Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 04/2016, 14.04.2016

Schweizer Messeauftakt für die Präzisionsindustrie

Eine Messe, die bereits sechs Monate vor Veranstaltungsbeginn ausgebucht ist, braucht eigentlich nicht viele Worte: Die Siams findet vom 19. bis 22. April in Moutier statt und ist sicherlich ein Highlight der Mikro- und Präzisionsbearbeitung im Schweizer Messekalender. Die «Technische Rundschau» wirft einen Blick auf ausgewählte Neuheiten und Trends.

(pi) Mit der 15. Aufführung vollzieht die Siams weiter den Wandel von einer regionalen Produktmesse hin zur Neuheiten- und Trendschau für die Mikrotechnik. «Mit den von den Ausstellern selbst veröffentlichten News und denen, die wir direkt erhielten, haben unsere Aussteller beinahe 170 Innovationen für die Siams angekündigt», bemerkt dazu ein sichtlich zufriedener Pierre-Yves Kohler.

Der CEO von Faji SA, dem Organisator der Veranstaltung, zeigte sich von der «wahren Lawine der Antworten» überrascht, die von der Anfrage bezüglich Ausstellerneuheiten im Vorfeld der Messe ausgelöst wurde. Weniger überraschend, aber umso erfreulicher, ist die Tatsache, dass die Messe bereits ein halbes Jahr vor Beginn nahezu ausgebucht war. Ein Grund dafür war sicherlich auch, dass sich die durchschnittliche Standfläche von 17 auf 18 m2 leicht erhöht hat. Für 2018 ist deshalb angekündigt, das Limit bei der Standgrösse von maximal 60 bis 70 m2 strenger einzuhalten. Zudem soll ein System der Vorreservierung die Frühbucher mehr belohnen als bisher.

Zur aktuellen Veranstaltung zeigen 434 Aussteller auf einer Nettofläche von 7700 m2 ihre Neuheiten und Produkte. 43 Prozent der Aussteller stammen aus der Deutschschweiz, 34 Prozent kommen aus der näheren Juraregion, 13 aus der übrigen Romandie und 10 Prozent aus dem Ausland. «Wir sind sehr stolz darauf, dass wir mit der Siams keinen ‹Röstigraben› schaffen, sondern eine Brücke zwischen den Sprachgemeinschaften der Schweiz. Wir öffnen die Romandie den Deutschschweizern und umgekehrt», zeigt sich Pierre-Yves Kohler mit dieser Verteilung mehr als einverstanden.

Doch werfen wir einen Blick auf die Neuheiten und Trends der diesjährigen Siams. Als Platzhirsch der Messe kann die Tornos SA gelten; sie findet quasi vor deren Haustüre statt. Der Drehmaschinenspezialist hat im letzten halben Jahr gleich zwei Neuheiten gebracht: Ende vorigen Jahres wurde mit dem Drehzentrum «Swiss DT 13» eine Einstiegsmaschine der neuen Generation vorgestellt. Sie soll die Vorläuferserie «Delta» ersetzen. Jetzt kommt mit der «Swiss DT 26» die grosse Schwester auf den Markt.

Nun hat Tornos zwei Maschinen im Angebot, die beide optisch und konzeptionell auf demselben Prinzip basieren; Kinematik und Abmessungen sind allerdings unterschiedlich. Philippe Charles, Produkt Manager für den Bereich Langdrehautomaten bei Tornos, klärt auf: «Uns schwebte eine Hochleistungsmaschine mit ausgezeichneten Leistungsmerkmalen zum Drehen von Stangen mit einem Durchmesser bis 25,4 Millimeter vor. Hierbei bestand die Herausforderung für die Entwicklungsingenieure darin, die hohen Erwartungen seitens der Kunden zu übertreffen und gleichzeitig eine Maschine zu entwickeln, die bei einem absolut wettbewerbsfähigen Preis deutlich besser ist als vergleichbare Maschinen der Konkurrenz.»

Die Erwartungen, die der Markt an eine 13-mm-Maschine und eine 25,4-mm-Maschine stellt, sind allerdings sehr unterschiedlich, wie Charles weiter ausführt: «Während Konkurrenzanbieter ihre 20-/26-mm-Maschinen von der konstruktiven Ausführung her sehr stark an Maschinen mit einem Stangendurchlass von 12 oder 16 mm anlehnen, verschafft die fein abgestimmte Kinematik der Swiss DT 26 Tornos einen echten Wettbewerbsvorteil in Sachen Leistung und Produktivität.»

