Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 12/2016, 09.12.2016

«Blechfertigung der Zukunft»

Zwei von Grund auf neu konzipierte Blechbearbeitungsanlagen markieren die Höhepunkte der Neuvorstellungen von Trumpf in diesem Jahr: die High-End-Anlage «TruLaser Center 7030» und die Einsteigermaschine «TruPunch». Wir sprachen mit Adrian Schär, Vertriebsdirektor Trumpf Maschinen AG, über die Besonderheiten der Anlagen, ihre Chancen auf dem Schweizer Markt und die Resonanz zur Messe «EuroBlech».

Autor: Wolfgang Pittrich

Herr Schär, laut Trumpf kommt das Projekt TruLaser Center 7030 einer Revolution gleich, da nach eigenen Worten eine «Übermaschine» konzipiert wurde. Was ist so besonders an diesem Maschinenkonzept?

Die TruLaser Center 7030 löst den Widerspruch zwischen hoher Produktivität und hoher Bedienerbindung auf. Sie ist die erste Maschine, die durch eine leistungsfähige Kombination starker Einzelinnovationen ohne die herkömmlichen Beschränkungen bei Teilegrösse oder Konturkomplexität vollautomatisch vom Rohblech zum sortierten Teil arbeitet. Zugleich ist die Maschine so einfach programmierbar wie eine nicht automatisierte Flachbettmaschine. Anhand von Material, Geometrien und Teilezahl erstellt das Programmiersystem automatisch einen Vorschlag mit Verschachtelung, Bearbeitung, Ausschleusen, Sortieren und Ablage, der bei Losgrösse 1 funktioniert. Das ist möglich, weil das komplette Versuchs-Know-how im Programmiersystem integriert ist; dem einzigen übrigens, das im Programmvorschlag physikalische Kippberechnungen berücksichtigt.

Trumpf spricht von ein paar Mannjahren Entwicklungszeit und dem grössten Maschinenentwicklungsprojekt in der Firmenhistorie. Warum war dieses Projekt so aufwendig?

Die Maschine wurde sehr konsequent aus der Produktionsaufgabe unserer Kunden heraus entwickelt. Wir mussten Lösungen für zahlreiche Herausforderungen finden, vom Schneiden ohne Kippen über das Ausschleusen von Schrott und Schlacke und die Entnahme ohne Verhaken bis zur Sortierung. Darüber hinaus musste die Kombination der Einzellösungen sicher funktionieren und zugleich so abgestimmt zusammenarbeiten, dass die Maschine im Output mit sehr gut ausgelasteten High-End-Flachbettmaschinen mithalten kann. Und am Ende des Tages sollten die grossen wirtschaftlichen Vorteile des neuen Maschinenkonzepts nicht durch einen stark erhöhten Programmieraufwand wieder verloren gehen.

Während die TruLaser Center im High-End-Bereich angesiedelt ist, bewegt man sich mit der TruPunch von der anderen Seite auf den Kunden zu. Die Rede ist von einer Einsteigermaschine. War das ein Wunsch der Trumpf-Kunden?

Ja, wir haben durch intensive Marktforschung und Kundenbefragungen eine Maschine entwickelt, die viele zentrale Wünsche unserer Kunden erfüllt. Zum Beispiel kompakte Aufstellfläche, niedrige Einstiegshürden in die Kombibearbeitung, hohe Wirtschaftlichkeit auch bei geringerer Auslastung. Auf der Basis unseres klassischen Maschinenkonzeptes war es uns aber immer nur möglich, eine Mid-Range-Maschine in bekannter physischer Grösse zu entwickeln ...

Was gab schliesslich den entscheidenden Anstoss zur Umsetzung?

Nur indem die Entwickler völlig neu gedacht und den Stanzkopf in Bewegung gesetzt haben, konnten wir auf einmal alle Forderungen unter einen Hut bringen. Und dabei zudem eine Stanzmaschine entwickeln, die für sich genommen sehr wirtschaftlich ist und bei Bedarf in eine Kombimaschine umgebaut werden kann.

