Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 11/2016, 11.11.2016

Das Plus an Effizienz

Die WSS Wilh. Schlechtendahl & Söhne GmbH & Co. KG hat Kompaktbearbeitungszentren von DMG Mori mit CNC-Drehtischen von pL Lehmann aufgerüstet. Damit lässt sich die Komplettbearbeitung von verschiedenen Bändern effizient auf kleinstem Raum realisieren.

(msc) Das Unternehmen Wilh. Schlechtendahl & Söhne GmbH & Co. KG in Heiligenhaus – kurz WSS – entwickelt und produziert Schlösser und Beschläge für den internationalen Stahl-, Aluminium- und Glasbau. Hohe Qualität, Innovationskraft und die effiziente Fertigung sind die Stützpfeiler für den wirtschaftlichen Erfolg. Für Betriebsleiter Lars Sternberg ist es daher wichtig, dass für jedes Bauteil das optimale Produktionsequipment zur Verfügung steht: «Nur so können wir am Standort Deutschland wirtschaftlich produzieren.»

Dies bedingt einen kontinuierlich dem Stand der Technik angepassten Maschinenpark. So investierte WSS in den letzten Jahren unter anderem in zwei neue Kompaktbearbeitungszentren DMG Mori «Milltap 700». Auf diesen dreiachsigen Bohr-/Fräsmaschinen findet das Zerspanen von Beschlagteilen für Türen, sogenannten Bändern, statt. Die kubischen Bauteile mit einer Kantenlänge von bis zu 100 mm bestehen aus Aluminium, Stahl oder Edelstahl. Sie müssen gefräst, gebohrt und mit Gewinden versehen werden.

Türbeschläge beinhalten auch komplexe Geometrien, für deren Bearbeitung zusätzliche Achsen erforderlich sind. Da man bei WSS in einer Spannung möglichst viele Operationen durchführen will, rüstet man seit Jahren manche BAZ mit zusätzlichen Drehtischen aus.

Bevorzugter Hersteller ist seit 1995 die Firma pL Lehmann aus Bärau. Das WSS-Bearbeitungsteam ist sich einig: «Mit den Lehmann-Achsen haben wir nur gute Erfahrungen gemacht. Sie sind zuverlässig wie das sprichwörtliche Schweizer Uhrwerk, zudem schnell, kompakt gebaut und verfügen über hohe Haltekräfte. Ideal für uns.»

Für die komplexen Elemente der Türbänder hat WSS eine der Milltap 700 mit dem zweiachsigen pL Lehmann CNC-Drehtisch «T3-507510.LR fix» ergänzt. Das Besondere an dem Schwenktisch mit geklemmten Gegenlagern sind seine drei Werkstückspindeln. Sie erlauben es, drei unterschiedliche Bauteile gleichzeitig aufzuspannen und fünfachsig zu bearbeiten.

Die Spindelzahl orientierte sich an der Grösse der zu bearbeitenden Bauteile. Für die Fünfseitenbearbeitung muss ein gewisser Abstand vorhanden sein. Die gewählte Lösung mit drei Spindeln ist für WSS optimal, da man damit Bauteilfamilien spannen kann, die aus zwei Rahmenbändern und einem Flügelband bestehen. Der Drehtisch ermöglicht kurze Werkzeuglängen und kurz gespannte Werkstücke. Das bewirkt eine schwingungsarme Aufspannung und die Bearbeitung in hoher Präzision.

Da DMG Mori die pL Lehmann-Produkte als Option ab Katalog anbietet, wurden Maschine und Drehtisch komplett vorinstalliert geliefert. Die IVO Oesterle NC-CNC Technik Vertriebs GmbH, die seit über 20 Jahren für pL Lehmann als Vertriebspartner in Deutschland tätig ist, stattete die drei Spindeln auf Wunsch von WSS mit einem Nullpunktspannsystem aus.

Markus Oesterle, Geschäftsführer von IVO Oesterle, erklärt zur Applikation: «Für einen optimierten Prozess muss beachtet werden, ob Alu oder Edelstahl zerspant wird, ob eine 6er-Bohrung oder eine 38er zu erzeugen ist und ob diese zentrisch oder exzentrisch liegt.» Da die Lehmann-Drehtische modular aufgebaut sind, lässt sich für jeden Einsatzfall der passende finden, der auch die erforderlichen Haltemomente zur Verfügung stellt.

Bei WSS ist man vom Status Quo der beiden Milltap-Maschinen mit pL-Lehmann-Drehtisch begeistert. Die Schnelligkeit und Präzision durch die vier- beziehungsweise fünfachsige Komplettbearbeitung haben die Produktivität deutlich gesteigert. Marcus Klett, der Teamsprecher Mechanische Bearbeitung, hält fest: «Dazu kommen die exakte Fixierung durch das Nullpunkt-Spannsystem sowie die damit verbundenen Wiederholgenauigkeiten und kurzen Rüstzeiten – das sind Vorteile, die wir auch bei weiteren Investitionen nutzen wollen.»

Ein Detail hebt Klett noch hervor: «Die hydraulische Drehdurchführung zu den drei Spannnestern des T3-507510.LR fix ist sehr gut gelöst. Die Spannung funktioniert tadellos, und bis jetzt ist auch noch keinerlei Undichtigkeit aufgetreten.» Das war auch zu erwarten, denn die Lehmann-Drehtische sind grundsätzlich wartungsfrei.

WSS Wilh. Schlechtendahl & Söhne GmbH & Co. KG
DE-42579 Heiligenhaus, Tel. +49 2056 170

Prodex Halle 1.1 Stand J35


Peter Lehmann AG
3552 Bärau, Tel. 034 409 66 66
pls@plehmann.com



In den drei Spindeln des Lehmann-Drehtisches «T3-507510.LR fix» können Bauteile fünfachsig komplettbearbeitet werden. (Bilder: Lehmann)


Diese Türbeschläge fräst, bohrt und gewindet WSS in einer Aufspannung auf der DMG Mori Milltap 700 mit Lehmann-Drehtisch.

Am Rande bemerkt

3+2- und 5-Achsen-Technik im Vergleich

Ein neues 5-Achsen-BAZ ist meist teurer als die Kombination aus vertikalem 3-Achsen-Zentrum mit aufgesetztem 2-Achsen-Drehtisch. Letztere Lösung bietet weitere Vorteile: Da bei reinen 5-Achsen-Maschinen die vierte und fünfte Achse meist im Tisch liegen, sind die durch den Maschinentisch verursachten Störkanten hoch. Das erfordert eine erhöhende Vorrichtung für das Werkstück oder lange Werkzeuge. Beides geht auf Kosten der Stabilität, fördert Vibrationen und mindert Präzision und Leistung der Maschine. Wird das Werkstück in einem aufgesetzten Drehtisch gespannt, sind die Störkanten weit niedriger, wodurch sich kurze, schwingungsarme Werkzeuge verwenden lassen. Auf einem 5-Achs-Zentrum kann nur ein Bauteil gespannt werden, während der Lehmann T3-507510.LR fix über drei Spindeln verfügt und damit drei Bauteilen Platz bietet. Ein weiterer Pluspunkt der 3+2-Lösung sind die viel geringeren zu bewegenden Massen. Während eine 5-Achsen-Maschine den ganzen Maschinentisch samt Werkstück beschleunigen muss, bewegen sich bei einer Ein- oder Zweiachsanlage nur die Drehachsen mit dem Werkstück.