Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG

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Ausgabe 02/2017, 17.01.2017

Trotz Besucherrückgang alles andere als Katzenjammer

Die 27. Ausgabe der Messe «SPS IPC Drives» von Ende November verzeichnete zwar einen marginalen Besucherrückgang, baute aber ihre Stellung als Leitmesse in der industriellen Automatisierung aus: Nirgendwo sonst waren bisher mehr konkrete Umsetzungen von Industrie 4.0 zu sehen. Klare Trendthemen auf der Messe: Der Einzug der Roboter in immer mehr Automatisierungsfelder und Datenmanagement via Cloud.

(msc) Trotz leichtem Besucherrückgang war die «SPS IPC Drives» in Nürnberg für den Veranstalter Mesago ein Erfolg. Dies bestätigten auch die Gespräche mit Ausstellern und Messebesuchern. Die Veranstaltung 2016 in den nackten Zahlen von Mesago: Aussteller 1601 (2015: 1668; minus 4 Prozent), Ausstellungsfläche: 122 200 m² (2015: 122.800 m²; minus 0,5 Prozent); Besucher: 63.291 (2015: 64.386; minus 1,7 Prozent). Mit 523 Unternehmen aus 44 Ländern, neben Deutschland, bestätigte die Messe ihren Stellenwert als bedeutender internationaler Marktplatz der Automatisierungsbranche.

Hier einige Stimmen zur Messe:

Heinz Eisenbeiss, Leiter Marketing & Promotion Simatec, Siemens, hielt fest: «Auf der SPS IPC Drives 2016 fanden sich verstärkt Trendthemen in Richtung Zukunft. Besucher suchen hier auch eine Art Guidance, Perspektiven. Die SPS eignet sich sehr gut für solche Diskussionen, weit über den Austausch von technischen Daten hinaus.»

Auch Steffen Haack, Mitglied des Bereichsvorstandes Industrial Applications und Vertrieb, Bosch Rexroth AG, zog ein sehr positives Fazit: «Industrie 4.0 wurde auf der Messe sehr greifbar, sehr praktikabel und führte für uns zu konkreten Kundenprojekten.»

Gunther Koschnick, Geschäftsführer Fachverband Automation, ZVEI, sagte: «Mir fiel intensiv auf, dass wir auf vielen Ständen die Kooperation zwischen ‹Shop Floor› und ‹Office Floor› sahen. Die Vision Industrie 4.0 zeigte sich auf der Messe in konkreten, marktfähigen Lösungen mit Nutzentransport.»

Konkrete Anwendungsbeispiele für Industrie 4.0 wurden auf einer Vielzahl von Messeständen gezeigt. Konsens herrschte darüber, dass die Basis einer erfolgreichen Industrie-4.0-Strategie ein einheitlicher Datenansatz vom Sensor bis in die Cloud-Plattform ist. Ins Auge fiel, dass mit der Automatisierung der letzten noch nicht erfassten Felder die Roboter und dabei insbesondere die kollaborativen Versionen stark an Bedeutung gewinnen, daneben auch die Cloud als Datenspeicher und -verteiler. In der Folge stellen wir in alphabetischer Reihenfolge einige ausgesuchte Produkte und Lösungen vor, die es uns besonders angetan haben.

ABB lanciert mit «Zenon» eine offene HMI- und On-Premises-Betriebsdatenmanagementsoftware. Sie soll sichere Überwachung, Bedienung, Prüfung, Datenerfassung und Berichterstattung für Fertigungsanlagen bieten und von der einzelnen Maschine bis zur Zusammenfassung mehrerer Fertigungsstandorte skalierbar sein. Die Software ist durch ein Sicherheitssystem geschützt.

B&R bietet mit dem Prozessleitsystem «Aprol» produzierenden Unternehmen die Möglichkeit, alle ihre Daten in der Cloud einfach und sicher zu speichern und zu managen. So können sie für die Verwaltung und Nutzung von Big Data die Kosten eines eigenen Rechenzentrums, das für eine selbst gehostete «Private Cloud» Bedingung wäre, einsparen, ohne Abstriche bei der Verfügbarkeit der Daten und der Sicherheit machen zu müssen. Mit der Software stehen beim Vorverarbeiten und Aussortieren der nicht zu übermittelnden Daten sämtliche Vorteile der Public Cloud zur Verfügung, etwa eine beliebig skalierbare IT-Infrastruktur, weltweite Verfügbarkeit und Cloud-Services für Big-Data-Analysen. Die Software wird in der Produktionsstätte auf einem Industrie-PC eingerichtet. Dort werden Daten vorverarbeitet und komprimiert. Eine zweite Installation läuft auf einem virtuellen Computer in der Cloud. Dort können Daten von beliebig vielen solcher Installationen gesammelt werden.

