Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 09/2016, 09.09.2016

Der heisse Messeherbst ist eröffnet

Die AMB in Stuttgart ist das diesjährige Messe-Highlight in Deutschland für die zerspanende Metallbearbeitung. Rund 1300 Firmen stellen aus; erwartet werden mehr als 90 000 Fachbesucher aus aller Welt. Die «Technische Rundschau» stellt auf den folgenden Seiten ausgewählte Produkte und Neuheiten vor.

(pi) Die Internationale Ausstellung für Metallbearbeitung, die vom 13. bis 17. September in Stuttgart über die Bühne geht, war seit ihrem Umzug 2008 auf das neue Stuttgarter Messegelände zu jeder Veranstaltung ausgebucht. Das ist auch in diesem Jahr wieder so. Nach Angaben des Veranstalters, die Landesmesse Stuttgart GmbH, gehört die AMB zu den Top-5-Branchenmessen weltweit.

Auch die Schweizer Tornos SA ist dem Ruf der AMB gefolgt und zeigt dort auf 200 m2 einige Welt- und Deutschlandpremieren. Erstmals öffentlich gezeigt wird die «Swiss GT 32». Der Langdreher, ausgerichtet auf die Herstellung selbst komplexester Teile, rundet die Swiss GT-Baureihe nach oben ab. Zur AMB wird er voll ausgerüstet mit dem Programmier- und Kommunikations-Tool «Tisis» live bei der Arbeit zu beobachten sein.

Die leistungsfähige und vielseitige Linearachsenkinematik erlaubt die Bearbeitung in der Haupt- und Gegenbearbeitung mit drei numerischen Achsen. Die Maschine basiert auf einer innovativen, steifen Konstruktion und verfügt über eine Spindel, die mit 9000 min-1 dreht. Laut Tornos heben diese und noch weitere technologische Features die Maschine auf «ein neues Niveau», mit dem sich die Anwender erfolgreich dem Wettbewerb stellen können.

Ebenfalls mit einer Neuheit, dem vertikalen Fräszentrum «VC1650», kommt die Spinner GmbH nach Stuttgart. Mit Verfahrwegen von 1650 x 820 x 820 mm ist der Dreiachser der grösste Vertreter dieser Baureihe, der noch um einen Rundtisch und somit eine vierte Achse erweitert werden kann. Ausgestattet ist das leistungsstarke und dynamische Bearbeitungszentrum mit Steuerungen von Siemens, Heidenhain oder Fanuc. Es kann zwischen vier Spindelvarianten für verschiedenste Anforderungen gewählt werden. Das Spektrum reicht von der kraftvollen Schwerzerspanungsspindel mit 343 Nm Drehmoment und 8000 min-1 Drehzahl bis hin zur HSC-Spindel, die mit bis zu 18 000 min-1 dreht.

Ein weiterer Pluspunkt betrifft die kompakte Aufstellfläche. Im Vergleich zu Maschinen mit ähnlichem Arbeitsraum, so Spinner, ergibt sich eine Platzeinsparung von etwa 30 Prozent. Da die Maschinenrückseite keine Bedienelemente besitzt, kann die Maschine nahe an einer Wand platziert werden.

Ganz im Zeichen der Serienfertigung stehen die Maschinen der Schwäbischen Werkzeugmaschinen GmbH (SW), die in diesem Jahr erstmals zur Siams in Moutier ausgestellt hatte. Auf der AMB werden unter anderem die zweispindlige Kugelgewindetriebmaschine «BA 222» und die einspindlige Linearmotormaschine «BA one6» gezeigt. Die Neuentwicklung BA 222 ist die bisher kleinste Maschine von SW. Mit einem Spindelabstand von 200 mm und einer Arbeitsraumgrösse von 200 x 350 x 300 mm ist der Zweispindler für die Mikrozerspanung von Werkstücken aus Alu, Titan oder Stahl prädestiniert.

