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Ausgabe 02/2017, 17.02.2017

Produktivität war Trumpf

Einmal mehr hat die Prodex Ende vorigen Jahres bewiesen, dass sie als die fertigungstechnische Leitmesse in der Schweiz gilt. Alle namhaften Werkzeugmaschinen-, Werkzeuge- und Peripherieanbieter waren vertreten. Das Motto «Produktivität» in Form von leistungssteigernden Werkzeugen, schlanken Automatisierungslösungen oder kompakten Werkzeugmaschinen zog sich wie ein roter Faden durch das Messeangebot. Die Technische Rundschau stellt auf den folgenden Seiten ausgewählte Produkte vor.

(pi) Die Prodex verzeichnete gut 30 000 Besucher, die sich für das Angebot der 330 Aussteller in den voll belegten Basler Messehallen 1.0 und 1.1 interessierten. Dies entspricht einem leichten Zuwachs gegenüber 2014. Vor dem Hintergrund einer immer noch zögerlichen Konjunkturerholung der Schweizer MEM-Branche war die Messe ein wichtiger Testlauf dafür, wie sich die Konjunktur in diesem Jahr entwickeln könnte.

Herbert Sohm, Bereichsleiter Werkzeugmaschinen bei Walter Meier (Fertigungslösungen) AG, bemerkte dazu: «Für uns war die Prodex sehr wichtig. Wir präsentierten uns erstmals mit unserem neuen Erscheinungsbild, und wir dürfen bezüglich Besucher mit grosser Zufriedenheit auf die vier Messetage zurück blicken.»

Wobei die Besucher sich nicht nur über State-of-the-art-Technologie informieren konnten. Auch die hochaktuellen Trends «Additive Manufacturing» wie auch der gesamte digitale Wandel, Stichwort: Industrie 4.0, wurden sowohl auf den Messeständen thematisiert wie auch im Rahmen der Sonderschau «Professional 3D-Printing» und dem Forum. Dort organisierte und moderierte die «Technische Rundschau» an vier Halbtagen die viel beachteten Vorträge rund um das Thema «3D-Printing».

Doch kommen wir zu den Exponaten und werfen zuerst einen Blick auf das Angebot der Präzisionswerkzeughersteller.

Big Kaiser zeigte mit dem «Hi-Power-Milling-Chuck» (HMC) ein extra schlankes Fräserspannfutter mit peripherer Kühlmittelzufuhr, das hohe Leistung und Präzision für anspruchsvolle Zerspanungsaufgaben verspricht.

Ausgelegt für die Schwerzerspanung bringt das Futter laut Hersteller aufgrund speziellem Schlitzdesign eine höhere Spannkraft auf als alle vergleichbaren Spannfutter in seiner Klasse. Und obwohl es für die Volumenzerspanung entwickelt wurde, verfügt das HMC-Futter über eine Rundlaufgenauigkeit von 10 µm bei 4 × D Aufspannlänge.

Höhere Produktivität in Form von mehr Standzeit liefern die neuen «WMS01»-Sorten und die neue «MS3»-Geometrie von Walter. Die im «HIPIMS»-Verfahren hergestellten Sorte WSM01 überzeugt durch eine extrem glatte Oberfläche und zeichnet sich ausserdem durch eine sehr gute Schichtdickenverteilung und Schichtanbindung aus. Nicht umsonst wird sie von Walter – in Kombination mit der neuen Geometrie – als «ideal zur Bearbeitung von schwer zerspanbaren ISO-S-Werkstoffen wie Ti-tanlegierungen, Kobalt- und Nickelbasislegierungen» gepriesen.

Die negative Wendeschneidplatte mit MS3-Geometrie gibt es sowohl umfanggesintert als auch umfanggeschliffen. Die glatte Oberfläche und die sehr scharfe Schneide halten dabei die Aufbauschneidenbildung gering und sorgen für eine hohe Oberflächengüte. Die neue Platte eignet sich laut Walter besonders zum Bearbeiten labiler oder dünnwandiger Bauteile mit langer Auskragung. Denn: Allfällige Vibrationen können aufgrund geringen Schnittdrucks vermieden werden.

