Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 01/2017, 20.01.2017

Im Kunststoffmaschinenmarkt rauchen die Köpfe

Dirk-Walter Herold ist bei der Bosch Rexroth AG Leiter des Vertriebs der Kunststoff- und Druckgiessmaschinen. Er hat von Berufs wegen ein klare Vorstellung wie die Zukunft der Kunststoffmaschine aussieht: Sie beinhaltet massgeschneiderte Antriebskonzepte und eine intelligente Industrie-4.0-Anbindung für mehr Produktivität und Energieeffizienz.

(msc) Dirk-Walter Herold, Leiter Vertrieb Branche Kunststoff- und Druckgiessmaschinen der Bosch Rexroth AG, ist sich in einem sicher: «Die Anforderungen der Anwender von Kunststoffmaschinen steigen kontinuierlich. Hoher Wettbewerbsdruck und eine rasant gestiegene Innovationsgeschwindigkeit des Marktes stellen die Hersteller heute vor eine grosse Herausforderung. Es gilt, Maschinen zu entwickeln, die höhere Produktivität bei schnellerer Produktflexibilität – wegen kleinerer Losgrössen – mit gesteigerter Energieeffizienz kombinieren. Für die Umsetzung ist ein vereinfachter und zielgerichteter Engineeringprozess ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg.»

Für ihn ist klar, dass ein zentraler Punkt seit jeher die Frage nach dem perfekten Antriebskonzept ist: «Als Entwicklungspartner raten wir dazu, den jeweiligen Einsatzfall zu beleuchten und das Antriebskonzept auf die konkrete Anwendung abzustimmen. Die Frage sollte lauten: Mit welchem Lösungsansatz komme ich im besten Kosten-Nutzen-Verhältnis bei hoher Qualität zum gewünschten Ergebnis? Dieser Ansatz führt zu Antriebskonzepten, bei denen Maschinenhersteller je nach Leistungsanforderungen sowohl elektromechanische, hy-draulische oder elektrohydraulische Antriebe zu einem modularen Maschinenkonzept frei miteinander kombinieren können. Für die hy-briden Maschinenkonzepte sind nur geringste konstruktive Anpassungen notwendig.»

Laut Herold bietet Bosch Rexroth für all diese Ansätze die passenden Lösungen und hat sein Portfolio entsprechend breit aufgestellt. «Dazu gehören zum einen komplette autarke Achsantriebe – sowohl elektrohydraulisch als auch elektromechanisch – und zum anderen Antriebskonzepte mit den drehzahlvariablen Pumpenantrieben ‹Sytronix SvP/DFEn›, mit denen bis zu 80 Prozent des Stromverbrauchs der hydraulischen Antriebstechnik eingespart werden können.

Ein weiteres Beispiel sind für ihn die Radialkolbenmotoren «Hägglunds CAb». Durch geringe hy-dromechanische Verluste benötigen sie weniger Energie, insbesondere im oberen Drehzahlbereich. «Dank ihrer hohen Leistungsdichte eignen sie sich besonders für die kompakten Einbauverhältnisse der Kunststoffmaschinen.»

Als weiteres Trendthema identifiziert der Experte die Digitalisierung; Stichwort Industrie 4.0: «Ähnlich wie bei den Antriebskonzepten plädieren wir auch hier für eine bedarfsgerechte und dem Einsatzfeld entsprechende Herangehensweise. Industrie 4.0 birgt gros- se Potentiale, aber eine Umstellung sollte als kontinuierlicher Prozess betrachtet werden. Das kann mit überschaubaren Veränderungen beginnen, etwa mit dem Condition Monitoring an einer Achse, mit dem Ziel, daraus eine vorausschauende Wartung für die komplette Maschine zu entwickeln.»

Der Schlüssel zur Kommunikation ist für Herold dabei die Feldbustechnik: «Das gilt auch und gerade für die Hydraulik, deren Digitalisierung Bosch Rexroth seit Jahren vorantreibt. Die Besonderheiten der Fluidtechnologie werden dabei in der Software abgebildet. So erlauben Feldbusventile von Rexroth das lokale Einlesen von preiswerten analogen Sensoren direkt in das Ventil. Diese Daten können dort unmittelbar für die Regelung genutzt und über den Feldbus der Maschinensteuerung zur Verfügung gestellt werden. Unsere Erfahrung als Antriebs- und Steuerungshersteller läuft hier mit einem umfassenden Software-Know-how für die Automatisierung konsequent zusammen.»

Der Vertriebsleiter betont, dass sein Arbeitgeber nicht nur Anbieter für Industrie 4.0 ist, sondern durch Pilotprojekte in den eigenen Werken auch die Rolle als Leitanwender beansprucht. Und er führt gleich aus, weshalb: «So fliessen die gesammelten Praxiserfahrungen direkt in unsere neuen Automationslösungen ein, die Herstellern den Einstieg zur Vernetzung ihrer Maschinen erleichtern.»

So wie etwa das Open Diagnostics Network «ODiN», das die Betriebsdaten über den gesamten Lebenszyklus und in unterschiedlichen Betriebsarten erfasst und nach der Auswertung individuelle Handlungsempfehlungen zur vorausschauenden Wartung ermöglicht. Oder ein IoT-Gateway, mit dem auch bestehende Maschinen und Anlagen an die IT-Welt angebunden werden können – ganz ohne Eingriff in die bestehende Automatisierungsstruktur.

Industrie 4.0 ist für Dirk-Walter Herold trotzdem nicht automatisch ein Selbstläufer: «Die reine Erhebung der Daten ist einfach, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, ist sehr anspruchsvoll.»


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Industrie-4.0-Ansatz: Das IoT-Gateway vernetzt Neu- und Bestandsmaschinen ohne Eingriff in die Automatisierungslogik. (Bilder: Bosch Rexroth)


Dirk-Walter Herold, Bosch Rexroth AG. (Bild: Bosch Rexroth)