Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 10/2016, 07.10.2016

«Problemlos in der – mannlosen Schicht arbeiten»

Die Blechtech AG ist ein Fullservice-Dienstleister im Bereich Blechbe- und -verarbeitung. Mit dem Invest in eine Laserschneidanlage «BySprint Fiber» mit 6 kW-Faserlaser von Bystronic in Kombination mit einem Hochregallager von FMG hat man einen deutlichen Produktivitätssprung gemacht: Der schnelle Faserlaser erhöht Kapazität und Durchsatz; die Anbindung ans Blechlager schafft die Voraussetzung für das Produzieren in der mannlosen dritten Schicht. Ein Muss, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben.

Autor: Wolfgang Pittrich

Marcel Krämer ist wahrscheinlich froh, wenn das Jahr 2016 Geschichte ist. Der Geschäftsführer der Blechtech AG durfte nämlich seit knapp einem Jahr an drei Baustellen kämpfen: Umzug des Unternehmens von Rümlang nach Dachsen, Übernahme und Eingliederung der Lidag Laserbearbeitungstechnik AG und schliesslich noch Aufstellen und Einfahren der neuen Laserschneidanlage «BySprint Fiber 3015» von Bystronic mit angeschlossenem Hochregallager «GBLK 15/30» von FMG – und dies alles in einem sehr eng getakteten Zeitrahmen.

Die Blechtech AG wurde 1996 gegründet und ist seit 2013 Teil der Hammer Group; eine Genossenschaft, die hauptsächlich in hochwertige Schweizer Metallbaulösungen investiert. Das Unternehmen sieht sich weniger als Lohnfertiger im Bereich Blechbe- und -verarbeitung, denn als Dienstleister mit Schwerpunkt Beratung, Lösung, Konstruktion, Produktion, Montage und Logistik.

Grob gesagt werden drei Zielgruppen bedient: 1. Maschinenbau und -industrie; hier agiert man als klassischer Zulieferer. 2. Objekt- und Ladenbau als mehr oder weniger reines Projektgeschäft in Losgrösse 1 bis hin zur Produktion ganzer Einrichtungsgruppen. 3. Kleinster Bereich ist die Zusammenarbeit mit Architekten und Bauherren, um Fassaden, Deko- oder künstlerische Produkte, ebenfalls meist in Losgrösse 1, anzufertigen. Als neustes Standbein ist vor rund 1,5 Jahren der Einstieg ins Schienenfahrzeuggeschäft geglückt.

Das Segment Industrie ist mit rund 70 Prozent vom Umsatz und Losgrössen bis zu 5000 Stück der grösste Bereich bei Blechtech. Bearbeitet werden hauptsächlich Bleche im Bereich von 1 bis 8mm, meist aus Stahl, Chrom-Nickel-Stahl, Kupfer und Messing; wobei auch Bleche bis 0,05 mm Stärke lasergeschnitten und -geschweisst werden. Aber auch dickere metallische und nichtmetallische Werkstoffe wie Glas, Stein, Keramik oder Kunststoffe bis zu einer Stärke von 60 mm gehören zum Leistungsumfang der Blechtech AG.

Insgesamt beschäftigt das Unternehmen knapp 40 Mitarbeiter. Rund 75 Prozent davon arbeiten produktiv, und fast alle haben eine abgeschlossene Berufslehre.

Besonders stolz ist man in Dachsen auf das grosse Leistungsspektrum, das man den Kunden bietet. «Aus diesem gesamten Dienstleistungspaket unter einem Dach resultieren kurze Entscheidungswege, Wirtschaftlichkeit und Termintreue, die Basis sind für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit unseren Kunden», betont Marcel Krämer. Wiewohl auch er ganz genau weiss, wie die harte Realität eines Schweizer Zulieferers in der heutigen Zeit aussieht: «Wir bekommen so gut wie keine Aufträge mehr, wenn wir nicht vorab ein Angebot abgegeben haben. Tendenziell gehen die Preise immer mehr nach unten. Der Preisdruck ist enorm.»

Deshalb war es nur ein logischer Schritt, als sich das Unternehmen Ende letzten Jahres entschloss, in neuste Produktionsmittel zu investieren. «Es war eine ganz klare Vorwärtsentscheidung», erinnert sich Marcel Krämer. «Wir haben neben der Laserschneidanlage und dem Hochregallager auch noch eine neue Entgrat- und Schleifanlage angeschafft. Denn wir wissen um die Herausforderungen der kommenden Jahre: kleine Losgrössen, kurze Lieferfristen und hohe Qualitätsanforderungen. Aber, wir glauben auch ganz fest an unsere Chancen.»