Ebenfalls um höhere Zerspanungsraten und prozesssicheres Bearbeiten geht es bei den neuen «CoroMill 390 Silent Tools» von Sandvik Coromant. Die Fräser sind speziell für die Bearbeitung von Titan konzipiert. Hintergrund: Im Flugzeugbau sind Taschen das häufigste Merkmal bei Strukturbauteilen aus Titan. Weil sie oft mit einer Tiefe grösser als dem vierfachen Fräswerkzeugdurchmesser aufwarten, stellt die Bearbeitung in einem derart anspruchsvollen Werkstoff eine grosse Herausforderung dar – mit hohen Anforderungen an die Prozessstabilität und -qualität sowie potenziell erreichbaren Zerspanungsraten.

CoroMill 390 Silent Tools punktet mit leichtschneidenden Wendeschneidplattengeometrien und Hochleistungssorten, die geringe Schnittkräfte und eine vibrationsfreie Zerspanung für eine sichere, kosteneffektive Fräsbearbeitung liefern. Die Fräser sind in Durchmessern von 20 bis 32 mm erhältlich; entweder mit Zylinderschaft oder Coromant-Capto-Schnittstelle.

Automatisierungslösungen für Schweizer Lohnfertiger sollten platzsparend, einfach zu bedienen und flexibel einsetzbar sein. Die «Eco»-Zelle von HandlingTech beherzigt diese Prämissen. Durch die Roboteranordnung wird der Arbeitsraum vor der Maschine frei gehalten. Der Bediener hat somit freien Zugang zur Maschine. Die Zelle selbst braucht wenig Stellfläche, ist leicht adaptierbar und flexibel an Maschinen im Wechsel einzusetzen.

Ein weiteres Merkmal der «Eco Z» ist die nach vorn geneigte Stellung des Roboters. Dadurch kann er quasi um die Ecke greifen. Zum Austausch abgearbeiteter Werkstückpaletten lassen sich die Schubladen auch auf der Rückseite herausziehen. So kann das Befüllen der Werkstückspeicher oder die Entnahme von Fertigteilen während des Betriebes ohne Stillstand der Maschine erfolgen.

Ebenfalls mit einem pfiffigen, da einfachen Automatisierungskonzept kam Walter Meier auf die Prodex. Der Fertigungsspezialist präsentierte mit dem «Multi Pallet System MPS 400» seine neueste Eigenentwicklung. Zusammen mit dem Bearbeitungszentrum «Robodrill D21M» von Fanuc bildet das MPS 400 eine produktive und kostengünstige Automatisierungslösung auf engstem Raum. In Abhängigkeit der Werkstückhöhe können bis zu 24 Paletten vom mobilen Palettenstapel mannlos abgearbeitet werden. Das MPS mit einer Gesamtbreite von nur 400 mm ist flexibel konfigurierbar, lässt sich auf individuelle Bedürfnisse anpassen und erlaubt eine mannlose 3- bis 5-Achsbearbeitung über mehrere Schichten.

Natürlich ist es schwierig, aus der Unzahl an neuen Werkzeugmaschinen, die zur Prodex vorgestellt wurden, ein Exemplar herauszugreifen. Aber die Kompaktfräsmaschine «CM-1» von Haas, zu sehen gewesen auf dem Stand von Urma, ist eine für die Schweiz prädestinierte Maschine. Sie bietet sich für die Grossserienproduktion kleiner Präzisionsteile genauso an wie für die Fertigung von Prototypen in der Kommunikationsindustrie, in der Luft-und Raumfahrt oder der Medizinaltechnik.

Die Fräsmaschine ist dabei so kompakt, dass sie in die meisten Lastenaufzüge passt. Trotzdem besitzt sie Verfahrwege von 305 × 254 × 305 mm (X×Y×Z), einen T-Nutentisch von 508 × 254 mm, eine 3,7-kW-Spindel mit bis zu 30 000 min-1 Drehzahl sowie einen automatischen Werkzeugwechsler mit 20 Magazinplätzen. Die Vorschübe mit einer Geschwindigkeit von bis zu 12,7 m/min und die Eilgänge von bis zu 19,2 m/min liegen im durchaus akzeptablen Bereich.

Die CM-1 ist mit einer Steuerung der neuesten Generation (NGC) von Haas ausgestattet. Sie zeichnet sich laut Hersteller durch eine branchenweit führende Bedienerfreundlichkeit aus. Die Anwender profitieren von einer intuitiven Navigation, der Kontrolle des Werkzeugmittelpunktes zur einfacheren 4- und 5-Achsbearbeitung sowie von einem neuen visuellen Programmiersystem (VPS) zum Generieren von G-Code-Programmen.

