Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 11/2017, 10.11.2017

Automatisieren heisst Kommunizieren

Da von Automations- und Handlingsystemen immer mehr Flexibilität gefordert wird, müssen sich auch Antriebe diesem Diktat beugen. Deshalb erweitert Bosch Rexroth die Konnektivität der «IndraDrive»-Antriebe mit weiteren Echtzeit- und Geberschnittstellen. Mit «Open Core Interface for Drives» können Antriebe in die IT-Automation eingebunden werden.

Mehr denn je geht es bei Maschinenanwendern um Zukunftssicherung durch schnelle Reaktionsfähigkeit. In Zeiten der digitalen Vernetzung müssen unterschiedlichste Systeme in den Prozessumgebungen harmonieren. Alle Konzepte zu Industrie 4.0 erfordern eine dezentrale Intelligenz und eine hohe Konnektivität der Automationskomponenten in alle Richtungen. Rexroth setzt deshalb bei der IndraDrive-Antriebsfamilie auf intelligente Bausteine und marktübliche Schnittstellenstandards, um eine herstellerunabhängige Kommunikation zu gewährleisten. Das gilt für die Antriebe IndraDrive Cs, die IndraDrive M, die Indra­Drive Mi in Schutzart IP65 und für die IndraDrive ML. Der Anwender erhält so eine Fülle an Schnittstellenfeatures in elektrischen und hydraulischen Antrieben, die hohe Flexibilität bei der Auswahl der technischen Lösung bietet.

Die IndraDrive-Familie erlaubt die Nutzung sämtlicher gängiger Echtzeit-Feldbussysteme wie Sercos, Multi-Ethernet, Modbus TCP und CANopen. Neu hinzugekommen sind bei der Multi-Ethernet-Variante EtherCAT CoE und Ethernet Powerlink. Zudem werden so genannte Software-Funktionsbausteine angeboten, welche die Anbindung an Fremdsteuerungen vereinfachen. Beispiele für Funktionen sind das Multiplexen von Steuerungsdaten, Prozesse wie Starten, Positionieren, Tippen, Referenzieren oder das Lesen und Schreiben von Parametern.

Eine weitere Besonderheit ist die Schnittstellentechnologie Open Core Interface for Drives (OCI), die Bosch Rexroth im Rahmen des Konzepts Open Core Engineering vorstellte. OCI unterstützt eine Reihe von verschiedenen Programmiersprachen, Entwicklungsumgebungen und Betriebssystemen. Der Clou: Maschinen- und Anlagenentwickler sollen so in ihrer gewohnten Softwareumgebung individuelle Automationslösungen programmieren und direkt auf die Firmware der Antriebe zugreifen können, ohne eine Zeile SPS-Code erstellen zu müssen.

Typische Anwendungsprogramme sind Word, Excel, Access und PowerPoint oder Entwicklungsumgebungen wie Visual Studio, RAD Studio, LabView und MatLab. Das Ganze soll auch mit Linux-basierten Systemen und damit der Entwicklungsumgebung Eclipse, sowie den Sprachen C/C++, Java und Python funktionieren. Die in der Regel auf einem Server, PC oder auf einem Smartphone oder Tablet laufenden Hochsprachenapplikationen werden nicht in den Antrieben abgelegt, sondern verbleiben auf der Ursprungsplattform. Für die Kommunikation mit den Antrieben sorgt das Sercos Internet Protokoll S/IP.

Für die Nutzung von Fremdsoftware via OCI hat der Anwender laut Rexroth nur eine einzige Vorarbeit zu leisten: Er lädt das Software Development Kit (SDK) «Open Core Interface for Drives» aus dem Rexroth Engineering Network auf sein Zielsystem. Das SDK unterstützt den Programmierer mit den verschiedensten Hochsprachenbibliotheken.

Die OCI-Schnittstelle kann auch zum Einsatz kommen, um mit einer selbst programmierten Oberfläche zu arbeiten. Vom SDK unterstützte Tools sind etwa Android Studio und Visual Studio mit Xamarin, wenn die HMI auf einem Smart Device erstellt wird, oder Eclipse (Java). Ebenso ist eine Anbindung über OPC möglich.

Beim Thema Motoransteuerung und Geber sind die IndraDrive-Antriebe laut Anbieter auf dem neuesten Stand. Die Regelgeräte der Antriebsfamilie erlauben die Ansteuerung dreiphasiger Motoren: Synchronmotoren, Asynchronmotoren und auch Reluktanzmotoren. Als Bauart kommen rotative Motoren und Linearmotoren infrage. Um den universellen und flexiblen Einsatz zu gewährleisten, ist die Kommunikation mit fast allen aktuell verfügbaren Gebertypen vorbereitet, also mit analogen, digitalen und Kombigebern. Neu ist hier die Integration der digitalen Acuro-Link-Schnittstelle und die BiSS-Schnittstelle. Die Offenheit des Acuro-Link-Protokolls und die einfache Integrierbarkeit sind entscheidende Vorteile dieser Lösung, die auf Einkabeltechnologie abzielt.

Dank dem Motion-Logic-System IndraMotion MLD kommunizieren die IndraDrive-Antriebe auch untereinander. Damit lassen sich via Sercos mehrere Antriebe zu einer Kleinanlage oder einem Subsystem verbinden. Auf der untergeordneten Ebene können auch andere Geräte über EtherNet/IP oder Sercos angesiedelt sein: E/As, periphere Geräte wie Barcode-Scanner, Kameras, Füllstands- oder Temperaturmelder.

In Summe erleichtern diese Rexroth-Steuerungen die Vernetzung mit anderen Produkten, ermöglichen es mit in Hochsprachen programmierten Funktionen von verschiedensten Plattformen aus auf den Steuerungskern zuzugreifen und schlagen zudem mit dem Open Core Interface die Brücke zwischen Automatisierung und IT-Welt. (msc)

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Bosch Rexroth erweitert die Konnektivität der IndraDrive-Antriebe mit weiteren Echtzeit- und Geberschnittstellen. Das «Open Core Interface for Drives» bietet nun mehr Möglichkeiten, um Antriebe in die IT-Automation einzubinden. (Bilder: Bosch Rexroth AG)


Unterstützte Entwicklungsumgebungen, Betriebssysteme und höhere Programmiersprachen für IndraDrive- und hydraulische Anwendungen.