Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 04/2016, 14.04.2016

Wenn schon sicher, dann richtig

Die seit rund einem Jahr gültige ISO 14119 rückt unter anderem die Manipulationssicherheit von Schutzeinrichtungen in den Mittelpunkt. Gerade Schutztüren von Maschinen und Anlagen werden oft missbräuchlich genutzt. Die «Technische Rundschau» hat sich bei der Schmersal Schweiz AG erkundigt, wie die neue Norm darauf reagiert.

(pi) Mit dem Inkrafttreten der ISO 14119 hat die Thematik von kodierten Sicherheitsschaltgeräten zur Überwachung von Schutztüren an Bedeutung gewonnen. Eine Entwicklung, die laut Frank Schmidt, Leiter Normen-, Gremien- und Verbandsarbeit, K.A. Schmersal GmbH, aus Sicht der Maschinensicherheit nur zu begrüssen ist: «Denn mehrere Untersuchungen haben nachgewiesen, dass es in der industriellen Praxis häufig zu Manipulationen an den Schutzeinrichtungen von Maschinen und Anlagen kommt. Diese Manipulationen stellen oft ein Risiko für das Arbeitspersonal dar, und sie konterkarieren die eigentlichen Ziele der Maschinensicherheit.»

Die ISO 14119 («Sicherheit von Maschinen – Verriegelungseinrichtungen in Verbindung mit trennenden Schutzeinrichtungen – Leitsätze für Gestaltung und Auswahl»; Ende der Übergangsfrist am 30.4.2015) trägt dieser Tatsache Rechnung, indem sie die Manipulationssicherheit besonders berücksichtigt und als Auswahlkriterium einführt. «Die neue Norm», bemerkt Frank Schmidt, «unterstützt den Konstrukteur auch bei der Ermittlung von Manipulationsanreizen. Sie enthält eine Matrix, in der die einzelnen Aufgaben des Bedieners an der Maschine wie Testlauf, Rüsten oder manueller Werkstückwechsel sowie die möglichen Motivationen für Manipulation, also kleinerer Arbeitsweg oder Vermeidung von Unterbrechungen, aufgeführt sind.»

Ebenfalls neu ist die Klassifizierung der Sicherheitsschalter, -sensoren und -zuhaltungen in vier verschiedene Bauarten: unkodierte und kodierte elektromechanische Geräte (Bauart 1 und 2) sowie elektronische und mechatronische Geräte (Bauart 3 und 4). Bei den kodierten Geräten (benötigen einen Betätiger) wird jeweils zwischen drei Kodierungsstufen unterschieden: gering (1 bis 9 Kodierungsmöglichkeiten), mittel (10 bis 1000) und hoch (über 1000). Bei einem hochkodierten System ist weniger Aufwand notwendig, um es gegen Einflüsse von Aussen zu schützen. «Das soll dem Konstrukteur die Auswahl der Sicherheitsschaltgeräte vor dem Hintergrund der Bewertung von Manipulationsanreizen erleichtern» sagt folgerichtig Normungsexperte Schmidt.

Die Regelungen der ISO 14119 – die sich als sogenannte «Herstellernorm» (Typ B2-Norm) an den Konstrukteur der Maschine oder Anlage richten – spiegeln sich wider in der ebenfalls neuen deutschen Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV; in Kraft seit 1.6.2015). Denn, so heisst es in § 6: «Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass (…) Schutzeinrichtungen nicht manipuliert oder umgangen werden können.» Für Frank Schmidt eine klare Ansage: «Somit stehen nun sowohl die Konstrukteure als auch die Betreiber von Maschinen stärker in der Pflicht, den Manipulationsschutz zu berücksichtigen.

Bei den Sicherheitsschaltgeräten bietet Schmersal eine breite Auswahl; beispielsweise die eigenentwickelte Sicherheitssensorik auf RFID-Basis. Sie kommt unter anderem bei den Sicherheitssensoren der Baureihen «RSS 16», «RSS 36», «RSS 260» sowie bei den Sicherheitszuhaltungen «AZM 300» und «AZM 400» zum Einsatz und erlaubt eine individuelle Kodierung der Betätiger.

«In der Grundversion dieser Gerätebaureihen akzeptiert der Sensor jedes geeignete Target der RSS-Familie», weiss Frank Schmidt. «Eine zweite Ausführung für verschärften Manipulationsschutz reagiert nur auf ein individuell zugeordnetes Target. Der Anlernvorgang lässt sich beliebig oft wiederholen. Schliesslich ist noch eine dritte Variante für höchsten Manipulationsschutz lieferbar, die nur dasjenige Target akzeptiert, das beim erstmaligen Einschalten eingelernt wurde. Hier ist die Zuordnung von Sensor und Target also irreversibel.»

Darüber hinaus hat Schmersal zur letztjährigen «SPS/IPC/Drives» neue kodierte Varianten der elektromechanischen Sicherheitsschalter und –zuhaltungen («AZ 16», «AZM 160» und «AZM 170») vorgestellt. Frank Schmidt: «Nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip gibt es innerhalb dieser Baureihen mehr als 1000 verschiedene Betätiger, sodass sie die in der ISO 14119 beschriebene Kodierungsstufe ‹hoch kodiert› erreichen.»

Unabhängig von der Auswahl des Sicherheitsschaltgerätes setzt die ISO 14119, so Schmidt weiter, Schwerpunkte, die den Konstrukteur bei der Konfiguration einer sowohl normenkonformen als auch manipulationssicheren Schutzeinrichtung unterstützen: «Dabei gilt nach wie vor das Grundprinzip: Die beste – und manipulationssicherste – Schutzeinrichtung ist diejenige, die den Bediener nicht bei seinen Tätigkeiten an der Maschine beeinträchtigt, die ihm also gar keinen Anreiz zur Manipulation bietet.»

Am Rande bemerkt

http://goo.gl/oF6ozV


Schmersal Schweiz AG
8905 Arni, Tel. 043 311 22 33
info-ch@schmersal.com,
www.schmersal.ch

Die ISO 14119 unterscheidet vier verschiedene Bauarten von Verriegelungs-einrichtungen; für die Bauarten 2 und 4 wurden jeweils drei Kodierungsstufen definiert. (Bilder: Schmersal)


ISO 14119: Alles auf einen Blick

Die Schmersal-Gruppe hat die wesentlichen Neuerungen, die sich aufgrund der ISO 14119 ergeben, in einer 24-seitigen Broschüre zusammengefasst. Als weiteres Hilfsmittel ist der Broschüre ein Poster mitgegeben, das die normenkonforme Abfolge bei der Konfiguration von Schutzeinrichtungen und der Auswahl von Sicherheitsschaltgeräten anschaulich darstellt. Die kostenlose Broschüre kann bei Schmersal angefordert oder direkt heruntergeladen werden unter: