Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Interview: Ausgabe 01/2016, 16.01.2016

«Ich sehe einen Trend für wirtschaftliche Lösungen»

Anfang Dezember fiel der Startschuss für eine ungewöhnliche Zusammenarbeit: Die Phoenix Mecano Komponenten AG vertreibt für die Schweiz die kollaborativen Roboter der «LBR iiwa»-Baureihe von Kuka. Die «Technische Rundschau» sprach mit Michael Jahn, Geschäftsführer der Phoenix Mecano Komponenten AG, über die Hintergründe dieser Kooperation.

Autor: Wolfgang Pittrich

Herr Jahn, wie passen Roboter in das angestammte Portfolio von Phoenix Mecano? Denn weder in den Sparten «Gehäusetechnik» und «Elcom/EMS», noch bei den «Mechanischen Komponenten» finden sich bis jetzt Automatisierungsanlagen.

Das stimmt. Allerdings sind wir unter anderem mit den Profilsystemen von RK Rose + Krieger und unseren individuellen Lean-Arbeitsplätzen sehr gut aufgestellt beim Thema Lean Production. Und da passt der kollaborative Roboter von Kuka hervorragend hin. Diese Art von Robotik wird in der Schweiz eine grosse Zukunft haben.

Warum?

Wenn man sich die aktuelle Situation speziell im Maschinenbau in der Schweiz ansieht – also unserem Kerngeschäft –, dann ist dort die Diskussion um Arbeitsplatzverlagerungen im vollen Gange. Die Frage lautet dabei nicht mehr: «Ob?», sondern: «Wann?». Lean Management kann hier gegensteuern, da diese Fertigungsphilosophie für schlanke und daher wirtschaftliche Produktionsprozesse steht. Und da zähle ich auch die kollaborativen Roboter dazu.

Wobei der Roboter in Arbeitnehmerkreisen durchaus den Ruf eines Jobkillers hat.

Wir glauben, dass gerade in der Schweiz der Roboter die Chance bietet, Arbeitsplätze zu sichern. Wir können mit diesem Hilfsmittel deutlich produktiver, qualitativ hochwertiger und damit kostenreduziert produzieren. Arbeitsplätze müssten also nicht mehr verlagert werden, sondern würden in der Schweiz gehalten. Auf lange Sicht können daher sogar Arbeitsplätze entstehen.

Sie sehen also einen deutlichen Trend für die kollaborativen Roboter in der Schweiz.

Ich sehe einen Trend für wirtschaftliche Lösungen, und da gehört die Lean-Philosophie und der kollaborative Roboter auf jeden Fall dazu. In einem Hochlohnland wie der Schweiz amortisiert sich so eine Investition auch deutlich schneller als anderswo.

Wo lokalisieren Sie die Hauptzielgruppen für das neue Roboter-Angebot von Phoenix Mecano?

Wir werden sicherlich auch in Zukunft kein Anlagen- oder Automatisierungshersteller werden. Das heisst, unser Angebot beschränkt sich im ersten Schritt auf die angestammten Märkte und dort auf Montage- oder eben Lean-Arbeitsplätze. Man muss auch sehen, dass so ein Roboter eine gewisse Peripherie benötigt wie Arbeitstische oder Materialzuführungssysteme. Und genau dieses Paket können wir jetzt aus einer Hand liefern. Für die Kunden bietet das einen enormen Vorteil. Mit diesem Angebot öffnen wir aber auch die Türen für weitere Geschäftsfelder ...

Welche könnten das sein?

Beispielsweise in der mechanischen Fertigung durch die flexible Bestückung von Maschinen. Oder indem wir sogar ganz andere Märkte bedienen wie die Lebensmittelbranche oder die Medizinaltechnik. Der LBR iiwa hat so unglaubliche Fähigkeiten durch die Sensorik, die in den sieben Achsen integriert ist, dass wir die Möglichkeiten, die uns so ein Produkt bietet, noch gar nicht endgültig abschätzen können.

Gibt es bereits ein konkretes Kundenprojekt für den Einsatz dieser neuen Robotergeneration?

Nein. Wie schon gesagt, wir stehen hier erst am Anfang einer Entwicklung. Diese Kooperation ist noch ganz frisch. Die «Technische Rundschau» ist das erste Medium in der Schweiz, das darüber berichtet. Im ersten Schritt werden wir den Roboter in unserer eigenen Lean-Fertigung einsetzen. Ich bin allerdings sicher, dass es nicht allzu lange dauern wird, bis wir erste Kundenreaktionen bekommen werden.

Diese Kooperation ist auch für Kuka Schweiz eher ungewöhnlich. Dort arbeitet man primär mit Systempartnern, also Automatisierungs- und Anlagenspezialisten, zusammen. Wir haben es hier also wirklich mit einem innovativen Projekt zu tun, für beide Seiten.

Das kann man so sagen.

Warum hat Phoenix Mecano gerade Kuka als Kooperationspartner gewählt? Es gibt mittlerweile viele Hersteller, die kollaborative Roboter im Angebot haben.

Kuka ist sicherlich in diesem Bereich ein Vorreiter. Für unsere Zwecke und unsere Ausrichtung ist der LBR iiwa das beste Produkt am Markt. Schon wegen der Baugrösse und der unglaublichen Sensorik, die in den Achsen steckt.

Trotzdem, oder allfällig gerade deshalb, benötigt die Installation eines Roboters ein gewisses Engineering-Wissen. Wie agiert Phoenix Mecano hier?

Einerseits starten wir in der Anfangsphase mit viel Unterstützung durch Kuka. Andererseits werden wir dieses Wissen sukzessive im eigenen Haus aufbauen. Es ist sicherlich keine einfache Sache, einen siebenachsigen Roboter zu programmieren. Aber auch hier hat Kuka innovative Wege beschritten, beispielsweise durch die speziell geschaffene Steuerungstechnologie «Sunrise» auf Basis von Java oder die neue Bedienoberfläche «smartPad». In Summe wird dadurch die Inbetriebnahme und das Arbeiten mit dem Roboter deutlich vereinfacht.

Kuka Roboter Schweiz AG 5432 Neuenhof, Tel. 044 744 90 90 info@kuka-roboter.ch


Phoenix Mecano Komponenten AG
8260 Stein am Rhein, Tel. 052 742 75 00
info@phoenix-mecano.ch



Michael Jahn, Geschäftsführer Phoenix Mecano Komponenten AG: «Wir können jetzt ein Lean- und Automatisierungspaket aus einer Hand liefern.» (Bild: Phoenix Mecano)


Der «LBR iiwa» erlaubt eine enge Mensch-Maschinen-Interaktion, ohne störende Schutzumhausung. (Bild: Kuka)