Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 03/2016, 11.03.2016

Ungetrübter Audio-Genuss

Ein japanischer Hersteller benötigte für seine Automotive-Infotainment-Systeme eine Testanlage. Gesucht wurde ein System, das die komplette Produktion der Geräte unterstützt und Optimierungspotenzial aufdeckt. Fündig wurde man bei MCD Elektronik.

(pi) Ein namhafter japanischer Hersteller von Infotainment-Systemen stand wie viele andere vor der Aufgabe, seine Produktion zu optimieren. Gesucht wurde unter anderem ein Testsystem, das die komplette Produktion der Geräte unterstützt und die extrem hohen Anforderungen der Automobilhersteller erfüllt.

Das Optimierungspotenzial gerade auf der Testseite ist gross, auch höhere Investitionen in ausgefeilte Testsysteme amortisieren sich daher schnell. Das Unternehmen wollte ein kostengünstiges und zukunftssicheres System, das für mehrere Tier-1-Lieferanten an unterschiedlichen Standorten eingesetzt werden kann.

Die Consultingfirma des Herstellers kontaktierte auch den Baden-Württembergischen Test- und Prüfspezialisten MCD Elektronik, der schliesslich den Zuschlag bekam. MCD Geschäftsführer Bruno Hörter: «Wir sind stolz auf dieses Projekt. Es war ein grosser und bedeutungsvoller Auftrag in unserer Unternehmensgeschichte.» Nach nur einem halben Jahr Entwicklungszeit konnte im Februar 2015 die komplette Testlinie in Japan in Betrieb genommen werden. Weitere Linien für andere Produktionsstandorte sind bereits geordert.

Die Prüfinhalte waren vom Auftraggeber grob umrissen. MCD entwickelte ein Gesamtkonzept und leitete davon Detaillösungen ab. Man konnte dabei auf Standardkomponenten zurückgreifen wie beispielsweise den «AudioAnalyzer» mit eigenständiger Script-Engine zur parallelen Auswertung der Messwerte oder den schaltbaren USB-Hub zur Steuerung der umfangreichen USB-Schnittstellen.

Anderes wurde speziell für dieses Projekt neu entwickelt. Dazu gehört die Programmierung der Geräte über USB mit asynchronem Zugriff und ladbar über PC – und das gleichzeitig für 48 Prüflinge. Oder die Spezialplatine, welche die komplexe Verdrahtung innerhalb der Tester ersetzt. Sie trägt zur Standardisierung genauso bei wie zu besser reproduzierbaren Ergebnissen.

Mechanische Adaptionen wurden im Vorfeld mit 3D-Drucktechnik simuliert und getestet. Zur gründlichen Planungsphase gehörten auch Versuche mit Boundary-Scan-Lösungen, Fehlerabdeckungsanalysen und zahlreiche Simulationen. Die Testlinie wurde in insgesamt acht modularen Stationen realisiert. Einige davon sind direkt in den Produktionsfluss eingebunden, andere agieren als Offline-Stationen. Jede kann eigenständig operieren, ist aber in das Management der gesamten Testlinie eingebunden.

Alle Diagnosedaten der Prüflinge werden in einem komplexen Programm aufbereitet und stehen per Langzeitspeicherung für eine jederzeitige Inspektion beim Hersteller zur Verfügung. Eine Kalibrierung der Messdaten erfolgt durch Prüfläufe mit sogenannten «Golden Devices».

Die Testanlage selbst wird regelmässig überprüft, um Fehldiagnosen zu vermeiden. Beispielsweise werden über den MCD-«DatenManager» die Prüfdaten ausgewertet und die Stabilität sowie die Zwischenergebnisse überprüft. Der DatenManager ist zudem mit dem Manufacturing Execution System (MES) des Herstellers verbunden, das die Brücke zwischen der technischen und der betriebswirtschaftlichen Welt schlägt.


MCD Elektronik GmbH
DE-75217 Birkenfeld,
Tel. +49 7231 78 40 50
info@mcd-elektronik.de



Herausforderung: Eine Sonderstellung nimmt der manuelle Funktionstest zur kundenorientierten Prüfung der Geräte ein. (Bilder: MCD Elektronik)


Die Testlinie im Überblick.

Auf einen Blick

Testanlage für Infotainmentsyteme

Insgesamt wurde die Testlinie mit acht modularen Stationen realisiert:

- Inline BSCAN/Funktionstester für Mainboards: Zwei Mainboards können gleichzeitig und parallel getestet und programmiert werden.

- Inline BSCAN/Funktionstester für DAB-Tunermodule: Hier werden 12 Module parallel bearbeitet.

- Flash-Anlage für 2 x 24-Geräte: Parallel an bis zu 48 Geräten erfolgt die Programmierung der Applikationssoftware.

- RunIn-Anlage für 2 x 24 Geräte («Folterkammer»): Bis zu 48 Geräte werden gleichzeitig in einer Klimakammer im Bereich von – 40 °C bis + 80 °C im Dauerlauf geprüft.

- Automatischer Funktionstest (AFT): An dieser Station werden bis zu vier der komplett montierten Head-Units überprüft.

- Manueller Funktionstest (MFT): Es ist der Arbeitsplatz von Mitarbeitern, die eine kundenorientierte Prüfung der Geräte vornehmen.

- Mehrere Kamerasysteme werfen einen letzten Blick auf das Gerät und ein Bildverarbeitungsprogramm checkt die Vollständigkeit.

- Die eigentliche Schnittstelle zum Automobilhersteller ist der Auslieferungsplatz. Hier erfolgt unter Verwendung der Kunden-Software die Konfiguration für den Einsatz im Zielfahrzeug.