Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Automatisierung: Ausgabe 08/2016, 19.08.2016

Roboter sorgt für zukunftssichere Produktion

Das österreichische Mühlenunternehmen GoodMills hat die Weichen in Richtung Zukunft gestellt: Mit der vollautomatischen Sackpalettier- und Vollpalettenverpackungsanlage der Koch Industrieanlagen GmbH verbesserte sich nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit, sondern es erhöhten sich auch Prozesssicherheit sowie Produktivität bei gleichzeitiger Reduzierung des Platzbedarfs.

(pi) GoodMills ist nach eigenen Angaben Österreichs grösste Mühlengruppe. An den Standorten Schwechat, Rannersdorf und Graz-Raaba sind 125 Mitarbeiter beschäftigt. Jährlich verarbeitet die Gruppe rund 200 000 t Getreide. Der Vollanbieter beliefert Bäckereien, die Industrie und den österreichischen Lebensmitteleinzelhandel sowohl mit konventionellen Mehlen und Mahlprodukten als auch mit einem umfassenden Biosortiment.

Das Unternehmen produziert viele Sackgrössen mit zum Teil kundenspezifisch abgestimmten Füllmengen. Vor diesem Hintergrund hat man den Markt nach Automationsmöglichkeiten sondiert. Auslöser für diesen Schritt waren weniger Kostensenkungsüberlegungen als vielmehr die Notwendigkeit, veraltete Methoden zu ersetzen, um gegenüber den Mitanbietern in möglichst vielen Bereichen einen Vorsprung anzustreben.

Die weiteren Vorteile der Roboter-Sackpalettier- und Vollpalettenverpackungsanlage fasst Werner Benes, bei GoodMills als Projektleiter für die Anlage zuständig, zusammen: «Abgesehen vom Wegfall des intensiven kraftzehrenden Einsatzes profitieren wir von einer hohen Prozesssicherheit und Effizienz. Die Entscheidung für eine Automationslösung war unabdingbar, um die heutigen höheren Ansprüche erfüllen zu können, die beispielsweise hinsichtlich der Hygiene gestellt werden. Selbstverständlich ist auch die Produktivität gestiegen.»

Die Verantwortlichen bei GoodMills haben sich nach einem intensiven Auswahlverfahren schliesslich für die Koch Industrieanlagen GmbH, DE-Dernbach, als Generalunternehmen für die Automatisierungsanlage entschieden. Werner Benes: «Koch hat es am besten verstanden, den Bedürfnissen entsprechend Ideen zu entwickeln und diese in eine Anlage umzusetzen. Dabei wurden unsere genau definierten Vorgaben erfüllt und durch den geringen Platzbedarf der Anlage ein zusätzlicher Nutzen geschaffen. Ausserdem überzeugt die Wirtschaftlichkeit der Lösung.»

Kernstück der vollautomatischen Lösung ist die zentrale Roboterzelle. Eine Förderanlage, platzsparend unter der Decke angebracht und folglich ohne Behinderungen für den Staplerverkehr, führt die Säcke über zwei Linien dem Roboter zu. Bevor dieser die Säcke greift, durchlaufen beide Linien ein Pressband, das die Säcke egalisiert und das Produkt gleichmässig im Sack verteilt.

Um Beschädigungen der Säcke bei der Aufnahme zu vermeiden, sind die Rollenbahnen an ihren Übergabepositionen mit Aussparungen versehen, in die der Roboter mit einem bewährten Schiebegabelgreifer von Koch eintaucht. Beim Handling der Säcke verhindert die in den Greifer integrierte Sackklemmung, dass die Gebinde herausrutschen. Der Roboter nimmt einzelne Säcke auf und setzt sie nach den vorgegebenen Lagenbildern, die im ERP-System hinterlegt sind, auf die Ladungsträger. Leerpaletten stehen in Spendermagazinen bereit und werden automatisch über Rollenbahnen zu den Palettierplätzen gefördert.

Die Stapelhöhe der von Koch entwickelten Anlage reicht bis zu 2000 mm. GoodMills verwendet überwiegend 30-kg-Säcke, die der Roboter in Dreierschlichtung in zehn Lagen stapelt. «Aus dem schonenden Umgang des Roboters mit unseren Erzeugnissen resultiert der Vorteil», sagt Werner Benes, «dass die Waren beim Palettieren nicht beschädigt werden. Dies ermöglicht auch für die Zukunft weiteres Potenzial, um den Bedarf an Verpackungsmaterial zu optimieren.»

Die Roboterzelle erzielt je Stunde eine Palettierleistung von maximal 320 Säcken in der Mehl- und 160 in der Kleie-Linie. Das entspricht etwa 18 Paletten. Fertig palettierte Ladungsträger schleust die Zelle zum Stretchwickler aus. Ergänzend zur Roboterzelle setzt GoodMills einen Beutelpalettierer ein. Diese Anlage ist auf eine Stundenleistung von 14 Europaletten oder 28 Düsseldorfer Paletten, die sie paarweise palettiert, ausgelegt.

Durch produktabhängige Parameter, welche die Master-SPS an die SPS des Stretchwicklers sendet, sind unterschiedliche Wickelzyklen einstellbar. Beispielsweise für Sack- und Halbpaletten sowie für Paketpaletten aus der Handaufgabestation, die mit einer Leistung von vier Ladungsträgern in der Stunde arbeitet. Nach dem Wickler, der für maximal 64 Paletten je Stunde konzipiert ist, etikettiert die Anlage die fertig verpackten Paletten.

Fertigungsaufträge starten die Produktionsabteilungen von GoodMills über das ERP-System des Unternehmens, das mit der SPS der Roboterzelle kommuniziert. Aufgrund dieser Vernetzung kann das ERP-System Lagereingänge buchen und verwalten.

Die Verfügbarkeit der Anlage hat bereits wenige Monate nach der Inbetriebnahme im Juni 2015 über 95 Prozent gelegen. Ein Punkt, zu dem laut Projektleiter Benes auch die hohe Kompetenz und die gute Betreuung durch die Koch-Mitarbeiter beigetragen haben. Wegen der Komplexität des Systems ist die Prozesssicherheit dennoch zusätzlich durch eine Fernwartung und eine Rufbereitschaft erhöht worden.

Werner Benes ist seine Zufriedenheit anzusehen: «Wir gehen davon aus, dass wir aufgrund des reibungsfreien, wartungsarmen Betriebs der Anlage während der nächsten 20 Jahre gut aufgestellt sind.«

GoodMills Österreich GmbH A-2320 Schwechat, Tel. +43 707 76 91-0 office@goodmills.at


Koch Industrieanlagen GmbH
DE-56307 Dernbach,
Tel. +49 268 99 45 1-0,
box@koch-roboter.de



Kernstück der vollautomatisierten Sackpalettier- und Vollpalettenverpackungsanlage ist die zentrale Roboterzelle. (Bild: Koch)