Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 03/2017, 17.03.2017

Ein zukunftsfähiges Modell

Bei der FME Feinmechanik AG ist seit der Integration von kollaborierenden Leichtbaurobotern in den Arbeitsalltag die Produktivität so markant gestiegen, dass eine zusätzliche Stelle geschaffen wurde. Die wirtschaftliche Erfolgskurve zeigt ebenfalls nach oben.

(msc) Keine Frage, eine Arbeit, die darin besteht, acht Stunden lang alle 13 Sekunden eine Gewindehülse in eine Maschine zu legen, zu warten bis sie beschriftet wird und sie herauszunehmen, um dann die nächste Gewindehülse einzulegen, ist mühsam und belastend. Aufgaben wie diese sind in vielen Produktionen jedoch Alltag. Marco Bortolan, Geschäftsführer und Inhaber der FME Feinmechanik AG im schaffhausischen Buchberg, hat sich dazu entschlossen, mithilfe von Robotertechnik seine Mitarbeiter von solch monotonen Arbeiten zu befreien.

«Wegen des Vorurteils, dass durch den Robotereinsatz Arbeitsplätze verloren gehen, habe ich mich lange gegen diese Entscheidung gesträubt», so Bortolan. Heute profitieren sein Unternehmen und seine Mitarbeiter von der Integration kollaborierender Leichtbauroboter. Weil dies die Produktivität steigerte, konnte sogar eine zusätzliche Arbeitsstelle geschaffen werden, anstatt dass Jobs verloren gingen. Darüber hinaus wirken sich die nächtlichen, mannlosen Laufzeiten sehr positiv auf die Preisgestaltung aus.

Die Grundsatzfrage lautete: Robotertechnik ja oder nein?

Die FME Feinmechanik AG ist ein Zulieferbetrieb in der Präzisionsmechanik und Medizinaltechnik. Hier entsteht alles, vom Prototyp zu einer Serie bis hin zur einbaufertigen Baugruppe. Die Teile sind so unterschiedlich wie die zu produzierenden Stückzahlen: 50 bis 10 000 Stück. Das erfordert Flexibilität.

Auch die Unbeweglichkeit, der hohe Preis und der grosse Platzbedarf konventioneller Industrieroboter hatten Bortolan davon abgehalten, die Effizienz der Produktion durch Robotertechnik zu erhöhen. Doch der stetig steigende Preisdruck, die eintönige Arbeit der Mitarbeiter und der Wunsch, grössere Stückzahlen produzieren zu können, liessen ihn weitersuchen. Heute gehören ein fest installierter Roboter vom Typ «UR 10» und ein mobiler Roboter, Typ «UR 5», beide von Universal Robots, zum Maschinenpark. Die kollaborierenden Roboterarme erbringen die nötige Flexibilität und haben für einschneidende Veränderungen im Unternehmen gesorgt. So gehört Schichtarbeit der Vergangenheit an. «Meine Mitarbeiter mögen ihre neuen Kollegen, weil sie wissen, die übernehmen alles, was sie selbst nicht tun möchten. Die Roboter in Verbindung mit unserem Einfallsreichtum führen oft zu genialen Lösungen», erzählt Bortolan.

Ein Beispiel betrifft die Oberflächenbehandlung von bestimmten Aluminiumbauteilen. Danach bleiben an Aussengewinden Salzrückstände zurück. Eine von FME selbst entwickelte Kombination aus Roboter, Bohrmaschine und Messingdrahtbürste erspart es heute den Mitarbeitern, Tausende Gewinde von Hand reinigen zu müssen.

«Wir achten darauf, dass unsere Roboter immer laufen. Dadurch verzeichnen wir einen signifikanten Anstieg unserer Produktivität. Heute produzieren wir an sieben Tagen pro Woche und im Schnitt 20 Stunden am Tag», so Bortolan. Bevor die Roboter vor vier Jahren zum Einsatz kamen, waren es nur fünf Tage pro Woche und acht Stunden pro Tag. Durch die Verdoppelung der täglichen Arbeitsstunden und die vom Roboter übernommenen Wochenendschichten sowie dem damit verbundenen Plus an produzierten Teilen musste für deren Weiterverarbeitung ein weiterer Mitarbeiter eingestellt werden.

