Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 01/2016, 15.01.2016

Klares Bekenntnis zu Produktivität und Präzision

Siemens hat zur EMO in Mailand die neue Software-Version 4.7 für «Sinumerik Operate» vorgestellt. Die Bedienoberfläche der «Sinumerik 840D sl»-Steuerung soll für schnellere Geschwindigkeit und damit höhere Produktivität bei den Werkzeugmaschinen sorgen. Im Zuge dieser Neuerung wurden den Steuerungen auch stärkere CPUs und grössere Monitore spendiert. Antriebsseitig lag ein Schwerpunkt auf dynamischen Motoren für grosse Werkzeugmaschinen.

(pi) Siemens bietet mit der Software-Version 4.7 für «Sinumerik Operate» neue Funktionen zur Erhöhung der Maschinengenauigkeit. Vorteil für die Anwender: Die neuen Funktionen sollen die Präzision in der Bearbeitung steigern und somit die Produktivität der Maschinen erhöhen.

Beispielsweise ermöglicht der Sinumerik-Algorithmus «Auto Servo Tuning» eine Optimierung der Maschinendynamik, sodass Regelungsparameter und Dämpfungsfilter automatisch ermittelt und angepasst werden: Wenn sich im Zuge der flexiblen Fertigung Masse von Werkstück, Spannvorrichtung oder Werkzeug an der Maschine verändern, lassen sich über den Algorithmus die Parameter zur Produktivitäts- oder Qualitätssteigerung angleichen. Auto Servo Tuning kann bei der Sinumerik 840D sl direkt aus dem CNC-Programm aufgerufen werden.

Neu ist ebenfalls die Funktion «Adapt Jerk Filter Time» (AJET). Sie setzt an den Bewegungsabläufen an. Die Herstellung eines Werkstückes besteht meist aus Abfolgen von Zerspanungs-, Zustellungs- oder Anfahrbewegungen. Das ist etwa bei Bohrmustern gut erkennbar. AJET erkennt diese unterschiedlichen Phasen und schaltet zwischen den Parametersätzen für Präzision (= Bearbeitung) und maximierter Beschleunigung (= Zustellung) um.

Im Zuge der Einführung der Version 4.7 stellte Siemens auch neue und leistungsstärkere CPUs sowie 15- und 19-Zoll grosse Panels im Wide-Screen-Format vor. Die neue Prozessortechnologie – es handelt sich dabei um Profinet-fähige NCUs – soll um bis zu 15  Prozent leistungsfähiger sein und zudem 50 Prozent weniger Strom verbrauchen als die bislang verwendeten Komponenten. Resultat sind kürzere Programmlaufzeiten, schnellere Simulation und geringere Erwärmung der Prozessoren.

Durch automatische Treiberanpassung lassen sich laut Siemens die neuen NCUs in den meisten Fällen ohne Software-Änderung in bestehende Maschinen und Anwendungen integrieren.

Die Siemens-Softwarespezialisten haben die neue Version 4.7 ebenfalls genutzt, um die Multitasking-Bearbeitung zu optimieren. Unter anderem wurde die Einrichte- und Handbetriebsart (JOG) erweitert, die den Anwender interaktiv nun auch beim Einrichten von Fräs-Dreh-Maschinen unterstützt.

Ebenfalls neu ist eine Messfunktion für angestellte Drehwerkzeuge, bei der sich abhängig vom zu messenden Werkzeugtyp automatisch die Einstellmaske ändert. Zusätzlich wurde die Werkstückvermessung verbessert, indem der Anwender den Werkstücknullpunkt nun einfach am Bauteil überprüfen und festlegen kann.

Auch die neuen Funktionen für das flexible Programmieren mit «programGuide» und das werkstattgerechte Programmieren mit «ShopMill/ShopTurn» versprechen eine Vereinfachung der Multitasking-Bearbeitung. So kombiniert der Schwenkzyklus «Cycle800» jetzt die Technologien Drehen und Fräsen in einer Oberfläche. Bei den programGuide-Drehzyklen unterstützt ein grafischer Konturrechner die Eingabe und führt per Dialog durch die Parametrierung. Bei ShopTurn sind nun angestellte Werkzeuge grafisch interaktiv programmierbar und auch Fräsbearbeitungen an Drehmaschinen möglich.

Neben der steuerungstechnischen Aufrüstung hat Siemens ebenfalls sein Antriebsprogramm aufgestockt. Die vorgestellten Servomotoren zeichnen sich durch hohe Drehmomente aus. Zu den Neuerungen gehört der kompakte Servomotor «Simotics S-1FT7» in Achshöhe 132. Der Selbstkühler bietet ein höheres Drehmoment und geringeren Stromverbrauch im Vergleich zu vorhergehenden Modellen. Je nach Baulänge verfügt er über ein Drehmoment von 90 bis 170 Nm und ist damit besonders für grosse Werkzeugmaschinen geeignet.

Ebenfalls Premiere feierten die Servogetriebemotoren «Simotics S-1FG1». Dank vier verschiedener Getriebearten und unterschiedlicher Übersetzungen können Anwender aus einer Vielzahl von Auslegungen auswählen. Weitere Pluspunkte sind laut Siemens die hohe Energieeffizienz und die flexible Momentübersetzung. Die Servogetriebemotor-Baureihe soll sich vor allem für Nebenaggregate wie Palettenwechsler, Späneförderer oder Zuführeinheiten eignen.


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Die neue Version 4.7 für Sinumerik Operate steht für Schnelligkeit und Genauigkeit. (Bilder: Siemens)


Für die Bearbeitung grösserer Werkstücke ist der Einbaumotor «Simotics M-1FE2» in Baugrösse 180 konzipiert.