Die BA one6 kann dagegen als einspindlige Ergänzung von mehrspindligen Fertigungslinien für die Vor- und Nachbearbeitung grosser Leichtmetallwerkstücke eingesetzt werden. Mit Positionstoleranzen kleiner 0,005 mm ist sie ebenso zum Ausgleich von Produktionsspitzen zu nutzen.

Produktives Element einer Werkzeugmaschine ist die Spindel. Der CNC-Aggregatehersteller Benz GmbH zeigt in Stuttgart sein überarbeitetes Schnelllaufspindelprogramm. Durch die nun zur Verfügung stehende 1:5-Übersetzung bei einer maximalen Drehzahl von 40 000 min-1 lassen sich mit den neuen Spindeln nicht nur Zeiteinsparungen in der Bearbeitung realisieren, sondern es wird insbesondere die Hauptspindel der Maschine geschont.

Die spezielle Lagerung und berührungslose Abdichtung der neuen Ausführung verspricht zudem eine reduzierte Wärmeentwicklung, was sich wiederum positiv auf die Masshaltigkeit bei längeren Bearbeitungszyklen auswirkt. Durch einen speziellen Kühlmittelring mit Mikrodüsen wird das Kühlmittel über den kompletten Drehzahlbereich konzentriert an die Werkzeugspitze geleitet.

Zum produktiven Bearbeitungsprozess gehört auch die effektive Teilereinigung. Sie wird sogar immer wichtiger, da aufgrund der zunehmenden Automatisierungstendenzen verschmutzte Werkstücke oftmals zur Fehlerquelle im Folgeprozess werden.

Dürr Ecoclean präsentiert mit der «EcoCCube» eine kompakte Reinigungsanlage, auch als Einstieg in die wässrige Spritzreinigung. Durch ihr geringes Aufstellmass und Gewicht sowie ihre komplette Ausstattung soll sich das anschlussfertige Frontladesystem einfach und schnell in die Fertigung integrieren lassen.

Die mit Öl oder Emulsion verschmutzten Bauteile können als Schüttgut oder gesetzte Ware gereinigt werden. Die Trocknung erfolgt mit Heissluft, ohne dass Dampfschwaden in die Umgebung abgegeben werden. Für eine teilespezifische Behandlung verschiedener Bauteile lassen sich in der frei programmierbaren Anlagensteuerung zehn Reinigungsprogramme speichern und über das intuitive HMI-Bedienfeld einfach auswählen.

Während man die Schuler AG hauptsächlich als Hersteller grosser Pressen für die Automobilindustrie kennt, weiss der kundige AMB-Besucher auch um ihre Expertise beim Automatisieren von Werkzeugmaschinen. So sorgen die Ladesysteme «LoadMaster» für den automatischen Transport der Teile zu und von Dreh- und Fräszentren.

Die neu entwickelte Roboterzelle «LoadMaster Assist» übernimmt nun auch Aufgaben wie das Einspannen der Rohteile in die Vorrichtungen oder das Reinigen und Entgraten der Teile. Damit umfasst das Schuler-Portfolio an Automatisierungslösungen das Baukastensystem «LoadMaster Compact», das Hochregalsystem «LoadMaster Flex» und den «LoadMaster Herkules» für hohe Gewichtsklassen von 3 bis 8 t. Mit dem «LoadMaster Tool» lassen sich die Werkzeugmagazine von Bearbeitungsmaschinen verketten.

Automatisierung macht allerdings nur dann Sinn, wenn die Maschinen planbar in der unbemannten Schicht mit Werkstücken beschickt werden. Darum kümmert sich nun die Fauser AG und liefert mit ihrer Software «JobDispo PMP» eine durchgängige Planungsunterstützung von automatisierten Fertigungszellen. Mit dieser Software können sowohl Rüstzeiten als auch Arbeitszeiten auf den Paletten erfasst und optisch auf der Plantafel visualisiert werden. So behält man den Überblick bei anstehenden Aufträgen und den zugehörigen Rüstzeiten.

