Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 02/2016, 05.02.2016

Im Fokus: Produktivität und effektive Zerspanung

Die kommenden Zerspanungsmessen wie Metav, GrindTec und Siams stehen vor der Türe und zeigen in den nächsten Monaten, wo fertigungstechnisch der Hammer hängt. Andererseits liegen die Neuheiten der EMO Milano noch frisch ausgepackt bei den einschlägigen Händlern und Herstellern von Präzisionswerkzeugen aus. Grund genug für die «Technische Rundschau» einen letzten Blick auf ausgewählte EMO-Produkte zu werfen.

(pi) Mit dem Attribut «schmalster Wechselschneidplatten-Trennfräser am Markt» bewirbt die Paul Horn GmbH ihre speziell zum Nut- und Trennfräsen konzipierten «M101»-Fräser. Die 1,2 und 1,4 mm breiten Werkzeuge lassen sich mit Durchmesser 63 und 80 mm bei Nuttiefen von 19,5 und 20 mm ordern. Die Fräser mit 63 mm Durchmesser besitzen einen Zylinderschaft mit Durchmesser 25 mm und Weldon-Aufnahme, zusätzlich sind sie für Innenkühlung ausgelegt. Die Fräser mit 80 mm Durchmesser sind als Aufsteckfräser oder in der Variante mit Fräsdornringen erhältlich.

Die neuen Trennfräser sind mit HM-Wechselschneidplatten bestückt und zwar mit 5 Platten beim 63-er und 7 Platten beim 80-er Fräser. Die Geometrie soll besonders geeignet sein für allgemeine Stähle, rostfreie Stähle und Titan-Werkstoffe.

Dem Fräsen von Leichtbaustoffen, speziell von Thermoplasten und Faserverbundwerkstoffen wie CFK, hat sich die Mapal Dr. Kress KG angenommen. Dazu wurde das bisherige Programm um vier neue Modelle erweitert. So verspricht der «OptiMill-Thermoplastic» ein prozesssicheres Zerspanen von Thermoplasten. Der sehr scharfkantige Vollhartmetallfräser sorgt mit seiner besonderen Geometrie dafür, dass neben dem optimierten Abtransport der Späne auch die Hitzebildung während des Fräsens auf ein Minimum reduziert bleibt.

Für die Bearbeitung von Thermoplasten mit Faserverstärkung, überwiegend aus Kohlefasern, bietet Mapal zusätzlich den «OptiMill-Thermoplastic-FR». Sein spezieller Vorteil: Da die Kohlefasern sehr abrasiv sind, ist der VHM-Fräser diamantbeschichtet. Durch seine Umfangsverzahnung sollen die Fasern ohne Gratbildung sauber an der Schnittkante abgetrennt werden.

Zum Fräsen von Bauteilen aus Faserverbundwerkstoffen wie CFK, die entweder sehr dünn oder schwierig zu bearbeiten sind, hat Mapal den VHM-Schaftfräser «OptiMill-Composite-UD» ins Programm genommen. Auch hier soll eine Diamantbeschichtung für eine hohe Standzeit sorgen.

Last but not least bringt der Präzisionswerkzeughersteller aus DE-Aalen mit dem «OptiMill-Honeycomb» einen Fräser für die Bearbeitung von Leichtbauwerkstoffen mit Wabenstruktur («Honeycombs»). Der 8-schneidige Vollhartmetall-Schaftfräser besitzt extrem scharfe Schneiden, einen Spiralwinkel von 15° und eine feine Verzahnung.

Während Spezialisten wie Mapal oder auch Horn ihr Produktprogramm immer feiner ziselieren und vertikal ausbauen, gehen Breitenanbieter wie Iscar eher den anderen Weg, nach dem Motto: «Einer für alles». So eignen sich die Wendeschneidplatten «Heli IQ Mill 390» des israelischen Hartmetallspezialisten für ein breites Anwendungsspektrum, angefangen von der Stahlbearbeitung über Nichteisenmetalle hin zu hitzebeständigen Legierungen und schliesslich sogar Titan.