Ebenfalls innovativ ist Tornos in Sachen «Industrie 4.0» unterwegs. Die neuen Maschinen wurden unter anderem so ausgelegt, dass sie sich mit Hilfe des «Tisis»-Softwarepakets problemlos in die vorhandene Werksumgebung einbinden lassen. Das zugehörige «Connectivity Pack», verfügt zudem über eine noch grössere Funktionsvielfalt. Beispielsweise beinhaltet es ein Modul zur Messung der Effizienz des Fertigungsprozesses mittels eingebauter Kameras.

Mit mindestens zwei Fräsmaschinen kommt die Fehlmann AG zur Messe. Gezeigt wird die «Picomax 56 L Top» nun auch mit Innenkühlung von 40 bar für den Einsatz von entsprechenden Werkzeugen und zum Tieflochbohren. Die Maschine für den manuellen und CNC-Einsatz soll in der L-Version noch flexibler und vielseitiger sein. Der auf 800 mm verlängerte X-Verfahrweg und die grosse Aufspannfläche von 1400 x 480 mm erlauben es, überlange Werkstücke ohne Umspannen in einem Schritt zu bearbeiten; inklusive Zeit- und damit Kostenersparnis. Selbst lange Lochreihen können mit der Top-Maschine bequem und effizient bearbeitet werden.

Ebenfalls im Messeportfolio befindet sich die handliche Präzisions-Koordinatenbohr- und Fräsmaschine «Picomax 20-M». Sie gilt als ideale Maschine für Ausbildungsabteilungen, Labors, Prototypenfertigung und den Werkzeugbau; also überall dort, wo es um die wirtschaftliche Herstellung von präzisen Einzelteilen und Kleinserien geht.

Die Neutec AG zeigt auf ihrem Stand das horizontale Bearbeitungszentrum «a 51 nx» von Makino. Die Maschine mit 400 x 400er Palette basiert auf der erfolgreichen «a51»-Serie. Der Anwender kann aus einem breiten Spektrum an Spindeln auswählen. Diese Auswahl erlaubt eine massgeschneiderte Lösung sowohl für die Grossserien- wie auch Kleinserienfertigung; egal, ob für Baumaschinen, die Luft- und Raumfahrtindustrie, die Prototypenfertigung oder den Werkzeug- und Formenbau.

Die Gusskonstruktion mit hoher Steifigkeit sowie Linearführungen mit Zylinderrollen in Schwerlastausführung versprechen gute Bedingungen für die Schwerzerspanung. Achsbeschleunigungen von 1 g, Werkzeugwechselzeiten von 0,9 s und ein optionaler Direktantrieb der B-Achse verweisen auf eine nebenzeitenreduzierte Bearbeitung. Die weiteren technischen Daten lauten: Eilgang von 60 m/min, Verfahrwege 560 x 640 x 640 mm (X x Y x Z) und 60 Werkzeugplätze. Eine einteilige Verfahrwegsabdeckung in der X- und Z-Achse sowie ein doppelt gelagerter Werkzeugwechselarm und die Makino-Spindeltechnologie bilden die weitere Grundlage für eine zuverlässige und präzise Bearbeitung.

Eine feste Grösse bei der Suvema AG sind seit jeher die Maschinen von Okuma. Der japanische Werkzeugmaschinenhersteller hat seine Produktpalette der vertikalen 5-Achs-Bearbeitungszentren seit der EMO in Mailand um zwei Maschinen erweitert: die «MU-4000V» und die «MU-8000V». Letztere steht für einen grossen Arbeitsbereich, hohe Verfahrgeschwindigkeiten und Zerspanungsleistungen bei der 5-Seiten- oder simultanen 5-Achsenbearbeitung. Optional erhältlich sind Features wie eine Hochgeschwindigkeitssteuerung oder eine Drehfunktion der C-Achse. Zielgruppe der Maschine sind Anwender aus dem Werkzeug- und Formenbau, der Automobilbranche oder dem Aerospacebereich.

Die MU-4000V baut kompakter und unterscheidet sich in der Konstruktion, ist aber ebenso ausgelegt für die hochgenaue Bearbeitung komplexer Werkstücke. Typische Einsatzgebiete finden sich beispielsweise in der Luft- und Raumfahrt-industrie oder Medizinaltechnik.

Die wirtschaftliche Bearbeitung moderner Faserverbundkunststoffe wie kohlefaser- oder glasfaserverstärkte Kunststoffe (CFK/GFK) hat Gühring im Blick. Bei diesen Anwendungen gilt es vor allem Delaminationen oder Faserüberstände am Bauteil sowie thermische Schäden zu vermeiden. Die angepasste Makro- und Mikrogeometrie des «FR 100»-Fräsers verspricht auch bei komplexen, mehrlagigen 3D-Gewebestrukturen das zuverlässige Trennen aller Faser-, Hilfsfaser- und Matrixanteile ohne Überstände und zwar unabhängig von der Faserausrichtung.

