Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 10/2016, 07.10.2016

Auf Kurs in die digitale Zukunft

Laut einer gerade erst ausgewerteten Studie der Swissmem, die der «Technischen Rundschau» in Kurzform exklusiv vorliegt, herrschen in der Schweiz ausgezeichnete Voraussetzungen, um das Potenzial der Digitalisierung erfolgreich zu nutzen und damit Industrie 4.0 erfolgreich umzusetzen.

(msc) Schweizer Industrieunternehmen sind innovativ und technisch auf einem exzellenten Stand, die Prozesse sind effizient, die Produktion aufgrund des anhaltenden Kostendrucks bereits stark automatisiert und die Wertschöpfungsketten sind global organisiert. Ideale Voraussetzungen also für die erfolgreiche Realisierung von Industrie-4.0-Projekten.

Swissmem führte Mitte 2016 eine Umfrage in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie durch mit dem Ziel, den Stand der Umsetzung von digitalen Projekten zu erfassen. Fazit: Industrie 4.0 ist in den Unternehmen angekommen.

82 Prozent der Unternehmen sehen mindestens einen oder sogar mehrere Nutzen in der Digitalisierung. Darüber hinaus sind viele von ihnen bereits aktiv geworden. Bei den 373 teilnehmenden Firmen sind bisher insgesamt 1225 Projekte im Bereich Industrie 4.0 realisiert worden oder befinden sich zurzeit in der Planungs- und Umsetzungsphase. Sowohl in der Beurteilung der Bedeutung des Themas wie auch beim Umsetzungsgrad lassen sich keine wesentlichen Unterschiede zwischen KMU und Grossfirmen ausmachen. Die Digitalisierung ist für alle gleichermassen relevant.

Die Ergebnisse der Umfrage geben auch Auskunft dazu, was sich die Firmen von der Digitalisierung erhoffen. Schwergewichtig wollen sie zu je 50 Prozent ihre Produktivität steigern, die Prozess- und Ressourceneffizienz erhöhen sowie Zusatznutzen für ihre Kunden schaffen. Dahinter folgen mit 42 Prozent der Nennungen die Steigerung der Produkt- und Servicequalität und die Stärkung der Kundenbindung. Die meisten Projekte wurden an der Schnittstelle zum Kunden umgesetzt. Ein weiteres Augenmerk liegt auf der Produktion und der Zusammenarbeit mit Lieferanten. Weniger im Vordergrund steht hingegen die Realisierung von digitalen Konzepten für die Flexibilisierung der Fertigung oder für die Herstellung von individualisierten Produkten.

Es werden aber auch diverse Hindernisse identifiziert. Die Komplexität von Industrie 4.0 macht zu schaffen. 55 Prozent der antwortenden Unternehmen sehen sich mit fehlendem Verständnis oder Unklarheiten bezüglich des Themas an sich konfrontiert. Oft fehlt auch eine ganzheitliche Strategie. 47 Prozent der Firmen geben an, dass ihnen die personellen Ressourcen fehlen, um ein Projekt anpacken zu können. Erstaunlicherweise werden jedoch nur gerade von 13 Prozent fehlende Qualifikationen im eigenen Unternehmen oder auf dem Arbeitsmarkt beklagt.

Zusammengefasst: Über die Hälfte der Firmen erkennt zwar Hindernisse. Dennoch ist eine erfreulich hohe Zahl von digitalen Projekten bereits umgesetzt oder in der Realisierung. Das könnte darauf hinweisen, dass die Möglichkeiten der Digitalisierung und Vernetzung mehrheitlich punktuell und in evolutionären Schritten in den Unternehmen Einzug halten. Wir befinden uns noch am Anfang der industriellen Transformation, sind aber auf gutem Weg. Die benötigten Technologien und Qualifikationen scheinen vorhanden zu sein. Auf der anderen Seite bedeutet aber ein so hoher Anteil an Unklarheiten bezüglich des Themas, dass das Potenzial von Industrie 4.0 noch nicht flächendeckend erkannt wird. Aufklärungsarbeit und Unterstützung der betroffenen Akteure sind notwendig. Initiativen wie «Industrie 2025» können hier einen Beitrag leisten. Letztendlich liegt es aber an jedem einzelnen Unternehmen, sich proaktiv mit dem Thema zu befassen und für sich den grössten Nutzen aus den umfangreichen Möglichkeiten von Industrie 4.0 zu ziehen. Eine ganzheitliche digitale Strategie ist dabei hilfreich.

Die komplette Studie wird voraussichtlich Ende Oktober auf der Swissmem-Homepage unter «Publikationen» veröffentlicht.

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