Beide Maschinen scheinen aufgrund ihrer Möglichkeiten prädestiniert für den Schweizer Markt. Sehen Sie das auch so?

Die TruLaser Center 7030 ist eine Maschine, die es ermöglicht, auch in Hochlohnländern zu sehr konkurrenzfähigen Bearbeitungskosten zu produzieren. Zugleich werden gefährliche und körperlich belastende Tätigkeiten aus dem Produktionsalltag entfernt. Dabei liefert die Maschine eine sehr hohe Teilequalität – Spritzer und Reflektionen von Auflagestegen entfallen, genauso wie Mikrojoints – und ermöglicht mit ihren Entnahmestrategien die Fertigung von hochkomplexen, filigranen Geometrien, die mit herkömmlichen Maschinen nicht möglich wären. Für eine hoch entwickelte, auf Innovationen aufbauende Industrie wie der Schweizerischen bietet die Maschine damit sowohl auf der Seite der Produktionskosten als auch auf der Innovationsseite hochinteressante neue Möglichkeiten.

Gilt das analog für die TruPunch?

Mit der TruPunch1000 kann ein kleiner Betrieb bereits einschichtig profitabel produzieren. Bei Bedarf steht mit der Automatisierung auch ein Zwei- oder Dreischichtbetrieb offen. Und die TruMatic 1000 fiber (Erweiterung der TruPunch zur Stanz-Laser-Kombi; Anmerkung der Redaktion) ist mit dem 3-kW-Laser durchaus auch für grössere Betriebe eine gute Wahl.

Wie sind die beiden Maschinen auf der EuroBlech angekommen?

Die TruLaser Center 7030 war ein absoluter Publikumsmagnet. Wir haben ein sehr herausforderndes Teileprogramm über die ganze Messe im vollautomatischen Betrieb laufen lassen. Die Kunden konnten sich davon überzeugen, dass die Maschine selbst komplexeste Geometrien, die jeden Bediener bei der Absortierung stark fordern würden, sicher beherrscht. Nach der Messe waren mehrere Tonnen Blech und weit über 8000 Teile über die Maschine gelaufen. In den Gesprächen bestätigte sich immer wieder aufs Neue, dass mit der Maschine ein ganz wichtiges Hindernis hin zur Blechfertigung der Zukunft genommen wurde.

Wurde die TruPunch ebenso mit Beifall bedacht?

Dass sich Trumpf nicht nur im High-End-, sondern auch im Einstiegssegment stark engagiert, wurde sehr positiv aufgenommen. Die Möglicheit, eine TruPunch später zu einer Kombimaschine nachzurüsten hat viele überrascht. Insgesamt hat das völlig neue Maschinenkonzept der TruPunch 1000 und der TruMatic 1000 fiber unsere Besucher total begeistert und für grosse Aufmerksamkeit gesorgt. Wir hatten beispielsweise selten so viele Mitarbeiter von anderen Herstellern auf dem Stand – wahrscheinlich auch deshalb, weil wir bereits vor der Messe sehr offen über die neuen Maschinen berichtet hatten ...

Ist das nicht ein wenig gewagt, den Wettbewerbs so schlau zu machen ...

Was wir uns wiederum nur deshalb leisten konnten, weil die Kerninnovationen alle über Patente abgesichert sind. Auf dem Messestand wurde den Kunden nach ein paar Minuten skeptischer Neugier klar, dass mit dem Konzept des Delta-Drives ganz neue Möglichkeiten offenstehen. Und die werden unsere Kunden und wir natürlich nutzen.


Trumpf Maschinen AG
6340 Baar, Tel. 041 769 66 66
info@ch.trumpf.com

Adrian Schär, Vertriebsdirektor Trumpf Maschinen AG: «Die TruLaser Center 7030 war ein absoluter Publikumsmagnet auf der EuroBlech.» (Bild: Trumpf)å