Balluff zeigte die weltweit erste Safety-Lösung für IO-Link. Der gelbe Safety-Hub «Safety over IO-Link» wird zur Integration in die Sicherheitstechnik lediglich an einen IO-Link-Standard-Master angebunden. Er reagiert schnell und kann den Schaltschrank ersetzen. Anlagenhersteller nutzen mit der Safety-Lösung IO-Link-Vorzüge wie einfachen Datentransport, hohe Flexibilität und universelle Einsetzbarkeit. Der Safety-Hub erfüllt Sicherheitsanforderungen bis PLe/SIL3.

Baumer präsentierte erstmals seine neuen 3D-Kameras aus der Reihe «LX VisualApplets» mit integrierter Bildvorverarbeitung Mit ihrer Auflösung von bis zu 12 Megapixel, der Zeilenlänge von 2 K beziehungsweise 4 K und Profilraten von mehr als 2,5 kHz bei 128 Zeilen ermöglichen diese 3D-Kameras präzise und schnelle Lasertriangulationsapplikationen. Ein Applet für die Lasertriangulation ermöglicht es, den Schwerpunkt der Laserlinie subpixelgenau bereits in der Kamera zu lokalisieren und nur die Profildaten zu übertragen. So wird die Datenmenge direkt in der Kamera reduziert. Ebenfalls neu im Programm sind die jetzt doppelt so schnellen 510er-, 700er- und 800er-«VeriSens»-Modelle der XC-, XF- und ID-Serie mit integriertem Industrial Ethernet.

Beckhoff präsentierte den neuen Ultra-Compact-IPC «C 6015». Der Winzling ist universell für Automatisierungs-, Visualisierungs- und Kommunikationsaufgaben und damit auch für EtherCAT-basierte Applikationen einsetzbar. Er erschliesst Anwendungsbereiche, die der IPC-Technologie bisher aus Kosten- oder Platzgründen verschlossen waren. Der nur 82 × 82 × 40 mm grosse industrie­taugliche Multi-Core-IPC baut um den Faktor 3 kompakter als der «C 6905», der bisher kleinste Schaltschrank-IPC im Portfolio.

Essert brachte eine neue Generation von Augmented-Reality-Datenbrillen mit Hologrammtechik, Gestensteuerung und Schnittstelle. Damit steht der Servicetechniker vor einer gläsernen Maschine oder Anlage, sobald der externe Supporter ihm die nötigen Informationen wie Spezifikationenund Gerätebeschreibungen oder Videos auf die Datenbrille übermittelt. Über die Brille verbunden, kommunizieren Anwender und Experte per Bild und Sprache. Über branchentypische Augmented Automation Apps können Anwender ihre Werkstatt- und Serviceprozesse standardisieren und gestalten.

ifm Electronic brachte das erste mobile 3D-Sensorsystem mit integrierter 2D-Kamera und Overlay-Funktion nach Nürnberg. Diese für den mobilen Einsatz konzipierte 3D-Smart-Camera ist das erste 3D-Sensorsystem mit zusätzlich integrierter 2D-Kamera. In Echtzeit können durch die Overlay-Funktion grafisch Hindernisse angezeigt sowie Warnungen, Symbole und komplexe Zeichnungen ausgegeben werden. Dank Signalverarbeitung im Sensor ist keine externe Prozess­einheit erforderlich.

Kistler lancierte mit dem Drehmomentsensor «KiTorq 4550 A» Sensortechnologie für höchste Genauigkeit mit Winkelerfassung. Er erlaubt eine Ermittlung von Drehmoment, Drehzahl oder Drehwinkel mit einer besonders hohen Auflösung von bis zu 8192 Impulsen pro Umdrehung. Die Anzahl der Impulse kann frei gewählt werden. Das Drehmoment-Messflanschsystem besteht aus Messkörper, Rotor, Drehmoment-Auswerteeinheit und ringlosem Stator. Dieser ermöglicht den Einsatz unterschiedlicher Messkörper ohne den Komplettumbau der Prüfeinrichtung.

