Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 06/2016, 10.06.2016

Industrie 4.0 zum Nachrüsten

Mit neuen Sensortags für Niederspannungsmotoren will ABB einen Quantensprung bei der Zustandsanalyse von Millionen von Elektromotoren einleiten. Die smarten Sensoren sollen neue Geschäftsmodelle für deren Wartung ermöglichen. Die Antriebe teilen dabei selbst mit, wann eine solche fällig ist, und sollen dem Anlagenbetreiber so die detaillierte, umfassende und kostengünstige Analyse ermöglichen.

(msc) Bislang ist es laut ABB vergleichsweise aufwändig und teuer, Niederspannungsmotoren zu überwachen und damit auch, sie vorausschauend zu warten. Eine schlechte Auslastung von Motoren führt aber zu höherem Energieverbrauch und bei Störungen zu teuren Ausfällen.

Mit dem neuen intelligenten Sensor des Anbieters sollen Anlagenbetreiber künftig den Zustand ihrer Motoren über ein Smartphone oder einen PC jederzeit leicht überprüfen können. Mit sofort verfügbaren, exakten Informationen über den Zustand des Motors können sie die Wartung auf Basis des tatsächlichen Bedarfs planen und sind nicht mehr auf Zeitintervalle oder Betriebsstunden als relativ ungenaue Indikatoren angewiesen.

Das Sensortag, das mit einer drahtlosen Kommunikationsschnittstelle ausgerüstet ist, kann bereits ab Werk am Motor angebracht werden. Man kann das Tag aber auch an bereits montierten Motoren nachrüsten, was insbesondere für KMU, die sich in Richtung Industrie 4.0 entwickeln wollen, eine interessante und laut Anbieter kostengünstige Variante darstellt.

Das System liefert Informationen zu Betriebsparametern wie Vibrationen, Temperatur, Überlastung und Kühlung, aber auch zu Abweichungen im Luftspalt, was Rückschlüsse auf den Zustand des Rotors und der Lager zulässt. Zudem ermittelt es den Energieverbrauch mit einer Genauigkeit von +/- 10 Prozent.

Die Sensortags senden diese Daten drahtlos mit Hilfe von Standardprotokollen an gesicherte, Cloud-basierte Server von ABB. Eine spezielle Software analysiert die Daten und überträgt sie in verwertbare Informationen. Die Messdaten werden zur Trendanalyse zeitlich protokolliert. Aus ihnen entstehen Empfehlungen zur Betriebsoptimierung, etwa zum Erstellen effizienterer Lastprofile und zur Wartung.

Die Informationen über den Motorzustand werden dann beispielsweise an ein Smartphone oder ein internetbasiertes Kundenportal gesendet. Tritt ein Problem auf, sendet das System eine Warnmeldung an den Bediener.

Laut Hersteller sollen mit diesem Sensorsystem ausserplanmässige Stillstände bis zu 70 Prozent reduziert, die Motorlebensdauer um bis zu 30 Prozent verlängert und gleichzeitig der Energieverbrauch um bis zu 10 Prozent gesenkt werden.

ABB Schweiz AG Industrieautomation
5400 Baden, Tel. 058 586 00 00
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Sensortags von ABB machen Niederspannungsmotoren «durchsichtig»; sie steigern damit deren Energieeffizienz und Betriebsbereitschaft. (Bild: ABB)