Die Software ersetzt zwar nicht den Zellenrechner von Palettenmaschinen, berücksichtigt aber vor- und nachgelagerte Arbeitsgänge auf anderen Maschinen. Durch die Kommunikation mit dem Zellenrechner werden die geplanten Aufträge wie auch die aktuellen Rüst- sowie Produktionszeiten erfasst und stehen dann für die Nachkalkulation zur Verfügung.

Ebenfalls um Software und ebenfalls um die Optimierung von Bearbeitungsstrategien geht es bei der Open Mind AG. Sie zeigt zur AMB das neueste Release «2016.2» ihres CAM-Programms «hyperMill» und gibt zugleich einen Blick frei auf die kommende Version «2017.1». Ein Highlight dieser Version dürfte das neue Modul für die Elektrodenerstellung sein. Ausserdem sind viele Erweiterungen für das Fräsdrehen sowie für 2D- und 3D-Anwendungen angekündigt. Auch neue Strategien für das Schruppmodul «Maxx Machining» sind in Arbeit.

Das aktuelle Release 2016.2 kümmert sich unter anderem um schnellere Bearbeitungszeiten bei der 5-Achsbearbeitung. So wurde das 5-achsige tangentiale Ebenenschlichten mit konischen Tonnenfräsern – von Open Mind für die effiziente Schlichtbearbeitung von steilen und flachen Ebenen entwickelt – in der aktuellen Version um die Bearbeitung von beliebig krümmungsstetigen Flächen ergänzt. In der Praxis sollen sich mit dieser Bearbeitungsart Zeiteinsparungen von 90 Prozent realisieren lassen.

Ebenfalls neu ist das 3D-Planfräsen, mit dem Anwender komfortabel das NC-Programm für Schlichtoperationen von Ebenen erstellen können. Die zu bearbeitenden Ebenen werden entweder manuell oder automatisch selektiert.

Benz GmbH
www.benz-tools.de
AMB Halle 1 Stand F59

Dürr Ecoclean: UCM AG
www.ucm-ag.com
AMB Halle 6 Stand E38

Fauser AG
www.fauser.ag
AMB Halle 4 Stand A32

Open Mind Technologies Schweiz GmbH
www.openmind-tech.com
AMB Halle 4 Stand B31

Schuler AG
www.schulergroup.com
AMB Halle 5 Stand B92

Schwäbische Werkzeugmaschinen GmbH
www.sw-machines.de
AMB Halle 9 Stand C71

Spinner AG
www.spinner-ag.ch
AMB Halle 3 Stand D52

Tornos SA
www.tornos.com
AMB Halle3 Stand C14



Der Langdreher Swiss GT 32 ist für die Bearbeitung komplexer Teile konzipiert. (Bild: Tornos)


Einstieg in die wässrige Spritzreinigung: Die EcoCCube-Anlage soll sich einfach in die Fertigung integrieren lassen. (Bild: Dürr)


Die 3-Achsmaschine VC 1650 baut für einen Arbeitsraum von 1650 x 820 x 820 mm sehr kompakt. (Bild: Spinner)


Mit JobDispo PMP können Rüstzeiten von Paletten auf der Plantafel visualisiert werden. (Bild: Fauser)


Vielseitig: Die Roboterzelle LoadMaster Assist übernimmt neben Handlingsaufgaben auch das Reinigen oder Entgraten von Werkstücken. (Bild: Schuler)


Gas geben: Das neue hyperMill-Release kümmert sich unter anderem mit dem tangentialen Ebenenschlichten um eine schnellere 5-Achsbearbeitung. (Bild: Open Mind)

Fact Sheet

AMB 2016

  • Was: AMB – Internationale Ausstellung für Metallbearbeitung
  • Wann: 13. bis 17. Sept. 2016, 9:00 bis 18:00 Uhr, Samstag 9:00 bis 16:00 Uhr
  • Wo: Messe Stuttgart
  • Tickets: Tageskarte Euro 30, Dauerkarte Euro 65
  • Weitere Informationen: www.messe-stuttgart.de/amb