Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 06/2016, 10.06.2016

Auftakt nach Mass

Könnte man die Messe «Siams» (19.4. bis 22.4.) in Moutier als Indikator für den Konjunkturverlauf der MEM-Industrie in diesem Jahr nehmen, würde er sehr erfolgreich werden. Denn: Es war ein Auftakt nach Mass für das Messejahr 2016, mit vollen Gängen und zufriedenen Gesichtern. Die «Technische Rundschau» war ebenfalls vor Ort und wirft einen Blick zurück auf Neuheiten und Trends.

(pi) Die Messe in Moutier macht es einem nicht leicht. Die Anreise ist, selbst für den ausstellungserfahrenen Journalisten, durchaus herausfordernd; abenteuerlicher Blick von der zum Parkplatz umfunktionierten und immer noch im Bau befindlichen Autobahnbrücke inklusive. Hat man es dann doch in die Messehallen geschafft, muss man vor dem Improvisationsgeschick des Messeveranstalters den Hut ziehen: So viele Aussteller in die verschachtelten Hallen und Zelte unterzubringen, dazu gehört wahrlich Geschick.

Und wenn so eine Veranstaltung dann noch erfolgreich ist, heisst sie Siams. So kamen in diesem Jahr rund 17 000 Besucher nach Moutier, die sich aus erster Hand an den 437 aufgebauten Ständen über Neuheiten und Trends rund um die Mikrotechnik und Präzisionsbearbeitung informieren wollten. Wie zufrieden die Aussteller waren, kann man den Worten von Laurence Gygax entnehmen, Account-Managerin des Messeveranstalters Faji SA: «Wir haben eine Menge Feedback von unseren Ausstellern erhalten, die bereits jetzt eine Fläche für die nächste Veranstaltung reservieren wollen.» Und die findet wohlgemerkt erst wieder 2018 statt.

Doch kommen wir zu den Exponaten. Platzhirsch der Siams ist die Tornos SA, genau gegenüber dem Messegelände beheimatet. Der Drehmaschinenspezialist kam mit fünf neuen Maschinen zur Messe; unter anderem mit dem Drehautomat «Swiss GT 26 B». Vor allem das innovative B-Achsen-Konzept lockte die Besucher an die Maschine. Über eine Art Schwenkarm, auf dem 2 x 4 feststehende Frontwerkzeuge sitzen, kann fast jede beliebige Winkelposition von 0 bis über 90° angefahren werden. Die symmetrische Konstruktion der B-Achse erlaubt zudem den Einsatz der Werkzeuge für die Gegenbearbeitung.

Neben den festen Frontwerkzeugen können ausserdem eine HF-Spindel, eine vierte rotierende Bohrstation oder ein Gewindewirbelkopf in die B-Achse integriert werden. In Summe stehen auf der GT 26 B bis zu 40 Werkzeuge, davon 14 angetrieben, zur Verfügung, um auch hochkomplexe Werkstücke wirtschaftlich zu bearbeiten. Um die Maschine programmiertechnisch in den Griff zu bekommen, bietet Tornos mit der Programmier- und Kommunikationssoftware «Tisis» das dafür notwendige Tool.

Mit einer Premiere kam die Suvema AG auf die Siams. Erstmals wurde das ultrakompakte CNC-Fräszentrum «PM 150» des japanischen Werkzeugmaschinenherstellers Hasegawa gezeigt. Die Maschine mit einem Footprint von 600 x 1750 x 1800 mm (B x L x H) stiess rein schon aufgrund dieser Abmessungen auf grosses Besucherinteresse. Auch die weiteren Maschinendaten wie 30 000 min-1 Drehzahl, 1,9 s Span-zu-Span-Zeit und ein Eilgang von 30 m/min verweisen auf eine wettbewerbsfähige Alternative. Allerdings sollten die zu bearbeitenden Werkstücke nicht allzu gross sein, wie der X-Y-Z-Weg von 150 x 225 x 200 mm und die Tischfläche von 300 x 260 mm verdeutlichen.

