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Interview: GrindTec: Ausgabe 02/2016, 05.02.2016

«Schärfung des Messeprofils als Wachstumsfaktor»

Die Messe «GrindTec» hat sich seit der Erstaufführung im Jahr 1998 zur Leitmesse der Schleifbranche, speziell der Werkzeugschleifer, entwickelt. In diesem Jahr gibt es wiederum einen Rekord bei Ausstellern und Ausstellungsfläche. Die Schweiz stellt – fast schon traditionell – das grösste Auslandskontingent. Die «Technische Rundschau» sprach mit Joachim Kalsdorf, Projektleiter GrindTec beim Veranstalter Afag, und Wilfried Saxler, Geschäftsführer des deutschen Branchenverbandes FDPW, über die erstaunliche Entwicklung der Messe.

(pi) Herr Kalsdorf, worauf führen Sie den Erfolg der «GrindTec» zurück?

Kalsdorf: Die Erfolgsgeschichte basiert auf mehreren Faktoren. Die GrindTec startete 1998 als Special-Interest-Veranstaltung für das Werkzeugschleifen. Angebots- und Nachfrageseite wurde durch den Fachverband FDPW (Fachverband Deutscher Präzisions-Werkzeugschleifer – Anmerkung der Redaktion) in idealer Weise vertreten. Mit der Besucheransprache haben wir im Kerneinzugsgebiet Süddeutschland begonnen, um dann über den deutschsprachigen Raum letztlich ganz Europa und über die digitalen Medien auch global für die inzwischen zur Leitmesse avancierten GrindTec zu werben. Eine weitere wichtige Rolle spielen natürlich auch Standortfaktoren wie das im Vergleich zu den Grossmesseplätzen hervorragende Preis-Leistungsverhältnis. Regelmässig hoch gelobt wird der vorbildliche Aussteller- und Besucherservice des GrindTec-Veranstalters Afag. Zu einem wesentlichen Wachstumsfaktor dürfte auch die Schärfung des Angebotsprofils werden ...

Wie meinen Sie das?

Kalsdorf: Das neue Angebotsprofil öffnet sich der allgemeinen Schleiftechnik, schliesst aber gleichzeitig Anbieter von Neuwerkzeugen aus. Diese Gruppe sehen wir eher auf der Besucherseite. Und wie 2014 prognostiziert, macht sich diese Veränderung erst auf der jetzigen GrindTec so richtig bemerkbar.

Saxler: Die Schärfe des Angebots-profils einhalten zu können, ist eine unglaublich grosse Herausforderung. Wir orientieren uns einerseits am Hauptthema der Schleiftechnik, andererseits am Spezialthema der Werkzeugschleiftechnik, da dies zu den Ursprüngen der Entstehung der GrindTec zählt. Allerdings kommen alle Themenbereiche hinzu, die man für diese Branche benötigt. Um beispielsweise Spanleitstufen an Zerspanwerkzeugen herstellen zu können, werden heute neben dem Schleifen Laserbearbeitungssysteme eingesetzt. Daher sind solche Exponate ebenfalls auf der GrindTec zugelassen. Dies bezeichnen wir allerdings genauso wenig als Verwässerung der Messe wie die Kombinationsverfahren Schleifen-Drehen, solange der Fokus des Werkzeugschleifens oder generell des Schleifens im Vordergrund steht.

Wächst die GrindTec auch auf Besucherseite?

Kalsdorf: Das Wachstum bei den Ausstellern und das noch attraktivere Angebot dürften auch für eine weitere Zunahme bei den Besuchern sorgen. Gerade in asiatischen Ländern wie China, Taiwan, Korea und Japan wächst das Interesse von Unternehmen, über die GrindTec neue Absatzmärkte zu erschlies-sen. Auch die Zahl der Besucher aus diesen Ländern wächst. Aber auch Indien und Amerika werden zunehmend auf die GrindTec aufmerksam.

Herr Saxler, der FDPW als fachlicher Träger der GrindTec hat das Ohr direkt am Puls der Schleiftechnik. Welche aktuellen Trends beobachten Sie?

Saxler: Die Weiterentwicklung von Verfahrenskombinationen in Schleif-Dreh-Zentren – hier spreche ich bewusst nicht von Dreh-Schleif-Zentren – ist ein Dauerthema. Auch die grossen Werkstückgeometrien, wie sie beispielsweise vom Energiesektor benötigt werden, fordern die Fertigung in einer Aufspannung. Aber auch die generativen Fertigungsverfahren stellen die Schleiftechnik vor neue Herausforderungen. Im Werkzeugsektor wird dies zu spüren sein.

Welche technische Leckerbissen erwarten die GrindTec-Besucher?

Saxler: Aus den Fachgesprächen mit einigen Ausstellern und Verbandsmitgliedern durfte ich erfahren, dass es beispielsweise neue Schleifmaschinen, KSS-Filteranlagen und Spanntechniken geben wird. Im Bereich Software wird der Fokus immer stärker auf die Bedienerfreundlichkeit von Anwendersoftware gelegt. Darüber hinaus gewinnt auch die Simulationstechnologie immer mehr an Bedeutung. Besonders freue ich mich über den Themenpark «Schleiftechnik 4.0», der zum ersten Mal auf einer GrindTec angeboten wird.

Was hat es damit auf sich?

Saxler: Der Themenpark konzen-triert sich auf die Automatisierungsmöglichkeiten und die Vorteile in der Logistik durch den Nutzen digitaler Daten, die Vermeidung von Mehrfacheingaben von Daten bei der Programmierung oder im Umgang von schleiftechnischen Maschinen und Systemen. Parallel zur Ausstellung werden Fachvorträge zu diesen Themen angeboten.

Herr Kalsdorf, zum Abschluss die Frage, wie sich die Beteiligung der Schweiz zur aktuellen GrindTec entwickelt hat?

Kalsdorf: Die Beteiligungen aus der Schweiz, traditionell unsere grösste Auslandsnation, sind nochmals gestiegen. Aktuell haben sich 68 Firmen angemeldet; im Vergleich dazu kamen vor zwei Jahren 62 Unternehmen. Die belegte Fläche ist um 11 Prozent gewachsen. Doch bei aller Arithmetik, kommen Sie zur GrindTec 2016 nach Augsburg, Sie würden sonst etwas versäumen.

Afag GmbH
DE-86159 Augsburg
Tel. +49 821 5898 2-395, grindtec@afag.ch


FDPW Fachverband Deutscher Präzisions-Werkzeugschleifer
DE-50321 Brühl, Tel. +49 2232 1555 972 info@fdpw.de



Joachim Kalsdorf (links), Afag, und Wilfried Saxler, FDPW, sehen die GrindTec nach wie vor im Aufwind: «Mit geballter Kompetenz auf dem Sektor Schleif- und Werkzeugschleiftechnik wird sich die Messe auch mit Details präsentieren, die auf grossen Allround-Messen im Allgemeinen meist untergehen.» (Bild: TR)

Fact Sheet

GrindTec

  • Was: Internationale Fachmesse für Schleiftechnik
  • Wann: 16. bis 19. März 2016, täglich 9.00 bis 18.00 Uhr
  • Wo: DE-Augsburg
  • Kosten: Euro 25, ermässigt Euro 12; kostenloser Katalog und Messe-Guide
  • Weitere Informationen: www.grindtec.de