National Instuments, führender Anbieter von Steuerungen basierend auf FPGA, gab auf der Messe bekannt, dass man mit Semikron, einem führenden Unternehmen im Bereich Leistungselektronik, eine strategische Zusammenarbeit eingehe. Sie zielt darauf ab, den Entwicklungs- und Implementierungsaufwand für Stromrichter – also auch Frequenzumrichter – auf ein Viertel zu senken.

Pilz demonstrierte auf dem Messestand, wie sich eine echte Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) sicher umsetzen lässt, und wie Konstrukteure und Anwender auch bei modular aufgebauten und verteilten Anlagen im Sinne von Industrie 4.0 die Übersicht behalten. Der komplett mit Lösungen von Pilz automatisierte Smart-Factory-Demonstrator zeigte, wie individualisierte Produkte schnell, flexibel und kosteneffizient gefertigt werden können. Eine modulare Produktionsstrasse veranschaulichte die Kommunikation verteilter Automatisierungssysteme im Zusammenspiel mit Aktorik und Sensorik. Das neue Industrie-4.0-fähige Automatisierungssystem «PSS 4000» koordinierte den Ablauf aller vernetzten Komponenten, von der Sicherheit und Automation über Engineering bis hin zur Visualisierung.

Schmersal zeigte mit der Baureihe «SLB 240/440/450» die kleinsten Sicherheitslichtschranken der Welt mit integrierter Auswertung. Die SLB 240 und 440 lassen sich mit Kabelanschluss (Abmessungen: 28 × 32 × 72 mm) oder mit Steckeranschluss auch in sehr enge Einbauräume integrieren. Beide Modelle bieten eine Reichweite von 15 m, die grössere SLB 450 reicht bis zu 75 m weit. Die Einstrahl-Sicherheitslichtschranken eignen sich besonderes für die Absicherung kleinerer Gefahrenstellen – wie etwa Maschinen mit kleinen Öffnungen oder Schlitzen.

Schneider Electric stellte den Frequenzumrichter «Altivar 340» vor. Er soll einfach zu konfigurieren, sehr flexibel, robust und sicher sein und wurde eigens für Hochleistungsanwendungen entwickelt. Damit eignet er sich zum Steuern und Regeln von Synchron-, Asynchron- und Reluktanzmotoren bis 75 kW, etwa in der Holzbearbeitungs- und Verpackungsindustrie sowie im Bereich Fördern und Heben.

Sick bietet neu eine Ereigniskamera an, die es ermöglicht, reale Bilder und Filmsequenzen des Geschehens in einer Anlage zu machen. Die Kamera ist nahtlos integriert in die industrielle Sensorik desselben Anbieters und liefert ereignisgesteuerte Filmsequenzen direkt in die Cloud und auf eine integrierte SD-Karte. Die Sequenzen zeigen, was unmittelbar vor und nach einem Ereignis passiert. Die Kamera nimmt permanent Prozesse auf, reagiert jedoch erst, wenn sie von einem anderen Sensor einen Trigger erhält. Auslöser dafür kann zum Beispiel die Detektion des falschen Profils bei der Profilüberwachung sein. Die getriggerte Kamera speichert die Videosequenz kurz vor und nach dem Ereignis und schickt sie in die Cloud. So erhält der Anlagenbetreiber Erkenntnisse über die Ursache von Fehlverhalten der Anlage, etwa über Schutzfeldverletzungen oder das Ausschleusen von Material.

www.abb.com/ch

www.balluff.com

www.baumer.com/ch

www.beckhoff.ch

www.br-automation.com

www.essert.com

www.ifm.com/ifmch

www.kistler.com/ch

www.ni.com/de-ch

www.pilz.com/de-ch

www.schmersal.ch

www.schneider-electric.com

www.sick.com



Immer mehr Roboter bilden auf der «SPS IPC Drives» den Rahmen für die Fachdiskussionen auf den Messeständen. (Bild: Mesago/Thomas Geiger)


ABB Zenon für Tablet und Smartphone. (Bild: ABB)


Mit der Datenbrille von Essert wird die gläserne Maschine Realität. (Bild: Essert)


Der neue Drehmomentsensor «KiTorq 4550 A» von Kistler. (Bild: Kistler)


Das erste mobile 3D-Sensorsystem mit integrierter 2D-Kamera von ifm Electronic. (Bild: ifm)


Pilz baute eine komplette Smart Factory im Miniaturformat auf. (Bild: Pilz)