Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 05/2016, 13.05.2016

Die Revolution im 3D-Kunststoffdruck?

Auf der Hannover Messe präsentierte Stratasys, einer der führenden Hersteller von 3D-Druckern für Kunststoffe, das neue Druckermodell «J 750». Es soll nichts weniger als den 3D-Kunststoffdruck revolutionieren.

(msc) Beim 3D-Drucker «J 750» spricht Stratasys von einem «Quantensprung für den Realismus» bei 3D-gedruckten Prototypen, da es der erste Printer ist, der echten Vierfarbendruck erstellen kann. Dazu passt, dass man im letzten Herbst eine Partnerschaft mit Adobe geschlossen hat. Mit dem J 750 will der Hersteller «das Prototyping und die additive Fertigung neu erfinden» – immer bezogen auf Kunststoffmaterialien.

Möglich macht den Vierfarbendruck die «PolyJet»-Technologie im neu entwickelten Sechsfach-Druckkopf. Er kommt in einem Druckvorgang mit bis zu sechs unterschiedliche Materialien klar und kann alle Primärfarben des CMYK-Farbsystems plus Weiss parallel verarbeiten, was ein Spektrum von 360 000 Farbtönen ergibt. Mit der zusätzlichen Farbtexturfunktion lassen sich 3D-gedruckte Teile mit realen Mustern modellieren, beispielsweise mit Holzmaserungen. Ausserdem können kontinuierliche Übergänge zwischen verschiedenen Farben realisiert werden.

Im selben Druckvorgang können diese Stilelemente dank den sechs verschiedenen zur Verfügung stehenden Grundharzen gleichzeitig mit variierenden Materialeigenschaften gepaart werden. Vierfarb-Modelle und solche mit Farbtexturen lassen sich mit undurchsichtigen beziehungsweise transparenten festen Materialien fertigen. Eine weitere Alternative ist die Kombination von Vierfarbendruck mit flexiblen Materialien. Diese verschiedenen Funktionalitäten erlauben es, die Bauplattform in dem 490 × 390 × 200 mm messenden Bauraum mit mehreren Teilen zu bestücken, die sich in Farbtexturen, Flexibilität und Transparenz unterscheiden.

Beispielsweise ist es so möglich, auf Basis von CT- oder MRT-Scans medizinische Modelle mit verschiedenen, innenliegenden anatomischen Strukturen wie Knochen oder Gefässen aus verschiedenen Farben und mit definierten Gradienten zu produzieren. Je nach Wahl des Gradienten weisen solche Modelle unterschiedliche Shore-A-Härten auf und sollen sich «echt» anfühlen; eine wichtige Hilfestellung für Chirurgen in der OP-Vorbereitung.

Auch beim Oberflächenfinish soll der J 750, der minimale Schichtstärken von 14 μm im High-Quality-Druckmodus erreicht, neue Bestmarken bei Kunststoff setzen. Drei Modi stehen zur Wahl: hohe Geschwindigkeit, hohe Mischleistung und hohe Qualität. So druckt der Hochgeschwindigkeitsmodus beim Einsatz von drei Materialien doppelt so schnell wie die «Connex3»-Drucker, die bisherigen Spitzenprodukte von Stratasys für Multimaterialdruck.


Stratasys: Alphacam Swiss GmbH
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Das neue Top-Gerät von Stratasys, der J 750, mit Zuführstation. (Bilder: Stratasys)


Ganze individuelle Organe oder Körperteile mit allen innenliegenden Strukturen und mit «lebensechter» Haptik soll der J 750 in einem Baujob drucken können.