Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 10/2017, 12.10.2017

Volles Haus zum 25. Jubiläum

Zur 25. Aufführung gönnt sich die «Fakuma» einen neuen Ausstellerrekord: Erstmals wurde die 1800er-Marke geknackt. Damit ist Full House in Friedrichshafen. Die «Technische Rundschau» gratuliert und wirft einen Blick auf ausgewählte Neuheiten zur Messe.

Wer hätte an eine solche Erfolgsgeschichte gedacht, als die Fakuma 1981 erstmals in Friedrichshafen an den Start ging? 25 Aufführungen und 36 Jahre später kann die Kunststoffmesse und ihr Veranstalter, die P. E. Schall GmbH, das Jubiläum in würdigem Rahmen feiern: Volles Haus in Friedrichshafen, über 1800 Aussteller aus 37 Nationen zeigen auf 85 000 m2 Bruttofläche alles rund um die Welt der Kunststofftechnik.

Neben der alle drei Jahre stattfindenden Leitmesse «K» gehört die Fakuma mittlerweile in Europa sicherlich zur ersten Adresse, wenn es um Kunststoffe & Co. geht. Wie sehr sich die Messe gemäss dem diesjährigen Motto «Kunststoff trifft Business» über die Jahre weiterentwickelt und gewandelt hat, verdeutlicht unter anderem das Rahmenprogramm. So gibt es an den vier Messetagen insgesamt 38 Einzelvorträge (davon sechs zu den Themen Recruiting/Ausbildung/Fortbildung), die sich mit den Aspekten Hochleistungspolyamide, konturnahe Werkzeugtemperierung, Produktivitätssteigerung durch Werkzeugbeschichtungen oder auch Nutzen und Chancen der Digitalisierung befassen.

Prozessüberwachung und Datenaufbereitung lautet daher fast zwangsläufig das grosse Messethema der Kistler Gruppe. Anlässlich der letzten Fakuma hatte Kistler vor zwei Jahren die erste Version seines Prozessmonitoring-Systems «ComoNeo» vorgestellt. Spritzgiessverarbeiter verfügen seither über eine komfortable Lösung, um ihre Prozesse zu überwachen und zu optimieren: Auf Basis der Messung des Werkzeuginnendrucks lässt sich die Effizienz der Prozessoptimierung nachhaltig verbessern und gleichzeitig der Ausschuss deutlich reduzieren.

Die erweiterte Funktionsfähigkeit von ComoNeo in der Version 2.1 ermöglicht nun die Überwachung von bis zu vier Komponenten in unterschiedlichen Werkzeugtechnologien. Und: Die intelligenten Funktionen der neuen Version schaffen laut Kistler nicht zuletzt die Voraussetzung für eine Digitalisierung des Spritzgiessprozesses. So können die von den im Werkzeug integrierten Sensoren erfassten Kennwerte zentral im «ComoDataCenter» gespeichert werden und stehen so für weitere Analysen zur Verfügung. Zudem speichert das System zentral Werkzeugkonfigurationen und überträgt sie auf andere Anlagen. Die Prozessdaten können auch mit übergeordneten Systemen, etwa einem Manufacturing Execution System (MES), vernetzt werden.

Wie sich die Laserbeschriftung an übergeordnete Systeme andocken lässt, zeigt Trotec mit dem «SpeedMarker»-Beschriftungslaser inklusive Faserlaserquelle. Dank der Beschriftungssoftware «SpeedMark» können nämlich variable Daten von externen Systemen wie SAP verarbeitet und in Form von Datamatrix-Codes, Seriennummern oder anderen dynamischen Inhalten laserbeschriftet werden. Seit November 2016 sind die SpeedMarker-Beschriftungslaser auch mit gepulstem Faserlaser (MOPA) verfügbar. Durch die variable Einstellung der Pulsdauern ergeben sich umfangreichere Möglichkeiten für die Beschriftung von Kunststoffen, wobei die Vorteile der Faserlaser wie wartungsfrei und ökonomischer Anschaffungspreis bestehen bleiben. Vor allem auf dunklen Kunststoffen wie PA 66 GF, PA 6 GF, PP oder GF sind dank der kürzeren Pulse oft schönere, hellere Beschriftungen möglich.

Speziell dem Thema Zerspanung von Leichtbauwerkstoffen wie faserverstärkten Kunststoffen, Verbundmaterialien und Stacks mit Kernen aus Schaum- oder Wabenstruktur widmen sich die Hufschmied Zerspanungssysteme GmbH und die Weber Ultrasonics AG. Ziel: Das ultraschallunterstützte Zerspanen, Schneiden und Sägen als effiziente Prozesse. Allerdings setzen die heute üblicherweise eingesetzten, nicht-resonanten Systeme jedoch nur rund fünf Prozent der eingesetzten Energie in Schwingung um.

Beim resonanten Ultraschallsystem der beiden genannten Unternehmen liegt der Wirkungsgrad der Ultraschallunterstützung dagegen bei 90 bis 95 Prozent. Daraus resultieren unter anderem signifikant reduzierte Prozesskräfte. Dies ermöglicht bei der Bearbeitung von GFK und CFK höhere Zeitspanvolumen und damit einen höheren Materialdurchsatz sowie geringere Maschinenbelegzeiten. Zudem erhöht die geringe Belastung und Deformation der Werkzeuge deren Standzeit. In Summe soll das System für effizientere Prozesse und höhere Genauigkeiten sorgen.