Neu im Portfolio der Josef Binkert AG sind Maschinen des baskischen Herstellers CMZ. Er produziert laut Michel Leu, Verkaufsleiter bei Binkert, «Kurzdrehmaschinen mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis». Das in Spanien – und auch Frankreich – zu den führenden Drehmaschinenanbietern zählende Unternehmen, dürfte sicherlich eine interessante Perspektive für Binkert sein, nachdem der Vertrag mit Mori Seiki bis Herbst 2016 auslaufen soll.

Gezeigt wurde mit der «TX 66» eine 8-Achsendrehmaschine mit Haupt- und Gegenspindel sowie zwei Revolvern, die jeweils bis zu 12 Werkzeuge, auch angetrieben, aufnehmen können. Die Hauptspindel dreht bei 11/15 kW Leistung bis zu 4000 min-1 und verfügt über 100/136 Nm Drehmoment. Der Gegenspindelantrieb leistet 5,5/7,5 kW und bietet 5000 min-1 Drehzahl sowie 50/68 Nm Drehmoment. Der Stangendurchlass beträgt bei der Hauptspindel 66 und bei der Gegenspindel 52 mm.

Die etwas andere Werkzeugmaschinensteuerung war auf dem Stand der Wenk AG zu sehen. Mit der «Mazatrol Smoothx» zeigte Yamazaki Mazak, wie man sich die Steuerungsgeneration der Zukunft vorstellt: unter anderem sehr bunt. Dabei erfolgt die Bedienung der Steuerung ähnlich intuitiv wie bei Smartphones oder Tablets.

Neben diesen Äusserlichkeiten verspricht Mazak mit der Einführung der zugrundeliegenden «Smooth Technology» in Hinblick auf Maschinensteuerung und -leistung «einen wahren Quantensprung». Beispielsweise soll sich der Bedienaufwand bei der Eingabe eines Programms über Dialogprogrammierung gegenüber der Vorgängersteuerung um 38 Prozent reduzieren. Zudem lassen sich die Werkzeugmaschinen über die neue Steuerung einfacher in Fertigungsnetzwerke integrieren; Industrie 4.0 lässt grüssen.

Mehr dem Hier und Heute verhaftet waren die Exponate der Präzisionswerkzeughersteller. So zeigte Gühring unter anderem eine neue Generation von Wendeschneidplattenbohrern: Der «HT 800» besteht aus einem verschleissfesten Stahlkörper, der wechselbaren Schneide und einer Feststellschraube mit Klemmprinzip. Dank Zapfen und Passbohrung hat die Wechselplatte wenig Spiel und sitzt fest im Träger. Durch diese neuartige Klemmung soll sich eine hohe Prozesssicherheit für Bohrungen bis 10 x D erzielen lassen. In Summe, so Gühring, bearbeitet das WSP-Werkzeug Bohrungen in der Qualität eines Vollhartmetallbohrers.

Was liegt also näher, eine Version ganz gezielt für die oft instabilen Aufspannverhältnisse beim Bearbeiten von Stahlträgern zu konzipieren: Das modulare Werkzeugsystem «HT 800 WP» punktet dabei durch gute Zentriereigenschaften sowie ruhiges Bohrverhalten und kompensiert dadurch die kritischen Bearbeitungsverhältnisse bei der Stahlträgerfertigung. Zudem verspricht der hohe Spitzenwinkel im äusseren Bereich der Wendeschneidplatten eine minimierte Gratbildung. Weiterer Vorteil: Das modulare System ermöglicht den einfachen Plattenwechsel direkt in der Maschine.

Ein bisschen gegen den Strom schwamm die Triag AG, die mit der Sorte «AC8025P» von Sumitomo eine Schneidplatte zeigte, die nicht auf höchste Schnittgeschwindigkeiten und extremste Vorschübe ausgelegt, sondern für den alltäglichen Gebrauch bei unteren und mittleren Schnittparametern gedacht ist.

