Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 11/2017, 10.11.2017

Bis 2020 bis zu 1,7 Mio. Industrieroboter mehr

Bis 2020 werden weltweit über 1,7 Millionen neue Industrieroboter installiert. Die Robotikbranche in Asien verzeichnet mit 21 Prozent das stärkste Wachstum. In Nord- und Südamerika steigt der Absatz um 16 und in Europa um 8 Prozent, so die aktuelle IFR-Statistik. Der Roboterboom ist eine Reaktion auf beschleunigte Konjunkturzyklen. Der zweite Teil dieser Analyse zum Schweizer Robotermarkt folgt in der nächsten TR-Ausgabe.

In allen Fertigungsbereichen gilt es, flexibler zu produzieren und auf individuelle Kundenbedürfnisse einzugehen. Eine neue Generation von Industrierobotern ebnet dabei den Weg für die Automation der Zukunft. Das sind Ergebnisse aus dem World-Robotics-Report 2017, der von der International Federation of Robotics (IFR) veröffentlicht wurde. «Roboter arbeiten mit höchster Präzision und werden – mit dem Internet der Dinge vernetzt – eine Schlüsselrolle in neuen digitalen Fertigungsumgebungen spielen», sagt Joe Gemma, Präsident der IFR.

Bis 2020 steigt der weltweite Bestand an Industrierobotern von rund 1 828 000 Einheiten (2016) auf 3 053 000 Einheiten. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 2018 bis 2020 beträgt 14 Prozent. Der operative Roboterbestand in Asien/Australien wird im Jahr 2017 voraussichtlich um 16 Prozent, in Amerika um 9 Prozent und in Europa um 7 Prozent steigen. In China sind seit 2016 die meisten Industrieroboter im Einsatz. Im Jahr 2020 werden es rund 950 300 Einheiten sein, deutlich mehr als in Europa (611 700 Stück). Der japanische Roboterbestand wird zwischen 2018 und 2020 nur leicht ansteigen. In Asien insgesamt werden 2020 rund 1,9 Mio. Roboter im Einsatz sein. Dies entspricht fast dem weltweiten Roboterbestand von 2016.

74 Prozent des Gesamtumsatzes der Industrieroboter entfallen 2016 auf die fünf Hauptmärkte China, Südkorea, Japan, die Vereinigten Staaten und Deutschland. China hat seine führende Position mit einem Marktanteil von 30 Prozent des Gesamtangebots im Jahr 2016 ausgebaut. Mit rund 87 000 verkauften Einheiten näherte sich China sogar dem Gesamtabsatz von Europa und Amerika zusammengerechnet (97 300 Einheiten).

Südkorea ist weltweit der zweitgrösste Markt. Aufgrund hoher Investitionen der Elektro- und Elektronikindustrie stieg der Jahresumsatz bei den Robotern deutlich an. Im Jahr 2016 wurden rund 41 400 Einheiten verkauft, ein Plus von 8 Prozent gegenüber 2015. Südkorea verzeichnet die höchste Roboterdichte der Welt: Rund 630 Roboter pro 10 000 Beschäftigte waren 2016 in der Fertigungsindustrie installiert.

Im führenden Land bei der Roboterfertigung, Japan, stieg der Roboterabsatz 2016 um 10 Prozent auf rund 38 600 Einheiten und erreichte damit den höchsten Stand seit 2006 (37 400 Einheiten). Um die wachsende Nachfrage nach Industrierobotern zu befriedigen, haben die japanischen Hersteller ihre Kapazität seit 2010 stetig erhöht: Die Produktion verdoppelte sich von 73 900 Einheiten im Jahr 2010 auf 152 600 Einheiten 2016. Das entspricht 52 Prozent des weltweiten Lieferumfangs im Jahr 2016.

In den USA stiegen die Roboterinstallationen 2016 um 14 Prozent auf einen Spitzenwert von 31 400 Einheiten. Treiber für das Wachstum seit 2010 ist der Automationstrend, der die Wettbewerbsfähigkeit der US-Industrie in Überseemärkten stärken soll. Man will so die Produktion im heimischen Markt halten. Aufgrund dieser Entwicklung stieg die Roboterdichte in den USA – besonders in der Automobilindustrie – deutlich an. Mit einem Anteil in diesem Bereich von 1261 installierten Robotern pro 10 000 Mitarbeiter rangierten die USA 2016 nach Südkorea auf Platz zwei.

Deutschland ist der fünftgrösste Robotermarkt der Welt und der mit Abstand grösste in Europa. 2016 betrug der Anteil der Neuinstallationen 36 Prozent des gesamten Roboterumsatzes in Europa. Die Zahl der verkauften Roboter stieg im Vergleich zu 2015 (19 945 Stück) leicht auf 20 039 Einheiten.

Die digital vernetzte Fabrik wird eine immer wichtigere Rolle in der globalen Fertigung spielen. Indem Hindernisse wie Systemkomplexität und Dateninkompatibilität überwunden werden, integrieren Betriebe Industrieroboter in die Produktion und die vorhandenen Maschinen- und Systemnetzwerke. Die Roboterhersteller entwickeln bereits heute solche Dienstleistungsmodelle. Diese basieren auf Echtzeitdaten der Roboter, die von Sensoren erfasst werden. Analysten prognostizieren einen schnell wachsenden Markt für Cloud-Robotik: Hier lassen sich Daten von Robotern an unterschiedlichen Standorten synchronisieren und miteinander vergleichen, was es ihnen erlaubt, die gleichen Aktivitäten auszuführen. Damit werden Parameter wie Geschwindigkeit, Winkel oder Krafteinsatz des Roboters optimiert. Die daraus resultierenden neuen Daten in der Fertigung dürften in Zukunft die Branchengrenzen zwischen Anlagenbauern und Herstellern neu definieren.

Einige Roboterhersteller prüfen derzeit Leasingmodelle, um die Akzeptanz bei KMU zu beschleunigen. «Einfachheit» ist für dieses Marktsegment ein wichtiger Trend. Die anhaltende Nachfrage nach Robotern, die einfacher zu programmieren und zu nutzen sind fördert die Entwicklung intelligenter Lösungen. Damit wird es immer wichtiger, einfach zu bedienende Roboter zur Verfügung zu stellen, die sich problemlos und einfach in die Standard-Produktionsprozesse einfügen. (msc)

IFR Statistical Department
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Der weltweite Bestand an Industrie-Robotern soll bis 2020 jedes Jahr um einen zweistelligen Prozentsatz zunehmen. (Grafiken: IFR)


Im Bereich Elektro- und Elektronikindustrie ist die Zunahme bei den per Ende Jahr ausgelieferten Einheiten dramatisch.


Die fünf grössten Märkte installierten 2016 über 74 Prozent der gelieferten Einheiten.