Die Metallzerspanung im Bereich Werkzeug- und Formenbau adressiert die Open Mind Technologies AG mit der CAM-Software «hyperMill». Im Mittelpunkt steht unter anderem das Performance-Paket «Maxx Machining» für grosse Spanvolumen. Das Paket verspricht mit seinen drei Modulen für das Schruppen, Schlichten und Bohren einen wahren Effizienzsprung. Anwender sollen mit der angebotenen CAM-Strategie Zeiteinsparungen von bis zu 90 Prozent beim Schlichten und bis zu 75 Prozent beim Schruppen erzielen.

Ein Beispiel dafür ist das tangentiale Ebenenschlichten mit konischen Tonnenfräsern für Ebenen, Verbindungsflächen und Verrundungen. Diese Geometrien machen oft 70 oder mehr Prozent einer Form aus. Sie konventionell mit Kugel- oder Radienfräsern in sehr feinen Schritten abzuzeilen, ist sehr zeitaufwendig. Das tangentiale Ebenen­schlichten nutzt die grossen Radien der Tonnenform, um bei gleicher Rautiefe grössere Bahnabstände mit optimierter Anstellung wählen zu können. Unternehmen, so die Aussage von Open Mind, die auf die effizienten Schlichtstrategien des Performance-Pakets setzen, profitieren gleich mehrfach durch optimale Oberflächenqualitäten, reduzierte Bearbeitungszeiten und hohe Werkzeugstandzeiten.

Mehr Sicherheit im Spritzgiessprozess

Ebenfalls an die Werkzeug- und Formenbauer unter den Besuchern wendet sich der Normalienanbieter Meusburger mit seinen Exponaten. Mit dabei ist der Etagenantrieb «E 8630», der in eingebauter Form ausprobiert werden kann. Er soll durch die geschliffenen und induktiv gehärteten Zahnräder und -stangen in Modul 3 und 4 überzeugen. Aus­serdem wird auf der Messe der neuentwickelte Hochtemperaturschlauch «Isotemp E 2187» ausgestellt. Er verspricht durch die neuartige Silikonummantelung mehr Sicherheit im Spritzgiessprozess.

Ein weiteres Highlight ist die neue «GMT 6000» Präzisionsablängmaschine für die Fertigbearbeitung von Auswerferstiften oder Schneidstempeln, die erstmals präsentiert wird und live in Betrieb geht. Neu im Programm sind auch die Normstäbe in den Längen 300 und 1200 mm. Diese stehen ab der Fakuma zum Versand bereit.

Um das Thema Leichtbau und additive Fertigung dreht sich der Messeauftritt von 3M mit dem Tochterunternehmen Dyneon. Gezeigt wird unter anderem eine neue Technologie zum additiven Fertigen von vollfluorierten Polymeren wie Polytetrafluorethylen (PTFE). Das Verfahren ermöglicht die Produktion von Bauteilen und die Integration mehrerer Funktionen in einem Formteil – per Mausklick und komplett werkzeugfrei. Dieses neue additive Verfahren soll vor allem seine Anwendung finden in Prototypen und Kleinserien mit komplexen Geometrien für die Luft- und Raumfahrt, die chemische Industrie, den Medizintechnik-Apparatebau und Halbleiterfabriken. (pi)

3mschweiz.ch
Fakuma Halle B4 Stand 4406

hufschmied.net
Fakuma Halle A4 Stand 4200

kistler.com
Fakuma Halle A3 Stand 3104

Meusburger.com
Fakuma Halle A2 Stand 2313

openmind-tech.com
Fakuma Halle A1 Stand 1112

troteclaser.com
Fakuma Foyer Ost Stand FO-45

weber-ultrasonics.com
Fakuma Halle A4 Stand 4200



Digitalisierung: Im Spritzgiesswerkzeug erfasste Daten können nicht nur ausgewertet, sondern auch mit MES vernetzt werden. (Bild: Kistler)


Lasermarkierungen mittels gepulstem Faserlaser zeichnen auf dunklen Kunststoffen schärfere Bilder. (Bild: Trotec)


Resonante Ultraschallwerkzeuge reduzieren die Zerspanungskräfte bei der GFK- und CFK-Bearbeitung. (Bild: Hufschmied/Weber)


Erstmals können vollfluorierte Polymere wie PTFE mittels 3D-Printing hergestellt werden. (Bild: 3M)


Zeiteinsparung beim Fräsen um bis zu 90 Prozent mit der CAM-Strategie «tangentiales Ebenenschlichten mit Tonnenfräser». (Bild: Open Mind)

Fact Sheet

Fakuma

Was: Internationale Fachmesse für Kunststoffverarbeitung

Wann: 17. bis 21. Oktober 2017, 9:00 bis 17:00 Uhr, Samstag bis 15:00 Uhr

Wo: DE-Friedrichshafen

Ticket: Tageskarte Euro 28, 2-Tageskarte Euro 47 fakuma-messe.de