Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG

Werbung

Ausgabe 01/2017, 20.01.2017

Positiver Blick in die Zukunft

Seit 2010 bringt die Vereinigung Carbon Composites e.V. jährlich ihren Marktbericht heraus. Er dient unter anderem als Konjunkturbarometer für die Befindlichkeit der Branche. Über die Jahre zeigt sich eine deutliche Tendenz: Die Composite-Unternehmen steuern einen stabilen Kurs mit solidem Wachstum. Eine kürzlich durchgeführte Studie von CC Schweiz bestätigt diesen Trend.

(pi) Im Rahmen des 2nd International Composites Congress (ICC) Ende November in Düsseldorf wurde auch der Marktbericht des Carbon Composites e.V. (CCeV) für die Branche präsentiert. Seit 2010 veröffentlicht der CCeV diesen Marktbericht im jährlichen Turnus. Darin werden einerseits die Mengen an produziertem Werkstoff, andererseits die Pläne und der Verbrauch von CFK (Carbonfaser-verstärkte Kunststoffe) in den verschiedenen Industriebranchen betrachtet. Auch nationale und internationale Schwerpunkte sind gelistet.

So ist in diesem Jahr zu beobachten, dass internationale Carbon-Hotspots oder -Cluster aufgrund von grossen staatlichen Förderprogrammen und privatwirtschaftlicher Unterstützung Fahrt aufnehmen – vor allem in den USA und in Südkorea. Mit beiden Regionen steht der CCeV im Rahmen von Kooperationen und Projekten in engem Kontakt.

Weiteres Ergebnis des CCeV-Marktberichtes: Im Bereich Automobilbau ist Carbon dabei, seinen Platz im hybriden Leichtbau neben Stahl und Aluminium einzunehmen. Das zeigt sich unter anderem in der neuen 7er-Serie von BMW. «Dies entspricht der seit Jahren verfolgten Strategie des Vereins, Lösungen für hybride Bauteile in allen Branchen zu finden», erläutert Michael Kühnel, Projektverantwortlicher für den CCeV-Marktbericht.

Im Bereich Luftfahrt stehen im Flugzeugbau derzeit eher «Single-Aisle»-Programme an; also Flugzeuge mit nur einem Kabinengang wie beispielsweise die A 320-, B 737- und B 757-Nachfolger. Hier müssen sich die CFK gegenüber den metallischen oder hybriden Alternativwerkstoffen, beispielsweise neue Legierungen oder Fasermetalllaminate, einer deutlich stärkeren Preiskonkurrenz unterziehen als bei den Langstreckenfliegern und Technologiepionieren A 350 oder B 787. Aufgrund der deutlich höheren Produktionsraten dieser Single-Aisle-Flugzeuge können hier bereits kleine «Bauteilzugewinne» einen positiven Einfluss auf den CFK-Absatz haben.

Im Bereich Windenergie ist gerade in Europa das Wachstum aufgrund politischer Entscheidungen und geografischer Gegebenheiten limitiert. Zudem bestehen selbst bei grossen Windkraftanlagen Alternativen zu Carbonverstärkungen, wie Siemens mit seinem «B 75»-Rotorblatt zeigt. Carbon wird deshalb nicht 1:1 am Marktwachstum partizipieren.

Im Maschinenbau und im Medizinalbereich bleibt CFK ein Werkstoff, der gerade aufgrund verschiedener Funktionalitäten eingesetzt wird. «Daher wird hier in naher Zukunft vor allem die Funktionsintegration eine wichtige Rolle spielen», weiss Michael Kühnel.

Für die Baubranche gilt: Einem bisher sehr zurückhaltenden Einsatz von Carbon stehen potentiell hohe Absatzzahlen gegenüber. Um diese realisieren zu können, gilt es, Zulassungshürden zu überwinden sowie die bisher übliche, technologisch bedingt etwas traditionellere Konstruktionskultur mit neuen Werkstoffen, Bauweisen sowie Auslegungsmethoden aufzufrischen.

In seiner Präsentation des CCeV-Marktberichts zog Michael Kühnel das Fazit: «Das Verhalten des Carbonfaser- wie des Carbon-Composites-Marktes lässt sich für das aktuelle und die kommenden Jahre in einem Satz zusammenfassen: Weder Hype noch Stagnation zeichnen die Entwicklung aus.» Dies, so der Fachmann, sei ein typisches Verhalten für einen Markt, der sich über die Jahre von einem «sprunghaften Anfangstechnologiemarkt» hin zu einem «etablierten Hochtechnologiemarkt» mit konstant hohen Wachstumsraten weiterentwickelt.

Diese Einschätzung bestätigt auch eine Befragung der CCeV-Regionalabteilung in der Schweiz. Die eidgenössische Composites-Branche ist in den letzten drei Jahren gewachsen. Und sie wird es auch weiterhin tun, so die Marktumfrage, die Carbon Composites Schweiz nach 2012 im vorigen Jahr zum zweiten Mal durchgeführt hat. So beurteilen 80 Prozent der teilnehmenden Unternehmen ihr Wachstumspotenzial in ihren Hauptabsatzmärkten positiv (50 Prozent) oder eher positiv (30 Prozent).

Alleine die Arbeitsplätze haben seit der letzten Umfrage um 17,5 Prozent zugenommen, was im Vergleich zur schweizerischen Arbeitsplatzentwicklung im selben Zeitraum (+ 2,5 Prozent) beachtlich ist. Vor allem Industriesegmente mit hoher Innovationskraft und Wertschöpfung gewinnen an Bedeutung, darunter die Medizinaltechnik sowie der Automotive- und Maschinenbausektor. Für diese Märkte arbeiten inzwischen auch rund 40 Prozent der Mitarbeitenden der Komponentenhersteller, die an der Umfrage teilgenommen haben. Der wichtigste Absatzmarkt ist neben der Schweiz Deutschland.

Die sehr rege Forschungstätigkeit und die hohe Innovationskraft sieht Stève Mérillat vom CC Schweiz als wesentliche Treiber für die erfolgreiche Weiterentwicklung der Branche: «Insgesamt ist die Branche gut aufgestellt. Rund vier von fünf Firmen blicken positiv in die Zukunft.»

Carbon Composites Schweiz
8400 Winterthur, Tel. 032 520 22 00
steve.merillat@carbon-composites.eu, www.cc-schweiz.ch

Swiss Plastics Gemeinschaftsstand



Weder Hype noch Stagnation: Composites haben sich als Leichtbauwerkstoff etabliert. (Bild: Fotolia)


Carbon-Composites-Umsatz in Mrd. US-Dollar nach Anwendungen. (Quelle: CCeV)

Auf einen Blick

Composites-Marktbericht

Der gesamte Marktbericht 2016 des Carbon Composites e.V. (CCeV) ist im Internet unter www.carbon-composites.eu in der Rubrik «Branchen» zu finden. Die gesamte Marktumfrage von CC Schweiz kann nachgelesen werden unter: www.cc-schweiz.ch.