Aufgrund des schälenden Schnittes können besagte Delaminationen, Faserüberstände und thermische Schäden vermieden werden. Bearbeitungsergebnisse in CFK, GFK und Aramid zeigen dabei laut Gühring höchste Kantenqualität. Das reduziert die manuelle Nacharbeit und vereinfacht die Fertigbearbeitung von Composite-Bauteilen in der Serienproduktion.

Um die produktive und wirtschaftliche Gewindebearbeitung kümmert sich die Triag AG; speziell, wenn es um die Bearbeitung von rostfreien und warmfesten Stählen oder Titan- und Superlegierungen geht. Im Vergleich mit marktgängigen, auch mehrlagig beschichteten Drehplatten für Gewinde sollen die Gewindeschneidplatten «TMC» von Triag bis zu 30 Prozent längere Standzeiten erreichen.

Für diesen markanten Vorteil sorgen die speziellen Geometrien und die Hartmetallqualität TMC. Zur Prozesssicherheit trägt der ausgeprägte Spanbruch bei, sodass nur kurze, leicht fallende Späne entstehen. Laut Triag fertigt eine TMC-Platte mit 16 mm Kantenlänge ein ISO-Aussengewinde M 10 in rostfreiem Stahl (Werkstoff 1.4305) problemlos mit 70 m/min Schnittgeschwindigkeit. Je nach Stabilität der Maschine und Festigkeit des zu bearbeitenden Werkstoffs sollen sogar bis zu 140 m/min Schnittgeschwindigkeit möglich sein.

Prägetechnik verbessert die Produktivität

Auf dem Stand der Intool AG wird unter anderem das Spannen von Werkstücken mit vorgeprägten Grip-Strukturen thematisiert. Diese Vorprägetechnik der Lang Spanntechnik verhilft aufgrund der hohen übertragbaren Spannkräfte zu kürzeren Maschinenstillstandszeiten und verbesserter Produktivität. Das Anbringen der Prägung im Werkstück erfolgt unter hohem Druck in einer separaten, robusten Prägestation. Auf der Werkzeugmaschine können deshalb schlanke «Makro-Grip»-Spanner mit schmalen Haltebacken verwendet werden.

Das Werkstück wird im Spanner dank der Vorprägung über Formschluss mit wenig Spanndruck und daher ohne Verformung unverrückbar gespannt. Die Makro-Grip-Spanner bieten zudem eine gute Zugänglichkeit für die 5-Seiten-Bearbeitung, benötigen nur 3 mm Spanntiefe und erreichen laut Intool AG «die weltweit beste Haltekraft».

«Automatisierung der etwas anderen Art», könnte das Motto der MT Robot AG lauten. Basis ist das mobile Robotersystem «UniTR». Die Ver- und Entsorgung der Teile erfolgt durch diesen Transport-roboter. Während des normalen Produktionsbetriebes übernimmt er die Materialversorgung, die Anlieferung von Werkzeugen und die Verkettung der Produktionsstufen. Das Personal wird zwar weiterhin benötigt. Es kann sich allerdings auf qualitativ hochwertige und anspruchsvolle Tätigkeiten konzentrieren wie Arbeitsvorbereitung oder Qualitätssicherung.

Laut MT Robot ist eine nachhaltige Verbesserung der Produktivität und Kostensenkung die Folge. Zudem soll sich die Maschinennutzungsdauer verdoppeln oder gar verdreifachen lassen. Dieser Ansatz eignet sich besonders für die Fertigung von Kleinserien oder für die Produktion von Halbzeugen. Über die Auswertung der im Betrieb gesammelten Daten kann zudem ein nächster Schritt zur vernetzten Produktion und zu Industrie 4.0 getan werden.

Neues tut sich auch im Bereich der Luftfilteranlagen. Dieses Segment spielt beispielsweise bei der LNS Group, nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei Peripheriegeräten für die Werkzeugmaschinenindustrie, eine immer grössere Rolle. So konnte der Umsatz bei den «Fox»-Filteranlagen weltweit alle zwei Jahre verdoppelt werden. Die LNS-Ingenieure haben nicht umsonst verschiedene Fox-Luftfilteranlagen entwickelt, um auf unterschiedliche Anforderungen der Industrie zu reagieren und eine breite Palette an Verschmutzungsproblemen in den Produktionsstätten der Kunden zu beseitigen.

