Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 08/2016, 19.08.2016

«Volltreffer für die Elektronikindustrie»

Im kommenden Herbst bingt Kuka neu den Kleinroboter «KR 3 Agilus» auf den Markt, der komplett auf die Bedürfnisse der Elektronikindustrie ausgerichtet ist. Er wird allerdings nicht auf der Sindex stehen und erst im ersten Quartal 2017 bestellbar sein.

(msc) Was genau der neue Roboter KR 3 Agilus in der modernen Elektronikfertigung leisten kann, und welche speziellen Anforderungen er in diesem Markt erfüllen muss, auf den er ausgelegt ist, erklären uns Wolfgang Schiller, der Verantwortliche bei Kuka Roboter für die Elektronikbranche, und die Produktmanagerin für den neuen Roboter, Eeva-Maria Kittilae.

Welches Potenzial sieht Kuka als Hersteller, der mit grossen Robotern für den Automobilbau gross geworden ist, in der Elektronikfertigung?

Wolfgang Schiller: Vor zwei Jahren hat sich Kuka ergänzend zur geografischen Vertriebsstruktur auch nach Divisionen aufgestellt, die gezielt homogene Marktsegmente adressieren. Unter anderem ist dies neben Automotive und Maschinenautomation der Bereich Electronics oder 3C – für Computer, Communication und Consumer-Electronics. Er beinhaltet folgendes Applikationsspektrum: kleine Bauteile, geringe Traglasten und kompakte Roboterzellen. Darauf fokussieren wir erst seit dem Start unserer Agilus-Familie vor vier Jahren.

Eeva-Maria Kittilae: Diese Baureihe bietet hohe Taktraten und ist ursprünglich mit einer Traglastklasse von 6 bis 10 kg an den Start gegangen. In der Elektronikfertigung sind die bisherigen Agilus-Modelle dennoch beim Platzbedarf teilweise an Grenzen gestossen. Zellen müssen so kompakt wie möglich aufgebaut sein. Diesen Anspruch erfüllt der KR 3 Agilus besonders gut: Mit ihm lassen sich Roboterzellen mit einer Grundfläche von nur 600 × 600 mm realisieren.

Weshalb ist die Elektronikfertigung ein so spannender Markt für Kuka?

Schiller: Die Branche ist technologisch getrieben wie keine zweite und hat extrem kurze Produktlebenszyklen. Dort wo Technologieentscheidungen sehr kurzfristig getroffen werden, ist es grundsätzlich nicht einfach zu automatisieren – nicht aus technischer Sicht, sondern aus Gründen der Vorlaufzeit und des Return on Invest.

Kittilae: Der Mensch war bisher in China die günstigere Lösung. Aber dort sind die Lohnkosten in den letzten Jahren enorm gestiegen und dieser Trend setzt sich fort. Die Elektronikproduzenten schauen sich jetzt nach Alternativen um.

Schiller: Jetzt werden immer mehr Roboter für Montage- und Handlingaufgaben eingesetzt. Die Nachfrage hat sich sehr stark entwickelt. Damit war bei Kuka die Zeit reif für eine exakt passende Lösung. Wir haben den KR 3 Agilus ganz spezifisch ausgelegt. Unser Anspruch in Bezug auf Qualität, Performance und Kosten lautete, einen Volltreffer für die Elektronikindustrie zu landen. Deshalb haben wir uns auf den Kundennutzen konzentriert und alles Unnötige weggelassen.

Die Elektronikbranche hat also, wenn es um Robotik geht, ihre ganz eigenen Mechanismen?

Schiller: Richtig. Ein typischer Elektronikproduzent plant höchstens zwei bis drei Jahre voraus. Aufgrund der Schnelllebigkeit der Produkte und des Marktes kann er heute gar nicht abschätzen, welche Produkte er in drei Jahren fertigen und welche Komponenten und Materialien er dafür einsetzen muss. Ein Beispiel aus der Praxis: Wenn ein Smartphone-Anbieter beschliesst, in der nächsten Generation das Gehäuse seiner Geräte von Kunststoff auf Metall umzustellen, benötigt der Auftragsfertiger quasi sofort CNC-Maschinen anstatt Spritzgiessmaschinen. Deshalb muss es sich für ihn rechnen, Anlagen aufzubauen, die er nach wenigen Jahren verkauft oder anders wiederverwendet. Dieser Ansatz gilt auch für die Robotik. Die Philosophie der Branche lautet: Es gibt in den meisten Fällen keine längerfristigen Investitionen, es gibt nur Anschaffungen für ein konkretes Kundenprojekt.

Abgesehen von den kompakten Abmessungen: Womit soll der KR 3 Agilus diese Branche erobern?

Kittilae: Der KR 3 ist nicht nur besonders kompakt, sondern auch sehr leicht – mit einem Gewicht von nur 26 kg ermöglicht er einfache Zellenkonzepte und er kann in unterschiedlichen Positionen integriert werden. Neben Grösse und Gewicht sind in der Elektronikfertigung besonders hohe Taktraten gefragt. Der KR 3 Agilus erfüllt diesen Anspruch als schnellster Sechsachser im Traglastbereich von 3 kg sehr gut und ist dabei auch sehr präzise, was für Handling und Montage von kleinen Bauteilen unerlässlich ist.

Welche konkreten Arbeiten soll der KR 3 in der Elektronikfertigung übernehmen?

Kittilae: Als Sechsachsroboter ist er sehr flexibel und eignet sich für viele Aufgaben. Der Fokus liegt neben dem Kleinteil-Handling und Pick-and-Place auf der Montagemit Fügeprozessen, Löten und Kleben, aber auch bei Schraubprozessen, für die es einen riesigen Bedarf gibt. Darüber hinaus eignet sich der KR 3 auch für Bauteiltests und Verpackungsapplikationen.

Gelten beim Handling von Bauteilen Maximal- oder Minimalgrössen?

Kittilae: Nein, nicht pauschal. Bei grösseren Bauteilen muss man auf Traglast und Trägheit achten. Bei den ganz kleinen hingegen ist der Roboter nicht der limitierende Faktor, sondern der Greifer. Richtig ausgestattet, kann der KR 3 Agilus sogar M1-Schrauben einsetzen.

Kuka Roboter Schweiz AG 5432 Neuenhof, Tel. 044 744 90 90 info@kuka-roboter.ch

Sindex Halle 3.0 Stand C03



Der neue Sechsachser «Kuka KR 3 Agilus» benötigt lediglich eine Zellengrundfläche von 600 × 600 mm. (Bilder: Kuka)


Eeva-Maria Kittilae, Produktmanagerin für den KR 3 Agilus bei Kuka Roboter.


Wolfgang Schiller, Verantwortlicher bei Kuka Roboter für die Elektronikbranche.