Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 02/2017, 17.02.2017

«Werden uns zu einem Komplettanbieter wandeln»

Gühring hat zur letzten Messe «AMB» in Stuttgart erstmals drei Stechsysteme vorgestellt, die gleichzeitig den Auftakt für ein neues Drehwerkzeugprogramm markieren. Die «Technische Rundschau» sprach mit Marcel Hofer, Anwendungstechnik und Verkauf bei der Gühring (Schweiz) AG, über den Hintergrund dieses Markteinstiegs und welche Vorteile der Anwender davon hat.

Autor: Wolfgang Pittrich

Herr Hofer, warum steigt Gühring jetzt in die Drehbearbeitung mit stehenden Werkzeugen ein?

Gühring ist Marktführer im Bereich der Bohrungsbearbeitung. Dazu gehören rotierende Werkzeuge wie auch stehende Werkzeuge. Für uns waren bis heute bei vielen Operationen wie Bohren und Reiben Anwendungen, in denen die Werkzeuge rotieren, wesentlich einfacher zu realisieren als solche mit stehenden Werkzeugen.

Warum ist das so?

Auf Drehmaschinen ist beispielsweise der stabile Vollhartmetallbohrer nicht immer die optimale Lösung. Um Achsfehler zwischen Revolver und Drehspindel aufzufangen, setzen wir beispielsweise oft die Wechselplattenbohrer mit flexiblem Stahlschaft oder in kleinen Durchmessern sogar unsere gelöteten Bohrer «RT 80» ein. Noch aufwendiger kann es beim Reiben mit stehendem Werkzeug werden. Da sind oft Pendelhalter oder bei der Hochgeschwindigkeitsbearbeitung sogenannte modulare Ausrichtadapter von Gühring notwendig ...

Das tönt nach einem gewissen Aufwand.

Zugegeben: Die Ausrichterei ist nicht einfach. Deshalb sind Innenausdrehwerkzeuge oft Reibwerkzeugen überlegen. Die Entwickler bei Gühring haben dieses Bedürfnis nach zusätzlichen Werkzeugen für den stehenden Einsatz von uns Vertrieblern ernst genommen.

Um welche Werkzeuge handelt es sich?

Die Systeme «104» und «106» umfassen die Bereiche Ausdrehen, Einstechen, Axialstechen, Gewindedrehen und Nutstossen von Innendurchmessern in einem Bereich von 0,7 bis 6,0 Millimeter. Beim System «305» handelt es sich um eine dreifach wechselbare Wendeschneidplatte für die Innenbearbeitung ab einem Durchmesser von 40 Millimeter und die Aussenbearbeitung von Sonderprofilen.

Der Markt in diesem Bereich ist bereits prominent besetzt. Mit welchen Besonderheiten kann das Gühring-Stechsystem aufwarten?

Das Einstechsystem kann durch ein Zusammenspiel von Anwenderfreundlichkeit und Flexibilität punkten. Zudem kommt eine am Markt wettbewerbsfähige, gleichbleibend gute Qualität zu einem für den Kunden interessanten Preis. Das Geheimnis, warum Gühring seine Stechwerkzeuge am Markt zu einem günstigeren Preis anbieten kann als der Wettbewerb, liegt in der hundertprozentigen Eigenfertigungstiefe. Und diesen Preis- und Qualitätsvorteil gibt Gühring direkt an seine Kunden weiter.

Und welche technologischen Vorzüge bieten die neuen Systeme?

Die Systeme 104 und 106 überzeugen durch ihre hohe Wechselgenauigkeit von Schneide zu Schneide. Ein weiterer Vorteil ist der Einsatz der Schneide sowohl in Normallage als auch in Überkopflage ohne den Ausbau des Klemmhalters. Zudem verfügen die Systeme über eine permanente Innenkühlung der Schneide durch den Klemmhalter, auch wenn das Werkzeug im Einsatz ist.

Welche Anwendervorteile offeriert die 305er-Reihe für die Innenbearbeitung?

Das System 305 verfügt ebenso über eine patentierte Neuentwicklung. Über einen Klemmhalter mit Verstellbolzen lässt sich die Kühlung der Schneide variieren. Der Kunde hat die Möglichkeit, seine Schneide wahlweise nur von unten oder nur von oben zu kühlen oder aus beiden Richtungen. Auf eine anwenderfreundliche Verstellung des Bolzens wurde ebenfalls Wert gelegt. Ausserdem benötigt man durch den beidseitig gesenkten Rohling keine rechten und linken Wendeschneidplatten mehr.

Welche Zielgruppen adressiert Gühring mit seinem neuen Stechprogramm?

Mit den drei neuen Einstechsystemen stehen alle bisherigen Kunden von Gühring im Fokus. Das Angenehme für den Kunden ist, dass er jetzt alles vom Bohrer bis zum Ausdreher aus einer Hand und von einem Ansprechpartner erhalten kann. Das Stechprogramm wird in den nächsten Jahren kontinuierlich wachsen, und damit wird sich Gühring zu einem Komplettanbieter von Werkzeugsystemen wandeln.

Die EMO in Hannover ist zwar noch ein Stück weit weg, trotzdem die Frage: Wird es da bereits Neuheiten zu sehen geben?

Es werden bei den Systemen 104 und 106 Klemmhalter für Langdreher hinzu kommen sowie modulare Aufnahmen. Zudem wird der Umfang der Schneideinsätze in Durchmesser-, Radien- und Längenabmessungen erweitert. Beim System 305 werden Wendeschneidplatten mit gesinterter Spangeometrie kommen sowie ebenfalls eine Erweiterung des Klemmhalterspektrums. Ausserdem ist für die EMO ein neuer Einstechsystemekatalog in Vorbereitung. Dieser Katalog wird sich um die bisherigen drei Systeme 104, 106 und 305 und deren Erweiterungen drehen. Ein Zweischneidersystem für tiefe Einstiche und Abstechwerkzeuge ist für das Jahr 2018 geplant.

Gühring (Schweiz) AG 6343 Rotkreuz, Tel. 041 798 20 80 info@guehring.ch

Intec Leipzig Halle 3 Stand B42/C41



Marcel Hofer, Gühring (Schweiz) AG: «Die neuen Stechsysteme überzeugen durch ihre hohe Wechselge- nauigkeit.» (Bild: TR)