Es verwundert deshalb wenig, dass die neue Laserschneidanlage BySprint Fiber 3015 über einen Faserlaser verfügt. Der Blechdickenbereich von 1 bis 8 mm, in dem sich die Aufträge bei Blechtech hauptsächlich bewegen, ist prädestiniert für den Einsatz des schnellen Festkörperlasers. Er bieten im Vergleich zum C02-Laser neben der besseren Schneidleistung einen rund dreifach höheren Teileausstoss (30 statt 10 Prozent), eine deutlich effizientere Energieausbeute (bis zu 85 Prozent besser) und verbraucht erheblich weniger Gas. Zudem benötigt der Festkörperlaser weniger Wartungsaufwand sowie Kühlleistung und punktet beim Schneideinsatz in Messing, Kupfer und Aluminium.

Bei Bystronic, dem Lieferanten der Laserschneidanlage BySprint Fiber, liest sich das so: «Im Vergleich zum C02-Laser mit 6 kW Leistung geht der gleichstarke Faserlaser dreimal schneller durch 3 mm dünnes Edelstahl. Damit erhöht sich der Teileausstoss je nach Material und Blechdicke um bis zu 300 Prozent.» Nicht umsonst investierte Blechtech parallel zur BySprint Fiber in ein Hochregallager von FMG. Der schnelle Laser benötigt permanent Futter – und öffnet die Türe zur mannlosen Fertigung, wie Marcel Krämer betont: «Jetzt können wir chaotisch komplett in der dritten Schicht mannlos durcharbeiten.»

Zwar war man anfänglich unsicher, ob die mannlose Schicht auch in der Realität funktioniert. «Aber das», bestätigt Geschäftsführer Krämer, «lief eigentlich von Anfang an problemlos.» Sollte es in der Nachtschicht Probleme geben, was ab und zu vorkommt, schaltet sich die Laserschneidanlage automatisch ab. Um solche ungeplanten Stillstände auf ein Minimum zu reduzieren, werden die Nachteinsätze präzise geplant. So wird der Wechsel von unterschiedlichen Materialien und Blechstärken auf das Notwendigste beschränkt. Ausserdem vermeidet man das Schneiden allzu filigraner Strukturen; die Gefahr des Verkantens wäre einfach zu gross. Ebenso wichtig ist, dass genügend Material bevorratet wird; fehlt eine Tafel, schaltet sich die Anlage ebenfalls sofort ab.

Mit diesem pragmatischen Vorgehen fährt die Blechtech AG sehr gut. Die Ausfälle halten sich laut Geschäftsführer Krämer in Grenzen. Zur Prozesssicherheit trägt auch bei, dass Bystronic die BySprint Fiber in dieser Leistungsklasse standardmässig mit der sogenannten «Cut Control»-Funktion ausstattet, um den Schneidprozess zu überwachen. Bei Schnittabriss stoppt die Funktion den Laser automatisch. Anschliessend wird der Schnitt wiederholt.

Wie gut die dritte mannlose Schicht funktioniert, zeigt sich daran, dass die bei der Einführung geplanten 80 Palettenplätze im Hochregallager mittlerweile fast nicht mehr ausreichen: «Mit der Vielfalt der Werkstoffe, die wir bearbeiten, stossen wir jetzt schon an gewisse Grenzen», sagt Marcel Krämer. Da kommt es gut, dass die Kapazitäten des Lagers ohne grossen Aufwand verdoppelt werden können. Die BySprint Fiber hat jedenfalls jede Menge Luft nach oben, um auch die doppelte Menge Lagerplatz spielend zu bewältigen.

Warum gerade in die Anlage von Bystronic investiert wurde, dafür nennt Marcel Krämer einen ebenfalls sehr pragmatischen Grund: «Bystronic war der einzige Hersteller, der sich bereit erklärt hat, sowohl die Laserschneidanlage als auch das Hochregallager aus einer Hand zu liefern.» Eine Flexibilität, die in heutiger Zeit eigentlich selbstverständlich sein sollte. Denn auch die Blechtech AG wird von ihren Kunden danach bewertet.