So lässt sich die kompakte Öl-nebelreinigerserie «Fox WS2» gut in die Werkzeugmaschine integrieren. Die Serie «Fox WM» dagegen ist für die Ölnebelbeseitigung bei mehreren Werkzeugmaschinen oder sehr grossen Maschinen mit grösseren Luftdurchsätzen konzipiert. Die fahrbare und kompakte Abblasfilterkabine «Fox SC 500» beseitigt Schadstoffe, die bei der Reinigung von öligen Teilen mit Druckluft entstehen.

Speziell in der Mikro- und Präzisionsbearbeitung spielt die Qualitätssicherung eine immer wichtigere Rolle. Auch deshalb hat die Vester Elektronik GmbH ihr Sortiment an hochauflösenden Infrarot-Rahmenlichtschranken erweitert. Die neue «PRX 15 mm»-Serie wurde speziell für die präzise Erkennung von Kleinteilen sowie für anspruchsvolle Zählaufgaben in der Stanz-, Umform- und Automationstechnik entwickelt. «Mit ihren zwei um 90 Grad versetzten Lichtbändern ist die neue PRX-Rahmenlichtschranke extrem hochauflösend und erkennt selbst kleinste Teile ab 0,9 Millimeter», erklärt Jürgen Bodamer, Vertriebsleiter bei Vester Elektronik.

Typische Einsätze für die Lichtschranke sind die Auswurfkontrolle und das Zählen von Kleinteilen an Stanzwerkzeugen, die führungslos ausgestossen und erkannt werden sollen. Ein weiterer Anwendungsfall ist die Überwachung von Stanzabfällen, die nach unten aus dem Werkzeug fallen. Die Trigger-Ausgangselektronik unterstützt eine dynamische als auch dynamisch-statische Arbeitsweise.


Fehlmann AG
www.fehlmann.com
Siams Halle 1.1 Stand D-28

Gühring (Schweiz) AG
www.guehring.ch
Siams Halle 1.2 Stand C-30

Lang Spanntechnik: Intool AG
www.intool.ch
Siams Halle 1.2 Stand B-5

LNS SA
www.lns-europe.com
Siams Halle 1.1 Stand A-6/B-5

Makino: Neutec AG
www.neutec-ag.ch
Siams Halle 1.2 Stand C-15

MT Robot AG
www.mt-robot.com
Siams Halle 1.1 Stand B-22

Okuma: Suvema AG
www.suvema.ch
Siams Halle 1.1 Stand A-14/B-15

Tornos SA
www.tornos.com
Siams Halle 1.1 Stand C-4/D-3

Triag AG
www.triag.ch
Siams Halle 1.0 Stand B-4

Vester Elektronik GmbH
www.vester.de
Siams Halle 1.2 Stand E-26/F-27



Der FR 100-Fräser ist prädestiniert für die wirtschaftliche Bearbeitung von CFK und GFK. (Bild: Gühring)


Das Drehzentrum «DT 13» ist die erste Maschine einer neuen Generation von Einstiegsmodellen; aktuell wird die «DT 26» präsentiert. (Bild: Tornos)


Beim horizontalen BAZ «a 51 nx» kann der Anwender aus einem breiten Spektrum an Spindeln auswählen. (Bild: Makino)


5-seitig und simultan 5-achsig: Die «MU-8000V»verfügt über einen grossen Arbeitsbereich, hohe Verfahrgeschwindigkeiten und Zerspanungsleistungen. (Bild: Okuma)


Das Vorprägen von Werkstücken ermöglicht trotz geringem Spanndruck hohe Haltekräfte. (Bild: Intool)


Speziell für die Erkennung von gestanzten Kleinteilen ab 0,9 mm wurde die PRX-Rahmenlichtschranke entwickelt. (Bild: Vester)


Der mobile Roboter (rechts im Bild) übernimmt die Materialversorgung, die Anlieferung von Werkzeugen oder die Verkettung der Produktionsstufen. (Bild: MT Robot)

Fact Sheet

Siams

  • Was: Messe für Produktionsmittel der Mikrotechnik
  • Wann: 19. bis 22. April 2016
  • Wo: Moutier
  • Kosten: CHF 15; kostenlos bei vorheriger Online-Registrierung

Orientierung:

  • Halle 1.0 (Zelt): Maschinen, Ausrüstung, Automatisierung, Montage
  • Halle 1.1: Maschinen, Ausrüstung, Automatisierung, Montage
  • Halle 1.2: Präzisionswerkzeuge, Rohstoffe, Kunststoffverarbeitung, Organisationen
  • Halle 2.1: Automatisierung, Dienstleistungen
  • Halle 2.2: Maschinen, Ausrüstungen, Rohstoffe

Weitere Informationen unter:

www.siams.ch