Benutzerfreundlich lautet auch das Credo von Fanuc, wenn es um die neue Steuerungsoberfläche «iHMI» geht. Sie soll die CNC-Maschinenbedienung einfacher machen. Sowohl Hardware- als auch Bedienoberfläche erscheinen in neuem Design. Die Hardware ist insgesamt sehr flach; die Tasten gut und ergonomisch angeordnet. Die Abmessungen des Bedienpanels inklusive Monitor sind kompatibel mit bestehenden Einheiten. Die neuen Panels können daher nahtlos in vorhandene Maschinenkonzepte übernommen werden.

Die manuelle Dateneingabe (MDI) wurde verbessert, weil die Tasten schneller und leichter ansprechen. Das Front-End ist nun mit den Schutzarten IP 67F/65F besser gegen Kühlschmiermittel geschützt. Im Übrigen folgt auch das neue iHMI dem «Seamless Concept» von Fanuc, wonach die Oberflächen aller Steuerungen einheitlich gestaltet sind. Insbesondere für Werkzeugmaschinenhersteller mit Baukastenbaureihen ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Die LNS Group, nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei Peripheriegeräten für die Werkzeugmaschinenindustrie, präsentierte eine «revolutionäre Lösung» im Bereich der Feinfiltration, den «SFcompact». Im Vergleich mit traditionellen Trommelfilterförderern soll das neue, modulare System mit kompakten Dimensionen und einer hohen Filtrationsleistung punkten.

Jamie Towers, LNS-Produktmanager für Späneförderer und Kühlsysteme, bemerkt dazu: «Die Grundfläche des SFcompact ist um 30 Prozent geringer als bei Trommelfilterförderern. Darüber hinaus ist er einfacher zu integrieren. In den meisten Fällen wird kein spezieller Tank benötigt.» Der SFcompact bietet eine selbstreinigende Filtration bis zu 50 µm.

Die Fachleute von LNS hatten bei der Entwicklung des neuen Späneförderers ein Hauptziel: Er soll die Gesamtproduktivität erhöhen. Die modulare Konstruktion des SFcompact vereinfacht auch die Wartung. Ein Filtermodul soll in nur 30 Minuten gewechselt werden.

Diese erhöhte Effizienz hat Einfluss auf den gesamten Produktionsprozess: Weniger Späne im Tank bedeuten weniger Entleerungen und geringere Stillstandszeiten. Eine längere Lebensdauer des Kühlmittels trägt dazu bei, Kühlmittel und Instandhaltungskosten zu minimieren. Ausserdem führt ein sauberer und effizienter Kühlschmierstoff zu verbesserter Oberflächengüte. Jamie Towers: «All das zusammen bedeutet einen exzellenten Return on Investment für unsere Kunden.»

www.ch.bigkaiser.com

www.fanucfa.com

www.handlingtech.de

www.lns-group.com

www.prodex.ch

www.sandvik.coromant.com

www.urma.ch

www.waltermeier.com

www.walter-tools.com



Der neue CoroMill 390 Silent Tools-Fräser verspricht eine hohe Zerspanungs- performance bei Titanwerkstoffen. (Bild: Sandvik Coromant)


Big Kaiser zeigte mit dem Hi-Power Milling Chuck (HMC) ein extra schlankes Fräserspannfutter mit peripherer Kühlmittelzufuhr. (Bild: Big Kaiser)


Raumwunder: Trotz kleiner Abmessungen bietet die CM-1-Fräsmaschine eine Aufspannfläche von 305 × 254 × 305 mm. (Bild: Haas)


Höhere Produktivität in Form von mehr Standzeit liefern die neuen MS3-Fräsgeometrien . (Bild: Walter)


Zusammen mit dem Bearbeitungszentrum Robodrill D21M von Fanuc bildet das MPS 400 eine platzsparende und kostengünstige Automatisierungsslösung. (Bild: Walter Meier)


Der Späneförderer SFcompact verspricht eine Erhöhung der Gesamtproduktivität. (Bild: LNS)


Die aufgeräumte Oberfläche der neuen iHMI soll das Arbeiten noch effizienter als bisher machen. (Bild: Fanuc)