Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 12/2017, 08.12.2017

Erfolgreicher Test in der eigenen Produktion

Welcher Blechfertiger träumt nicht von einer Art Navigationssystem für die eigene Produktion, um Staus und Wartezeiten frühzeitig gemeldet zu bekommen, elegant umgehen zu können und somit schneller und entspannter ans Ziel zu kommen? Bystronic hat zusammen mit Lantek ein MES-System entwickelt, das genau diese Stossrichtung verfolgt. Einer der ersten erfolgreichen Anwender ist Bystronic selbst.

Mit dem «Bystronic MES» verwirklicht der Laser- und Blechspezialist die Vision einer Software-Suite, die helfen soll, alle verfügbaren Ressourcen in der Blechproduktion digital zu erfassen und ideal einzusetzen. Dieses Manufacturing Execution System (MES) wurde zusammen mit dem spanischen Softwareanbieter Lantek entwickelt. Das Besondere dabei ist die konsequente Ausrichtung auf die Blechbearbeitung.

Die Lösung ist modular aufgebaut. Den Einstieg bildet ein umfangreiches Basispaket, das die wichtigsten Funktionen enthält, um das MES-System in die Infrastruktur des Anwenders zu integrieren. Ist die Basisversion erst einmal implementiert, können Anwender die digitale Anbindung weiterer Fertigungsstationen schrittweise integrieren und somit ein individuelles MES aufbauen, das genau auf die eigene Fertigungslandschaft zugeschnitten ist.

In der Basisversion, die seit Sommer 2017 verfügbar ist, unterstützt Bystronic MES zunächst die interaktive Einbindung des Prozessschrittes Laserschneiden. Der Prozessschritt Biegen wird als Nächstes folgen. Damit ermöglicht Bystronic den offenen Datentransfer mit der Programmiersoftware «BySoft 7» und die Vernetzung mit Bystronic-eigenen Laserschneidsystemen. Die durchgehende Anbindung erleichtert zum Beispiel Rückmeldungen über den Fertigungszustand an den Maschinen, über den Start der Schneidaufträge, die verbleibende Bearbeitungszeit und das Ende der Aufträge. Diese Informationen fliessen über das MES bis ins ERP-System des Anwenders zurück.

Ebenso werden Schneidpläne aus BySoft 7 direkt ins MES überführt und von hier aus auf die eingebundenen Bystronic Laserschneidsysteme verteilt. Umgekehrt können Fertigungsteile, die sich virtuell bereits als Schneidauftrag im MES befinden, jederzeit in BySoft 7 angepasst werden. Neben der interaktiven Einbindung des Laserschneidens integriert das Bystronic MES auch Fertigungsstationen mit Fremdsystemen und manuellen Arbeitsstationen.

Bystronic treibt diese digitale Erschliessung der Blechfertigung auch in der eigenen Produktion voran. Am schweizerischen Hauptsitz in Niederönz wird das Bystronic MES bereits erfolgreich eingesetzt, wie Fabian Furrer, Leiter der Produktion vor Ort. bestätigt: «Das Bystronic MES macht unsere Blechfertigung in einer bisher nicht erreichbaren Tiefe transparent und schlank.»

In der Fertigung erfasst das MES in Niederönz zwei Faserlaser, einen CO2-Laser und einen manuellen Schweissarbeitsplatz. Die Laser sind interaktiv eingebunden. Sie liefern sämtliche Informationen der Fertigungsstationen vollautomatisch an das MES. Von hier aus gelangen die Daten direkt in das angebundene ERP-System des Standortes. Die Schneidpläne für die Laser werden in BySoft 7 erstellt. Die Programmiersoftware ist ebenfalls interaktiv an das Bystronic MES angebunden.

«Wir bauen das Bystronic MES schrittweise aus, um lange Stillstände in der Fertigung zu vermeiden», erklärt Fabian Furrer. Nach dem Laserschneiden und dem Schweissen sollen im nächsten Schritt eine Biegeautomation, mehrere manuelle Biegestationen und zwei Schweissroboter in das MES integriert werden. Später werden auch noch die spanabhebenden Bearbeitungszentren dazukommen.

Schon jetzt zeigt sich, was das Bystronic MES in der Fertigung bewirkt, sagt Fabian Furrer. In den eingebundenen Bereichen spart man Papier und lange Wege. Dank der vollautomatischen Rückmeldung der Laserstationen hat man Dokumente abschaffen können, die vorher Informationen aus der Fertigung sammelten und anschliessend manuell ins ERP-System überführt werden mussten. Zudem bekommen die Bediener an den Arbeitsstationen nun alle wichtigen Informationen aus der Produktionsplanung digital auf Monitore zugespielt. Damit sind Fertigungspläne, Bearbeitungsanweisungen und Zeitvorgaben per Klick auf dem Touchscreen jeder angebundenen Arbeitsstation verfügbar.

«Wir werden unsere Fertigung in Zukunft einfacher analysieren und verbessern können», ist sich Furrer sicher. Man sieht schon jetzt freie Ressourcen, die optimal genutzt werden können, um Engpässe zu vermeiden. Das Bystronic MES schafft dadurch Transparenz über alle integrierten Fertigungsbereiche mit weitreichenden Folgen, wie Fabian Furrer betont: «Die kosten- und durchlaufzeitoptimierte Fertigung ist für den Schweizer Produktionsstandort im globalen Wettbewerb ein entscheidender Erfolgsfaktor.»(pi)

Bystronic-Group
3362 Niederönz, Tel. 062 956 33 33
info.laser@bystronic.com



Mit Bystronic MES planen, überwachen und steuern Anwender ihre Produktion vom Auftragseingang bis hin zum fertigen Produkt. (Bilder: Bystronic)


Fabian Furrer, Leiter der Produktion in Niederönz: «Wir werden unsere Fertigung in Zukunft einfacher analysieren und verbessern können.»

Auf einen Blick

Bystronic MES

Das Bystronic MES verspricht die digitale Transparenz über die gesamte Wertschöpfungskette von Blechprodukten. Alle Schritte vom Auftragseingang bis zur Auslieferung der fertigen Produkte werden digital erfasst:
In der Fertigung verteilt es die erstellten Schneid- und Biegepläne auf die Ressourcen der verfügbaren Maschinen. Das soll Fehlproduktionen genauso vermeiden wie Engpässe auf den Fertigungsstationen und lange Liegezeiten.
Einkauf und Logistik können mithilfe des MES in Zukunft Material je nach Auftragslage beschaffen und es Just-in-time bereitstellen.
Endkunden erhalten jederzeit genaue Informationen darüber, in welchem Fertigungsschritt sich ihre Produkte befinden und bis wann sie zugestellt werden. Nach Auftragsabschluss stehen die Daten aus der Fertigung zur Auswertung bereit.
Das Controlling kann präziser kalkulieren. Dadurch ist es möglich, die gesamte Prozesskette detaillierter zu bewerten und im nächsten Schritt nachhaltiger zu optimieren.