Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 05/2016, 12.05.2016

Datenaustausch einfacher und schneller

Mit der Veröffentlichung einer Webseite zum GTC-Datenaustauschformat eröffnet die Interstaatliche Hochschule für Technik Buchs (NTB) der Durchgängigkeit von Werkzeugdaten neue Möglichkeiten. Sie sollen nun einfacher und präziser genutzt werden können – auch im Sinne von «Industrie 4.0».

Autor: Wolfgang Pittrich

(pi) Das Institut für Ingenieurinformatik (INF) der Interstaatlichen Hochschule für Technik NTB, Buchs, hat mit «www.gtc-tools.com» eine neue Webseite veröffentlicht, die Informationen zum Generic-Tool-Catalog (GTC)-Datenaustauschformat bereitstellt. Das Format wurde vom Softwareanbieter Siemens PLM Software und den Werkzeugherstellern Sandvik Coromant, Iscar und Kennametal entwickelt.

Mit dem GTC-Format, das das Werkzeugdatenformat ISO 13399 erweitert, erhalten beteiligte Werkzeughersteller und Anwendungsentwickler die Möglichkeit, Werkzeugdaten noch einfacher und präziser zu teilen und zu nutzen. GTC ermöglicht den direkten Austausch zwischen Werkzeughersteller und Anwender, sprich: ohne dazwischengeschaltetes Unternehmen. Derzeit werden schon bei führenden Fertigungsunternehmen Werkzeugkataloge im GTC-Format eingesetzt.

Der Zugriff auf vollständige, zuverlässige und umfassende Werkzeugdaten war für Nutzer von CAM- und PLM-Software lange Zeit ein Problem. Erst durch die ISO-Norm 13399 wurde eine einheitliche Sprache für industrielle Produktdaten festgelegt. Darüber hinaus gab es einen Bedarf nach weiteren Informationen, etwa nach Werkzeugklassifizierung und Bildern. Diese Informationen können nun mit dem GTC-Format bereitgestellt werden.

Die von Siemens PLM entwickelte Manufacturing Resource Library (MRL) kann Kataloge im GTC-Format importieren. Dies ermöglicht die Nutzung von Werkzeugdaten und 3D-Modellen zur Erstellung von Werkzeugen, die zur Dokumentation direkt in der Siemens «NXTM»-Software oder zur Erstellung und Simulation von Werkzeugwegen in «NX»-CAM verwendet werden können.

«Die neue Webseite stellt Informationen über GTC einfach und für jeden zur Verfügung», erläutert Marcel Keinan, Director of Product Management bei Siemens PLM Software. «Wir haben uns vollständig auf GTC festgelegt. Es bestimmt ein Standardformat für Anwendungsentwickler und vermeidet so die Erstellung von Schnittstellen für die verschiedenen Werkzeughersteller und Anwendungen.»

Sandvik Coromant ist einer der Begründer der ISO 13399 und bietet Werkzeugkataloge im GTC-Standardformat. Auch «Adveon», eine von Sandvik Coromant entwickelte Werkzeugbibliothek, unterstützt GTC. «Dieser Standard ist ein wichtiger Schritt für die Kommunikation, die in der gegenwärtigen und der zukünftigen digitalen Fertigungsumgebung im Sinne von Industrie 4.0 benötigt wird», erklärt Per Nilsson, Senior Manager Intelligent and Digital Machining bei Sandvik Coromant.

Auch Kennametal ist überzeugt, dass Kunden in der von ihnen genutzten Software Zugang zu den Werkzeugdaten haben sollten. Deshalb stellt das Unternehmen, um im Konstruktions- und Fertigungsprozess auf wichtige Werkzeuginformationen zugreifen zu können, Produktkataloge im GTC-Format bereit. Kennametal setzt für seine Werkzeugberater sowie Managementanwendungen auf «Novo», das die Erstellung von GTC-Katalogen und deren Import in die SiemensSoftware unterstützt.

Institut für Ingenieurinformatik,
Interstaatliche Hochschule für Technik Buchs NTB
9013 St. Gallen, Tel. 081 755 33 11
office@ntb.ch, http://institute.ntb.ch/inf.html,
www.gtc-tools.com


Sandvik AG, Coromant
6002 Luzern, Tel. 041 368 34 34
coromant.luzern@sandvik.com



NTB, Siemens, Sandvik Coromant, Iscar und Kennametal machen über das GTC-Datenaustauschformat Werkzeugdaten allgemein nutzbar. (Bild: Sandvik Coromant)


Norbert Frei, Institutsleiter für Ingenieurinformatik, NTB: «Jetzt besteht die Hoffnung, dass der Datentransfer wesentlich vereinfacht wird.»


GTC komplettiert die ISO 13399; beispielsweise, wenn es um Werkzeugsysteme geht. (Bild: NTB)

Fünf Fragen an Norbert Frei, Institut für Ingenieurinformatik, NTB

Fünf Fragen an Norbert Frei, Institut für Ingenieurinformatik, NTB «GTC ist wichtig, auch für Industrie 4.0»

Herr Frei, warum engagiert sich Ihr Institut für das GTC-Datenaustauschformat?

Im Prinzip geht es darum, Werkzeug-informationen der verschiedenen Hersteller standardmässig austauschen zu können. Dazu existiert bereits die DIN-Norm 4000. Die Norm ISO 13399 ist schon länger in Arbeit und wurde unter anderem von Sandvik Coromant angestossen. Das GTC-Datenaustauschformat, dem wir eine eigene Homepage widmen, ergänzt nun diese ISO-Norm um gewisse Aspekte.

Welche sind das?

Einerseits ermöglicht GTC den Aufbau einer Hierarchie von Werkzeugen. Anderseits wird innerhalb der GTC-Spezifikation genau definiert, wie ein solches GTC-Paket – bestehend aus definierten Dokumenten – strukturiert sein muss. Der Werkzeughersteller stellt dieses Paket zur Verfügung, und jedes System, welches das GTC-Format versteht, kann nun darauf zugreifen. Die GTC-Spezifikation und GTC-Paketbeispiele können über unsere Homepage heruntergeladen werden.

Wie kommt hier eigentlich Ihr Institut ins Spiel?

Wir arbeiten auf diesem Gebiet schon lange mit Werkzeugherstellern zusammen.

Welche Vorteile hat der Anwender vom Einsatz des GTC-Formats?

Er kann nun Werkzeugdaten automatisiert direkt in sein Datenverarbeitungssystem oder NC-Programm übernehmen. Bisher sind es drei Werkzeughersteller und Siemens PLM als Softwareanbieter, die mit dem GTC-Format arbeiten. Daten dieser Anbieter können problemlos untereinander ausgetauscht werden. Jetzt besteht eben die Hoffnung, dass durch die Standardisierung andere Werkzeughersteller auf diesen Zug aufspringen, und der Datentransfer dadurch wesentlich vereinfacht wird.

Wie wichtig schätzen Sie die daraus resultierende Offenheit und Durchgängigkeit ein?

Ich beurteile diese gesamte Bewegung als sehr wichtig – speziell in Bezug auf Industrie 4.0. Wenn heute auf Basis von GTC-Format und ISO-Standardisierung eine Werkzeugmaschine automatisiert ein Schwesterwerkzeug suchen kann, ist das wesentlich einfacher und schneller als mit den bisherigen Möglichkeiten der manuellen Eingabe.