Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 05/2016, 13.05.2016

Miete statt Kauf

Deutsche Forscher wollen 3D-Drucker für kleine Unternehmen bezahlbar machen, indem sie Betreibermodelle entwickeln, um die teuren Geräte mieten zu können.

(msc) Die Möglichkeit, werkzeuglos individualisierte Einzelstücke herstellen zu können, macht 3D-Drucker prinzipiell für KMU interessant, die regelmässig minimalen Losgrössen produzieren. Einem solchen Geschäftsmodell stehen allerdings die hohen Geräteinvestitionen entgegen, will man Werkstücke in einer gewissen Qualität produzieren. Denn je nach Anspruch an die mechanischen Eigenschaften und Genauigkeit des Bauteils, liegen die Anschaffungskosten eines professionellen 3D-Druckers im fünf- bis siebenstelligen Frankenbereich.

Eine Lösung könnten nach Ansicht von Wissenschaftlern Betreibermodelle bieten, bei denen KMU 3D-Drucker nicht kaufen, sondern mieten. Genau so, wie es bei Papierdruckern schon längst üblich ist. Solche Modelle sollen helfen, 3D-Drucker massentauglich zu machen. Welche Betreibermodelle am besten funktionieren, erforscht das Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) gemeinsam mit dem Stuttgarter International Performance Research Institute (IPRI) im Projekt «Betreiber3D». Das Forschungsvorhaben startete im letzten Herbst und läuft bis Anfang 2017.

Zunächst wollen die Forscher diverse Betreibermodelle analysieren und bewerten, denn die Lösung der Aufgabe ist, so trivial sie auch tönt, komplex. Denkbar ist eine Monatsmiete für das Gerät oder eine Gebühr für jedes gedruckte Teil. Während sich der erste Ansatz jedoch nur für Unternehmen lohnt, die den 3D-Drucker häufig einsetzen, ist letzterer ein Risiko für die Anbieter, die kein Geld verdienen, wenn der Drucker ungenutzt beim Kunden steht. Weil ein Betreibermodell auf Dauer nur funktioniert, wenn es sich für beide Seiten lohnt, berücksichtigen die Forscher bei ihrer Analyse sowohl die Sicht der Nutzer als auch der Anbieter.

Die Forschungsergebnisse sollen anschliessend in einem Softwaredemonstrator umgesetzt werden. Falls es gelingen sollte, ein erfolgreiches Modell zu entwickeln, könnte dies in Zukunft auch für Start-Ups oder für expandierende KMU Chancen kreieren.


IPH – Institut für Integrierte Produktion Hannover GmbH
DE-30419 Hannover
Tel. +49 511 27976-116
reichert@iph-hannover.de

Mieten statt kaufen: Noch stehen 3D-Kleindrucker im Fokus der Studie; ein erfolgreiches Modell liesse sich aber auch auf professionelle Printer ausdehnen. (Bild: RapidTech)