Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 11/2016, 11.11.2016

Turbowirbeln ist angesagt

Mit dem «Turbowirbeln», also dem Vor- und Fertigwirbeln in einem Prozess, möchte Horn beim Gewindewirbeln neue Massstäbe setzen und gleichzeitig die Technologieführerschaft übernehmen. Wichtige Anstösse zu diesem Prozess kamen auch aus der Schweiz.

(pi) Der von Horn neu entwickelte Prozess des Turbowirbelns soll die Zerspanung beim Gewindewirbeln optimieren und die Wirtschaftlichkeit erhöhen. Speziell zur Bearbeitung von Gewinden mit grösserem Aufmass entwickelte Horn Schneidwerkzeuge für das Wirbeln mit neuer Schnittaufteilung. Einzelne Schneiden arbeiten dazu als Vorschneider und zerspanen das Werkstück bis zum definierten Aussendurchmesser. Schlichtschneiden sorgen dann für geometrisch einwandfreie Gewindeflanken.

Bei neunschneidigen Werkzeugen wird über Schnittaufteilung die Zerspanungsarbeit so aufgeteilt, dass jede Schneide gleichmässig belastet wird und dadurch die einzelnen Schneiden höhere Standzeiten erzielen. Unabhängig vom Werkstückaussendurchmesser entsteht durch die Kombination unterschiedlicher Schneidenprofile so ein optimales Gewinde mit reproduzierbaren Standmengen.

«Turbowirbeln bedeutet für den Kunden im Detail: höhere Schnittdaten dank Schnittaufteilung», sagt dazu Christoph Schlaginhaufen von Dihawag, der Horn-Vertretung in der Schweiz. «Dies führt zu einer spürbaren Zeiteinsparung. Durch optimale Schnittbedingungen erhält man höhere Standzeiten sowie bessere Oberflächen und Gratfreiheit. Unterstützt wird der Anwender durch den Online-Schnittdatenrechner, welcher die Programmierung vereinfacht. Die Stillstandszeit reduziert sich durch ein hochpräzises, modulares und einfach zu bedienendes System.»

Das Turbowirbeln ist anwendbar bei ein- und mehrgängigen Gewinden und Profilen. Die präzisionsgeschliffenen zweischneidigen Wendeschneidplatten vom Typ «S 271» werden dabei individuell auf das jeweilige Gewindeprofil und den zu zerspanenden Werkstoff abgestimmt. Gespannt werden die Wendeschneidplatten in formschlüssigen, extrem stabilen Plattensitzen; entweder in den neuen modularen Wirbelköpfen mit optimiertem Handling beim Plattenwechsel oder konventionell in den Monoblockwerkzeugen.

Fünf Fragen an Christoph Schlaginhaufen, Dihawag

Herr Schlaginhaufen, Turbowirbeln und modulares Wirbeln sind neue Produktbezeichnungen bei Horn. Was steckt genau dahinter?

Turbowirbeln ist der Name für eine neue Technologie im Gewindewirbeln. Nachdem vor über zehn Jahren die ersten Wirbelwerkzeuge auf Basis der Wendeschneidplatten eingeführt wurden, kam es bisher zu keiner signifikanten Weiterentwicklung. Das Kundenbedürfnis nach wirtschaftlicheren Werkzeugen haben wir, die Dihawag und Horn, aufgenommen und dazu eine komplett neue Wirbeltechnologie entwickelt.

Wann ist Wirbeln die richtige Lösung?

Wirbeln ist grundsätzlich dann einzusetzen, wenn ein Werkstück in einer Bearbeitung ab Stange komplett bearbeitet werden muss. Das sind in der Regel Schrauben für die Medizintechnik, es können aber auch Antriebswellen oder Achsen mit speziellen Profilen, beispielsweise Schmiernuten, sein. Immer wichtiger wird das Wirbeln oder auch Glockenfräsen als prozesssichere Alternative zum Drehen bei langspanenden Werkstoffen.

Werkzeug, Wirbelgerät oder Maschine – wo hat das Wirbeln seine technischen Grenzen?

Das ist durchaus ein wichtiger Aspekt, denn bis dato waren es die Werkzeuge, welche die Limits gesetzt hatten. Dank des Horn-Turbowirbelns können wir weit höhere Schnittdaten und Vorschübe fahren. Und hier sehen wir nun, dass immer öfter Maschinensteuerungen oder Wirbelapparate an ihre Grenzen geraten. Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass wir mit den neuen Hartmetall- und Beschichtungstechnologien noch weiteres Potenzial für Verbesserungen haben. Es muss aber immer im Einzelfall geprüft werden, ob es auch wirtschaftlich bleibt, da immer öfter die Gegenoperationen länger dauern und die reine Wirbelzeit keinen Einfluss auf die Gesamtbearbeitungszeit hat.

Welche Werkstoffe bieten sich besonders zum Wirbeln an?

Grundsätzlich gibt es hier keine Grenzen des Zerspanbaren. Für das Turbowirbeln wurde ein komplett neues Plattensystem entwickelt, und wir passen die Werkzeuge einzeln auf die Bearbeitung und den zu zerspanenden Werkstoff an. Ich bin gespannt, welche Herausforderungen uns hierzu noch erwarten.

Was erhoffen Sie sich generell von den beiden Produkt-erweiterungen Turbowirbeln und modulares Wirbeln?

Wir wollen mit dem Turbowirbeln die Technologieführerschaft übernehmen und neue Massstäbe setzen. Die Faktoren Vertrauen und Wirtschaftlichkeit sind gerade in der Medizintechnik sehr zentrale Aspekte, und daher bieten wir unseren Kunden an, die Werkzeuge unter gemeinsam definierten Zielen zu testen und den Kunden so zu überzeugen.

Horn: Dihawag
2504 Biel, Tel. 032 344 60 60
info@dihawag.ch

Prodex Halle 1.1 Stand K01



Turbowirbeln: Beim neunschneidigen Wirbelwerkzeug zerspanen die Vorschneider das Werkstück bis zum definierten Aussendurchmesser; die Schlichtschneiden sorgen für die exakten Gewindeflanken. (Bilder: Horn)


Christoph Schlaginhaufen arbeitet seit über 19 Jahren bei Dihawag und sitzt seit 2009 als Leiter Technik in der Geschäftsleitung.