Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 10/2017, 12.10.2017

«Auch handelsübliche Pulver funktionieren»

Die Reimmann AG bietet auf dem Schweizer Markt neu die Additive-Manufacturing-Anlagen des südkoreanischen Herstellers InssTek an. Dieser setzt nicht etwa auf einen Prozess im Pulverbett, sondern auf DMT (Direct Metal Tooling). Die «Technische Rundschau» sprach mit Stefan Deak, Inhaber und Geschäftsführer von Reimmann, über das Modellprogramm.

Autor: Markus Schmid

Herr Deak, seit wann bieten Sie die AF-Anlagen des ko-reanischen Herstellers InssTek in der Schweiz an?

Seit vergangenem Frühjahr.

Nur bestimmte Modelle oder das gesamte Portfolio?

Wir führen das komplette Portfolio in unserem Angebot, inklusive der Maschinen für die Medizinaltechnik. Auch alle Ausgangsmaterialien, die von Inss­Tek erhältlich sind, können bei uns bezogen werden. Der Anwender kann aber auch – das ist speziell bei InssTek – Materialien aus einer ganzen Liste von handelsüblichen Metallpulvern verwenden. Dies reduziert die Materialkosten deutlich gegenüber Anlagen, für die das Pulver beim Maschinenhersteller bezogen werden muss, wenn garantierte Resultate erzielt werden sollen.

Hatte die Reimmann AG schon bisher Produkte für die additive Fertigung im Programm?

Nein, das ist ein neues Segment bei uns. Wir finden die Technologie von InssTek sehr spannend. Eines der Alleinstellungsmerkmale ist, dass die Oberfläche des aufgeschweissten Materials über zwei Kameras erfasst wird, was eine sogenannte Autorepair-Funktion ermöglicht. Das heisst, wenn die Kameras während des Prozesses zum Beispiel einen Riss im neu aufgetragenen Material erkennen, wird diese Position über die Maschinensoftware sogleich wieder angefahren und bis zur geforderten Oberflächenqualität ausgebessert, ohne dass dazu das Einspielen der CAD-Daten nötig ist. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist, dass optional alle Maschinen bis auf die kleinste mit bis zu vier Pulvercontainern geordert werden können. So kann ein zweites Metall- material in ein erstes hineingeprintet werden, beispielsweise ein Kern mit anderen Eigenschaften als die Hülle. Man kann die Pulver auch mischen, also legieren. Das Metallurgische Institut Erlangen etwa hat sich eine Anlage von InssTek zugelegt, um an neuen Legierungen zu forschen.

Kennen Sie Anwendungsbeispiele für InssTek-Anlagen?

Sicher: Die Qualität des in diesem Prozess entstehenden Materials ist so gut, dass die koreanische Luftwaffe Verschleiss­teile ihrer F15- und F16-Kampfjets, in diesem Fall Triebwerksringe, mit InssTek-Anlagen repariert. Das ist enorm viel günstiger als diese gegen Neuteile auszutauschen. Prüfungen ergaben, dass die mechanischen Struktureigenschaften dieser Teile besser sind als die der Originalteile. Dies wirft ein besonders Licht auf diese Autorepair-Funktion. Schliesslich gelten in der Luftfahrttechnik extrem hohe Standards, und diese Teile erhielten auch vom Triebwerkbauer GE sämtliche notwendigen Zertifikate.

Können Sie uns weitere Highlights des Programms nennen?

Sehr spannend ist das Modell MX-Mini, ein relativ leichtes Tischmodell, das auf die Messe Formnext hin neu als 5-Achs-Version kommt – für viele Reparaturbetriebe eine sehr interessante Option.

Wie stellen Sie den Support für den Anwender sicher?

Wir arbeiten in dieser Sache momentan sehr stark mit GLM, dem deutschen Importeur von InssTek, zusammen, der die nötige Erfahrung hat. Im Übrigen bauen die Maschinen auf der Mechanik einer normalen Werkzeugmaschine auf. Für alle Fragen, die diesen Bereich angehen, haben wir sehr wohl das Know-how bei uns im Haus. Den Unterhalt der Maschine können wir also selbst gewährleisten. Bei Fragen, die tief in die Anwendungstechnik oder Metallurgie eintauchen, haben wir allerdings noch Nachholbedarf. Dort greifen wir direkt auf die Koreaner zurück.

Dazu eine letzte Frage: InssTek bietet auch Titanmaterial an. Dessen Verarbeitung erfordert eine Argon-Atmosphäre. Ist der Arbeitsraum der Maschinen dafür ausreichend dicht?

Ja, ein solcher Bauraum kann optional geordert werden. Auch die gesamte notwenige Peripherie wie beispielsweise Argon-Generatoren kommen direkt aus dem Haus InssTek.

InssTek: Reimmann AG
8617 Mönchaltorf, Tel. 044 949 49 49
info@reimmann.ch
formnext Halle 3.0 Stand B70



Stefan Deak, Inhaber und Geschäftsführer der Reimmann AG. (Bild: Reimmann)

Im Profil

Die AF-Modelle von InssTek

Das von InssTek «DMT» (Laser-aided Direct Metal Tooling) genannte, in Eigenregie entwickelte Verfahren ist ein Auftragschweissverfahren, bei dem Metallpulver via Düse an den Schweisspunkt gebracht und dort von einem Laserstrahl aufgeschmolzen wird. Anhand von 3D-CAD-Dateien werden so komplexe 3D-Metallteile und -Strukturen Schicht für Schicht aufgebaut. Die Schichtstärke wird über das selbst entwickelte «DMT closed-loop feedback control system» präzise gesteuert. Es misst und überwacht während der Bearbeitung permanent jeden der Parameter, die die Schichtstärke beeinflussen. Gedruckt wird auf bereits bestehende Bauteile (Hybridverfahren), aber auch der Aufbau von kompletten Neuteilen ist möglich. Die sechs Modelle in Kürze:

  • Ytterbium-Faserlaser, je nach Anlage mit 0,3 bis 3 kW Leistung.
  • Drei Standardmodelle: «MX-400», «MX-600» und «MX-1000» mit einem Bauraum von 400 × 450 × 300 mm oder 450 × 600 × 350 mm oder 1000 × 800 × 650 mm. Alle drei Typen sind als 3- oder 5-Achs-Ausführungen erhältlich mit Dreh-/Schwenktisch (A/C-Achse) von 250 mm oder 320 mm oder 450 mm.
  • «MPC»: Maschine speziell für die poröse Beschichtung orthopädischer Implantate auf Basis der MX-600 mit 0,5-kW-Laser und 4-Satz Objektträger.
  • «MX-Mini»: 0,3-kW-Laser, Arbeitsbereich 200 × 200 × 200 mm, mit nur zwei Metallpulvercontainern ausgestattet.
  • «MX-Grande»: 3-kW-Laser, 6 Achsen, Arbeitsbereich 4000 × 1000 × 1000 mm.