Fachleute, wie sie bisher in den Betrieben arbeiteten, am aussterben sind. Praktisch alle, welche die nötige Erfahrung haben, gehen in den nächsten Jahren in Pension. Sie werden in der Schweiz in naher Zukunft fehlen, weil es zuwenig Ausbilungsmöglichkeiten gibt.» Hans Burger stimmt ihm vorbehaltlos zu.

Christoph Heitz sieht eine klare Tendenz, wie sich die Instandhaltungsdienstleistungen in naher Zukunft entwickeln: «Es ist klar, dass sich mit den riesigen Datenmengen, die wir mit den aktuellen Technologien sammeln, in Zukunft ein grosses Servicegeschäft entwickeln wird. Man denke nur daran, was im Gefolge von Industrie 4.0 auf uns zukommt. Schon heute arbeiten grosse Softwarefirmen am Thema Data Mining. Entscheidend dafür wird sein, dass wir Algorithmen entwickeln, welche die richtigen Daten finden und interpretieren. Genau das tun wir an unserem Institut.»

Im Prinzip sieht Christoph Heitz rosige Zeiten auf den gut ausgebildeten Instandhalter zukommen, wenn es um Arbeitsplätze geht: «Vergegenwärtigen wir uns einmal den Shopfloor der Fabrik der Zukunft gemäss dem Konzept von Industrie 4.0: Die in den Produktionshallen tätigen Menschen werden alle Instandhalter sein.» Da die intelligenten Teile, die auf den Maschinen produziert werden, diese Maschinen selbst steuern, wird es keine Maschinenbediener mehr brauchen. Völlig ohne Instandhalter, die da und dort ein defektes Teil auswechseln, wird es jedoch nie gehen, da ist sich die Runde einig.

Heitz konstatiert aber auch, dass die Ausbildung zum Instandhalter in der Schweiz «unglaublich schlecht» sei. Wir hätten grossen Nachholbedarf gegenüber den angelsächsischen und skandinavischen Ländern. Die ZHAW sei die einzige Möglichkeit hierzulande eine Ausbildung auf Hochschulniveau zu absolvieren. Die beiden anderen stimmen im Prinzip zu, aber sowohl Hans Burger wie Guido Walt sind überzeugt, dass die Spezialisten weiterhin wie bisher einen praktischen Hintergrund bräuchten: «Es wird den ausgebildeten Polymechaniker, der weiss, wie man Schrauben richtig anzieht, weiterhin brauchen», konstatiert Hans Burger. Er und Walt sehen auch den Maintenance-Ausbildungsweg allein über einen Hochschulabschluss mit Skepsis. Der befähige den Absolventen zwar, aus dem digitalen Datenmeer die richtigen Schlüsse zu ziehen und Aktionen abzuleiten, aber besonders Guido Walt ist überzeugt, dass dies ohne eine eingehende Erfahrung mit Maschinen und Anlagen nicht reicht.

«Es war schon immer so: Erst wenn ein Ingenieur auch praktische Erfahrung erworben hatte, konnte er die Zeichen in einer Anlage richtig deuten. Erst mit den Jahren erhielt er ein Gefühl für die Mechanik.» Er ist überzeugt, dass dies auch in Zukunft ein wichtiger Aspekt bleiben wird.


fmpro
8026 Zürich, Tel. 044 455 51 41
info@fmpro-swiss.ch
ZHAW, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
8401 Winterthur, Tel. 058 934 71 71
info@zhaw.ch
Wear Management
1312 Vufflens-la-Ville, Tel. 021 701 05 13
guido.walt@wear-management.ch
easyFairs Switzerland GmbH

4132 Muttenz, Tel. 061 228 10 00
schweiz@easyfairs.com

Experten prophezeien der Maintenance-Branche international eine rosige Zukunft – und der Schweizer- Branche einen steinigen Weg dorhin. (Bild: Fotolia)


Die kleine aber feine Expertenrunde. Von links: Guido Walt, Hans Burger und Christoph Heitz. (Bild: TR)