Sie verspricht in diesem Bereich verbesserte Schneideigenschaften und deutlich längere Standzeiten bei der Stahlbearbeitung. Der Grund für diese Entwicklung: In den meisten kleinen und mittleren Betrieben wird auf Maschinen gearbeitet, die oftmals die Leistungsdaten für den erfolgreichen Einsatz neuer Hochleistungsschneidstoffe gar nicht erreichen. Hier findet die neue Sorte ihren Platz, vor allem im Schruppen und Volumenzerspanen, aber auch zum einfachen Schlichten an wechselnden Werkstücken bis hin zum leicht unterbrochenen Schnitt.

Dem Thema Materialeinsparung hatte sich Sandvik Coromant gewidmet. So zeigte man für die «CoroCut QD»-Werkzeuge extra schmale Schneidplatten, um den Materialverbrauch bei teuren Werkstoffen reduzieren und gleichzeitig die Produktionseffizienz optimieren zu können. Die Werkzeuge mit innerer Kühlschmierstoffzufuhr sind in Breiten von 1,0 mm, 1,2 mm und 1,5 mm verfügbar.

Eine dünnere Klinge verringert nicht nur die Menge der im Abfall landenden Späne, sondern ermöglicht die Fertigung von mehr Teilen pro Stange, wenn die Zuführung mithilfe eines Stangenladers erfolgt. Diese Materialeinsparungen sind besonders dann von Bedeutung, wenn grosse Volumina teurer Werkstoffe, wie etwa die warmfesten Superlegierungen Inconel, Titan oder Kobalt-Chrom, zerspant werden.

Für eine hochpräzise Bearbeitung sind neben den Maschinen und Werkzeugen auch die richtigen Spannmittel ausschlaggebend. Die Intool AG hat auf ihrem Stand mit dem 4-Backenfutter «InoFlex» von HWR ein Spannsystem vorgestellt, um auf kombinierten Dreh- und Fräsmaschinen sowohl runde als auch rechteckige und geometrisch unförmige Teile bearbeiten zu können. Bislang arbeiten viele Betriebe mit einem starren, zentrisch spannenden 3-Backen-Futter zum Spannen runder Teile und mit Spannstöcken (zwei Backen) für rechteckige und geometrisch unregelmässige Teile.

HWR bringt nun mit dem zentrisch spannenden und ausgleichenden 4-Backenfutter InoFlex ein Spannmittel in den Markt, das multifunktionell in einem Durchmesserbereich von 160 bis 1200 mm eingesetzt werden kann. In diesem Spannbereich vereint das Futter die Vorteile und Funktionen vom 2-, 3- und 4-Backenfutter sowie Schraubstock und vermeidet durch einen patentierten Ausgleich Nachteile wie beispielsweise die Überbestimmung der Spannpunkte.

CMZ: Josef Binkert AG www.binkertag.ch
Gühring (Schweiz) AG www.guehring.ch
Hasegawa: Suvema AG www.suvema.ch
HWR: Intool AG www.intool.ch
Mazak: Wenk AG www.wenk-ag.ch
Sandvik AG www.sandvik.ch
Sumitomo: Triag AG www.triag.ch
Tornos SA www.tornos.com



Mit der B-Achse (rechts im Bild) kann der Drehautomat Swiss GT26B auch hochkomplexe Teile wirtschaftlich bearbeiten. (Bild: Tornos)


Neu im Programm der Binkert AG sind Maschinen des Drehmaschinen- hersteller CMZ, der zu den führenden Anbietern in Spanien zählt. (Bild: CMZ)


Speziell für kritische Bearbeitungsverhältnisse im Stahlbau ist der WSP-Bohrer HT 800 WP konzipiert. (Bild: Gühring)


Multifunktionell: Das 4-Backenfutter InoFlex kann sowohl runde als auch rechteckige und geometrisch unförmige Teile aufnehmen. (Bild: HWR)