Diese Produktreihe enthält drei neue Geometrien, wobei die «HM390 TDKT» in Cermet ausgeführt ist. Sie soll auch bei hohen Temperaturen äusserst verschleissfest agieren und im Vergleich zu Hartmetallplatten die Aufbauschneidenbildung verringern. Nicht umsonst empfiehlt Iscar ihren Einsatz für hohe Schnittgeschwindigkeiten, speziell beim Vorschlichten und Schlichten von Stahl, Gusseisen und gesinterten Werkstoffen.

Die präzisionsgeschliffene Schneidplatte «HM390 TDCT» mit speziellem Spanformer und präzisen 90°-Schultern steht dagegen laut Iscar für einen weichen Schnitt bei niedrigen Schnittkräften und trotzdem hoher Oberflächenqualität. In Verbindung mit der «SumoTec»-Schneidstoffsorte «IC380» soll sich diese Variante speziell für die Bearbeitung von Titan und hochhitzebeständigen Legierungen eignen.

Die dritte Wendeschneidplatte im Bunde, die «HM390 TDCR», besitzt eine umfangsgeschliffene Frei- und polierte Spanfläche. Zusammen mit einer hoch positiven Geometrie und den scharfen Schneidkanten ist sie daher prädestiniert für die Zerspanung von Aluminiumlegierungen und Magnesium. Die polierte Bearbeitungsfläche steht dabei für einen reibungslosen Spanfluss ohne Aufschweissungen.

Auch beim Bohren tut sich viel Neues. Stellvertretend dafür mag der Bohrkronenbohrer «Kub Centron Powerline» der Komet Group stehen. Durch seine Mehrschneidigkeit lässt er höhere Vorschübe zu und sorgt daher für reduzierte Fertigungszeiten. Wesentliches Element des neuen Bohrers ist die Zentrierspitze. Sie führt das Werkzeug exakt in der Bohrachse und garantiert laut Komet Masshaltigkeit, Geradheit und Prozesssicherheit in Bohrtiefen bis zu 9 × D.

Sind die bisherigen Standard-Hartmetall-Spitzen universell einsetzbar, gibt es mittlerweile eine zweite Zentrierspitze für den Einsatz in rostfreien Qualitäten und/oder labilen Arbeitssituationen – etwa auf Drehmaschinen, wo ein gewisser Achsversatz herrscht.

Das Substrat dafür ist ein bislang vor allem für Verschleissschutzaufgaben genutztes Hartmetall, das eine ungleich höhere Zähigkeit aufweist. Damit eignet sich die neue Zentrierspitze für Arbeitssituationen, in denen Schwingungen und leichte Schläge auftreten können und für schwierige Werkstoffe, die Schnittgeschwindigkeiten zwischen 30 und 80 m/min erfordern.

Für grosse Werkzeugdurchmesser, bei denen die Zentrierspitze noch geringeren Schnittgeschwindigkeiten – zwischen 10 und 30 m/min – ausgesetzt ist, bietet Komet eine dritte Zentrierspitze aus HSS an.

Um diese neuen Werkzeuggenerationen, die oftmals mit viel Power ans Werkstück gehen, auch optimal nutzen zu können, braucht es adäquate Spannmittel. Die Schunk GmbH hat deshalb das bewährte Hydrodehnspannfutter «Tendo E compact» erweitert und – übrigens ein Novum – mit einer Capto-Schnittstelle versehen.

Bereits 2014 wurde in Versuchsreihen am wbk (Institut für Produktionstechnik) in Karlsruhe nachgewiesen, dass Anwender mit dem Tendo E compact bis zu 300 Prozent längere Werkzeugstandzeiten erzielen können als mit anderen Spannsystemen. Es scheint deshalb nur folgerichtig, dieses System mit der sehr genauen Capto-Schnittstelle zu versehen.

