Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 06/2016, 10.06.2016

Seefahrt geht elektrisch auf Kurs

Ab Mitte 2017 soll Finnlands erste Elektrofähre in Betrieb gehen – ein neuer Meilenstein in der ökologischen Schifffahrt. Siemens liefert das komplette integrierte Elektro- und Steuerungssystem für den Antrieb der Fähre. Dabei baute man auf Erfahrungen auf, die man seit 2015 mit der «Ampere», der allerersten Fähre mit E-Antrieb, in Norwegen gemacht hat.

(msc) Die finnische Schifffahrtsgesellschaft «FinFerries» hat den Fähren-Neubau bei der polnischen Werft Crist S.A. bestellt. Die umweltfreundliche Fähre soll die Verkehrsmöglichkeiten zwischen Nauvo und Parainen im Schärengebiet Turku verbessern. Sie wird rund 90 m lang und 16 m breit sein und maximal 90 Autos transportieren können. Der Einsatz der Elektrofähre auf der 1,6 Kilometer langen Strecke wird im Sommer 2017 beginnen.

Ausgerüstet wird die Fähre mit dem elektrischen Antriebssystem «BlueDrive PlusC», das ein Energiespeichersystem sowie drehzahlveränderbare Antriebstechnik für die Propeller und ein integriertes Warn- und Beobachtungssystem umfasst. Damit profitiert FinFerries von niedrigeren Betriebskosten, Einsparungen bei Wartungs- und Reparaturkosten ebenso wie von einer verbesserten Steuerung und Sicherheit durch die beiden Energiemanagement- und Strahlrudersteuerungsanlagen.

Die komplette elektrotechnische Lösung umfasst auch die Fernüberwachung «EcoMain». Siemens liefert ausserdem eine WLAN-Lösung für die Ladestationen an Land, die für eine automatische Schnellladung sorgen und vom Energiemanagementsystem der Fähre aus gesteuert werden.

Das Energiespeichersystem der Fähre wird jeweils am Abfahrts- und Ankunftshafen geladen, wo ein Landanschluss an das örtliche Netz besteht. Wegen der rauen Bedingungen im finnischen Winter besteht auf der Fähre ausserdem die Möglichkeit, einen Dieselmotor als zusätzlichen Antrieb für die Bordbatterien einzusetzen, wenn das Schiff auf seiner Fahrt durch Eis fahren muss, denn dabei wird wesentlich mehr Energie benötigt als im eisfreien Wasser. In dieser Situation wird die Fähre als Plug-in-Hybrid betrieben.

Siemens hat für Finnlands erste emissionsfreie Fähre eine geeignete technische Lösung massgeschneidert. Dabei ging man von den positiven Erfahrungen mit der ersten vollständig batteriebetriebenen Autofähre der Welt, der «Ampere», aus. Diese war im Mai 2015 in Norwegen in Dienst gestellt worden und befährt die sechs Kilometer lange Route E39 zwischen Lavik und Oppedal nördlich von Bergen in Norwegen. Sie fährt im 20-Minuten-Takt 34 Mal am Tag über den Fjord und verbraucht dabei nur 150 kWh pro Strecke. Mit ihren drei Batteriepaketen, eines an Bord und eines in jedem Hafen, fährt sie vollständig emissionsfrei.

Seit Inverkehrsetzung hat das Schiff eine Strecke zurückgelegt, die der über eineinhalbfachen Länge des Äquators entspricht. Der Schiffseigner Norled konnte mit der Umstellung von Dieselantrieb auf Batterie die Treibstoffkosten um 60 Prozent senken.

Der Strom in den Batterien stammt aus Wasserkraft. Jedes Lithium-Ionen-Batteriepaket liefert eine Leistung, die 1600 Standardautobatterien entspricht. Der Ladeprozess am Pier nimmt jeweils nur zehn Minuten in Anspruch.


Siemens Schweiz AG, DF/PD
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In der ersten vollelektrischen Autofähre in Finnland werden die Antriebe komplett von Komponenten von Siemens gesteuert. (Bilder: Siemens)


Das Energiemanagementsystem (EMS) von Siemens ist mit Kurven für den Motorkraftstoffverbrauch bei verschiedenen Lastbedingungen vorprogrammiert; zur Überwachung der Motordrehzahl ist das EMS mit Sub-Controllern für Aggregate, Strahlruder und Fernsteuerungen verbunden.


Solche 260-kWh-Batterieeinheiten versorgen die Fähre während der Wartezeit am Pier mit Elektrizität, anschliessend wird die Energie aus dem Netz ersetzt, bis das Schiff zurückkommt.