Blechtech AG 8447 Dachsen, Tel.044 818 95 11 kontakt@Blechtech.ch

EuroBlech Halle 12 Stand A73


Bystronic Sales AG
3362 Niederönz, Tel. 062 956 37 83
info.sales@bystronic.com



Der Faserlaser überzeugt bei Blechstärken zwischen 1 bis 8 mm mit hohen Schnittgeschwindigkeiten und -qualitäten. (Bilder: TR)


Die Kombination von Faserlaserschneidmaschine und Hochregallager ist ein Muss, um wettbewerbsfähig in der mannlosen Schicht arbeiten zu können.


Marcel Krämer, Geschäftsführer Blechtech AG: «Uns zeichnet ein breites Leistungsspektrum aus.»


Die Handlingseinheit übernimmt die Beschickung der Laserschneidmaschine aus dem Palettenregel – ausgelöst durch die Maschine.


Rund 10 h Laserschneiden am Stück: Ideale Teile für die mannlose Schicht.

Vier Fragen an Marcel Krämer, Blechtech AG

«Das Tal ist durchschritten»

Herr Krämer, Sie hatten 2016, im 20. Jahr des Bestehens der Blechtech AG, einiges mehr als sonst zu tun; unter anderem musste der Zusammenschluss der Blechtech AG mit der Lidag AG unter Dach und Fach gebracht werden. Ist die neue Blechtech AG jetzt schlagkräftiger aufgestellt denn je?

Auf jeden Fall. Wir brauchen zwar noch ein wenig Zeit, um die organisatorischen Abläufe zu optimieren; obwohl wir trotz der kurzen Zeit bereits auf einem sehr guten Weg sind. Durch die Integration der Lidag AG und die neuen Investitionen in diesem Jahr sind wir jetzt viel breiter aufgestellt. Unser Leistungsangebot konnte mit der 3D-Laserbearbeitung, dem Wasserstrahlschneiden und der neuen Entgrat- und Schleifmaschine wesentlich erweitert werden. Auch die professionelle Zusammenarbeit mit einem Pulverbeschichter macht unser Leistungsangebot umfangreicher. Zudem können wir mehr Kapazitäten bieten und sind auch leistungsfähiger geworden.

Welche Rolle hat in diesem Zusammenhang der Invest in die Laserschneidanlage und das Hochregallager gespielt?

Die Kombination von schnellen Laser und automatisierter Beschickung, um in der mannlosen Schicht arbeiten zu können, ist heute für Blechfertiger in der Schweiz ein Muss, will man wettbewerbsfähig produzieren. Aber das genügt noch nicht. Wir offerieren eine Gesamtdienstleistung von der Beratung, über die Konstruktion, Produktion und Montage hin zur Logistik, egal ob es sich dabei um Teile nach Zeichnung oder komplett montierte Baugruppen handelt, die in dieser Form nur wenige Firmen bieten. Es gibt sicherlich Spezialisten, die sich nur aufs Laserschneiden oder Abkanten fokussieren und dort ähnlich leistungsfähig sind wie wir; aber denen fehlt einfach das breite Leistungsspektrum, das uns auszeichnet.

Sie wollen diese Angebotsbreite und -tiefe auch in Zukunft halten?

Ich denke, wenn man sich nur auf die reine Lohnfertigung versteift, also beispielsweise Laserteile aus dickem Material anbietet, dann ist man austauschbar, dann ist der Wettbewerbs- und Margendruck noch viel höher. Generell versuchen wir uns auf Produkte mit hoher Wertschöpfung zu konzentrieren. Zudem kann man als Schweizer Unternehmen eigentlich im europäischen Wettbewerb nur punkten, wenn man kleine Stückzahlen mit kurzen Lieferfristen zu hoher Qualität bietet. Und da ist meiner Meinung nach der Einsatz eines Faserlasers in der mannlosen dritten Schicht einfach ein Muss, wenn die Blechdicken stimmen.

Hat sich Ihr bisheriges Engagement auch bezahlt gemacht?

Wir hatten im vorigen Jahr keine einfache Zeit. Aber aktuell habe ich das Gefühl, dass wir von den Kunden wieder vermehrt interessante Aufträge für komplette Baugruppen bekommen, die im vorigen Jahr, nach dem Frankenschock, ausgeblieben sind, da aus Kapazitätsgründen verstärkt im eigenen Haus produziert wurde. Das Tal scheint also durchschritten. Ich bin da optimistisch. Auch deshalb, weil wir mittlerweile so schlagkräftig aufgestellt sind.