In Summe vereint das Tendo E compact Capto-Spannfutter nun hohe Spannkräfte mit einer grossen Schwingungsdämpfung sowie hoher Biege- und Torsionsfestigkeit. Die Präzisionsaufnahme bietet auch bei abrupten Lastwechseln eine hohe Stabilität und ermöglicht laut Schunk «eine für Hydro-Dehnspannfutter einzigartige Performance, sorgt für brillante Oberflächen sowie für einen deutlich reduzierten Werkzeugverschleiss».

Jenseits aller hardwaremässigen Anstrengungen, die Produktion effizienter und leistungsfähiger zu machen, gilt es natürlich auch, die Werkzeugdaten schneller und vor allem sicher an die Werkzeugmaschine zu bringen. Schlagworte wie «Industrie 4.0» geben dabei die Stossrichtung vor. Der Messspezialist Zoller hat sich schon frühzeitig darum gekümmert, wie die von seinen Werkzeugvermessungsgeräten erhobenen Daten möglichst ohne Reibungsverlust an die Werkzeugmaschinen kommen.

Man bietet dazu zahlreiche Lösungen für eine prozesssichere, fehlerfreie Kommunikation zu Peripheriesystemen wie Werkzeugläger oder zur direkten Datenübertragung an die jeweiligen Maschinensteuerungen. Je nach Maschine erfolgt dies entweder über unterschiedliche Etikettenformate, via File-Transfer, über Fertigungsleitsysteme aller namhaften Anbieter oder über RFID-Systeme.

Als Neuheit gibt es jetzt den von Zoller gemeinsam mit der Balluff GmbH entwickelten »zid-Code«. Diese Werkzeugidentifikation bietet eine schnelle und fehlerlose Datenübertragung der an Zoller-Einstell- und Messgeräten gemessenen Werkzeugdaten an die CNC-Maschine. Die erhobenen Daten werden auf Etikett ausgedruckt und mittels Scanner direkt an der Maschine eingelesen. Laut Zoller «eine sichere, kostengünstige Alternative zu bisherigen Lösungen».

Paul Horn: Dihawag
2504 Biel, Tel. 032 344 60 60
info@dihawag.ch
Metav Halle 14, Stand D48

Iscar Hartmetall AG
8500 Frauenfeld, Tel. 052 728 08 50
www.iscar.ch
Metav Halle 14, Stand A47-4

Komet Group GmbH
DE-Besigheim, Tel. +49 7143 373-0
info@kometgroup.com

Mapal Dr. Kress KG
4588 Brittern, Tel. 079 794 79 80
andreas.mollet@ch.mapal.com
Metav Halle 14, Stand E31

Schunk Intec AG
8307 Effretikon, Tel. 052 354 31 31
info@ch.schunk.com
Metav Halle 14, Stand E32

Zoller: Springmann SA
2008 Neuchâtel, Tel. 032 729 11 22
info@springmann.ch
Metav Halle 14, Stand B47



Schmaler geht kaum: Die 1,2 und 1,4 mm starken Schneidplatten des Nut- und Trennfräsers können einfach und präzise gewechselt werden. (Bild: Horn)


Neues Fräsprogramm für Kunststoffe, CFK und Honeycombs. (Bild: Mapal)


Allzweckwaffe: Die präzisionsgeschliffene Wendeschneidplatte «HM390 TDCT» steht für gute Oberflächengüten und präzise 90°-Schultern. (Bild: Iscar)


Die Zentrierspitze des «Kub Centron Powerline»-Bohrers gibt es für verschiedene Werkstoffe und Bearbeitungssituationen. (Bild: Komet)


Sichere und einfache Datenübertragung an die Maschine mit dem »zid.Code». (Bild: Zoller)


Tendo plus Capto = gute Performance, hohe Oberflächenqualität, lange Standzeit. (Bild: Schunk)