Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 11/2016, 11.11.2016

Software beflügelt den Werkzeugbau

Beim Mikro­stanz- und -ziehteilespezialisten Quittenbaum setzt man bei CAD und CAM seit einiger Zeit komplett auf die Software Visi. Damit verfügt man heute über eine schnittstellenfreie 3D-Prozesskette auf Basis eines durchgängigen Datenmodells.

(msc) Bei Quittenbaum in DE-Schönau stehen die Zeichen auf Wachstum. Der Mikro­stanz- und -ziehteilespezialisten verarbeitet pro Jahr rund 1000 t Stahl und Buntmetall zu 470 Millionen Präzisionsteilen. Das können Mikrostanzteile ebenso sein wie Bandware, Stanzbiegeteile oder komplette Baugruppen. Letztere entstehen nicht auf einer der zehn Bruderer-Pressen, sondern auf automatischen Montageanlagen, die Quittenbaum selbst entwickelt und baut. Alle dazu nötigen Werkzeuge werden im Haus konstruiert und gebaut. Dabei spielt die 3D-Werkzeugbaulösung Visi eine grosse Rolle.

«Wir fokussieren uns bewusst auf Materialdicken von 0,1 bis 1,2 mm», erklärt Geschäftsführer Günther Schöfegger. Die Firmenphilosophie laute: Je kleiner und komplexer das Teil, umso geringer der Materialanteil und desto höher die Wertschöpfung. Er hält fest: «Selbst bei millionenfacher Wiederholung halten wir in den Stanzprozessen die geforderte Präzision von oft nur wenigen µm sicher ein.» Dazu tragen das Know-how der Mitarbeiter und ein ausgefeiltes Qualitätswesen ebenso bei, wie die IT-gestützte automatische Erfassung aller Produktionsparameter per MDE-System.

Stolz ist man auf das Know-how bei der Bauteiloptimierung. Oft können Produkte in Zusammenarbeit mit Kunden in Schönau entwickelt werden, anstatt sie nach Fernost in ein Billigland zu vergeben. Andreas Lochner, Leiter Konstruktion bei Quittenbaum, zeigt als Beispiel eine Steckerbuchse, die in vielen Automodellen eingebaut wird. «Die Schwierigkeit ist, dass die Buchse wegen der Abschirmung quasi geschlossen sein muss und ein Schlitz nur wenige 1/100 mm breit sein darf.» Darum wurde die Buchse früher aus einem Stanzbiege- und einem Frästeil hergestellt. «Was früher gefräst wurde, ist heute ein gezogener Bereich.»

Seither produziert Quittenbaum pro Jahr zwei Millionen Stück davon. «Bei Aufgaben wie diesen hilft uns, dass wir heute ausschliesslich mit Visi in 3D konstruieren», meint Andreas Lochner. Visi ist eine auf den Werkzeugbau abgestimmte Produktfamilie des britischen Herstellers Vero Software, die mit zahlreichen Modulen für CAD, CAM, PDM und Simulation auch den Blechbereich vollständig abdeckt. Visi ist ein sogenannter Hybridmodellierer: Dahinter verbirgt sich die Fähigkeit, den – in der 3D-CAD- und CAM-Welt weit verbreiteten – Parasolid-Kern kombiniert für die Volumen- und Flächenmodellierung einzusetzen, was im Werkzeugbau wesentlich schnelleres und flexibleres Arbeiten ermöglicht.

Andreas Lochner hatte schon länger ein Auge auf die Software geworfen. Man nahm Kontakt mit Mecadat auf, dem Visi-Distributor für den deutschsprachigen Raum. 2007 fiel dann die Entscheidung, zunächst beim CAD und etwas später bei der NC-Programmierung auf Visi umzusteigen.

Heute verfügt Quittenbaum damit über eine schnittstellenfreie 3D-Prozesskette auf Basis eines durchgängigen Datenmodells. Sie erstreckt sich von den Kundenkontakten über Machbarkeitsstudien, die Werkzeugkonstruktion bis hin zur NC-Programmierung und Visualisierung in der Fertigung.

Aktuell werden die Visi-Module auf sechs Arbeitsplätzen genutzt, zuzüglich der sechs PCs in der Fertigung, auf denen Visi-Viewer läuft. Mit diesem können sich die Mitarbeiter im Werkzeugbau anhand des CAD-Modells orientieren, wie das Bauteil aussieht und montiert wird.

Bei Visi bildet das CAD-Modul Visi Modelling die Grundlage. Es wird durch aufgabenspezifische Module ergänzt. An den vier Visi-Plätzen in der Konstruktionsabteilung, ist jeweils eine Lizenz des Schnitt- und Stanzwerkzeugmoduls Visi Progress (Abwicklung, Streifenlayout, Werkzeugaufbau), der Bauteilbibliothek, von Visi Blank (Zuschnittsberechnung) sowie von Advanced Modelling zur zielorientierten Verformung im Einsatz.

Die 2D- und 2,5D-Bearbeitung wird durch die automatische Featureerkennung des Moduls Compass unterstützt. Das Modul ergänzt die Fräsprogrammierplätze. Es wertet bestimmte Merkmale, Features genannt, eines Werkstücks aus und erzeugt auf Basis hinterlegter Fertigungsdaten automatisch das NC-Programm. Davon profitiert man in Schönau auch beim Drahterodieren mit Visi Peps-Wire, mit dem die Programmierung mit derselben selbsterklärenden Bedienlogik abläuft wie beim Fräsen.

Bei Quittenbaum hat der Entscheid, alle relevanten Bereiche komplett auf Visi umzustellen, markant zum Erfolg beigetragen. Dazu Andreas Lochner: «Man kann mit Visi einfach seine Gedanken umsetzen, ohne mit dem System kämpfen zu müssen.»

Quittenbaum GmbH
DE-83471 Schönau, Tel. +49 8652 9772780
info@quittenbaum-gmbh.de

Visi-Series Switzerland GmbH
8750 Glarus; Tel. 055 535 03 15
info@visi-series.ch



Bei Quittenbaum werden mit Visi Progress vor allem Folgeverbundwerkzeuge konstruiert.


Produziert mit einem einzigen Werkzeug: Diese USB-Buchse wurde so optimiert, dass auf ein Frästeil verzichtet werden kann. (Bilder: Drechsel)