Das Besondere an der fest installierten Automationsanlage ist, dass ein Roboter zwei Maschinen bedienen kann. Realisiert hat Marco Bortolan diese Idee gemeinsam mit der Bachmann Engineering AG, dem Vertriebspartner von Universal Robots in der Schweiz.

Der «Bachmann Machine-Tender» (BMT) besteht aus einem UR 10-Roboterarm, der auf einer Linearachse hin- und herfährt, und so zwei Maschinen, die sich gegenüberstehen, bestückt. Sobald das Fräsen oder Erodieren in einer der Maschinen beendet ist, sendet sie ein Signal an den Roboter. «Die Regel im Programm lautet: Wer zuerst ruft, wird zuerst bedient. Diese Automationsanlage ist genial, sie läuft ohne Standzeiten», so Bortolan.

Der BMT ist in der Zwischenzeit als standardisiertes Produkt in das Angebot des Vertriebspartners von Universal Robots eingegangen und kann auch mehr als zwei Maschinen bedienen.

«Bei Bachmann Engineering bin ich aufgrund von Sympathie und Kompetenz hängen geblieben. Sie hatten mir auf meine Anfrage hin sofort angeboten, vorbei zu kommen, was kein Vertreter eines anderen Roboterherstellers getan hat. Bis heute haben wir eine rundum wünschenswerte Partnerschaft.»

Anders als der UR 10 sollte der Roboterarm UR 5 bei FME leicht verschoben werden können. «Wir wollten den Roboter innerhalb der Produktion frei bewegen und für die unterschiedlichsten Anwendungen einsetzen können», erklärt Roger Bachmann, Geschäftsführer von Bachmann Engineering. Aus diesem Grund bot sich der Einsatz eines «Bachmann FeedMaster» (BFM) an, der auf Rollen steht und sich in kürzester Zeit an einer anderen Maschine einsetzen lässt.

Mit dem Ergebnis ist Bortolan sehr zufrieden: «Meine Erwartungen bezüglich Robotereinsatz sind sogar übertroffen worden. Die Kombination aus Flexibilität, einfacher Programmierung und der Tatsache, dass die Roboter ohne platzraubende Sicherheitsumhausungen direkt mit den Mitarbeitern zusammen arbeiten können, haben mich nachhaltig überzeugt. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir künftig noch mehr Roboter einsetzen werden. Dabei denke ich vor allem an die Qualitätskontrolle oder an Montageaufgaben, die vom kleinen Leichtbau-Tischroboter UR 3 übernommen werden können», sagt Bortolan.

Meti Zekijri ist Montageleiter und CNC-Mechaniker bei der FME Feinmechanik AG und unter anderem dafür verantwortlich, die Roboter zu programmieren. «Ich habe den Roboter nach nur einem Tag Schulung mit Bachmann Engineering allein programmieren können. Die Programmierung ist leicht und die Bedienung intuitiv», so Zekijri.

Bei den Mitarbeitern löste die Information, dass Roboter im Unternehmen eingeführt werden sollen zunächst Angst um den Arbeitsplatz aus. Das ist vorbei. «Unsere Anfängsängste legten sich schnell, als wir realisierten, dass die Roboter ohne uns Menschen nicht arbeiten können. Wenn wir sie nicht einrichten, geht ja gar nichts», erklärt Zekijri.

Hinzu kommt die Bedeutung der Roboterarme für den Arbeitsalltag eines jeden Produktionsmitarbeiters. Neben der körperlichen Entlastung wird die Zeitersparnis bei den Kollegen als der grösste Mehrwert empfunden. Sobald der Roboter programmiert ist, läuft er teilweise bis zu 24 Stunden am Stück. «So kann ich mich während meiner Arbeitszeit komplett der Montage widmen, während der Roboter die Produktion übernimmt. Ich muss nicht mehr ständig hin und her laufen, sondern kann mich auf eine Sache konzentrieren. Alle Aufgaben, die unangenehm sind, übernimmt der Roboter. Zum Beispiel Sandstrahlen; das macht niemand gern. Wenn ich ehrlich bin, fände ich es langweilig, wenn ich wie früher ohne Roboter arbeiten müsste», so Zekijri.

FME Feinmechanik AG
8454 Buchberg, Tel. 044 868 14 14
info@fme.ag


Bachmann Engineering AG
4800 Zofingen, Tel. 062 752 49 49
info@bachmann-ag.com



Roboterarme von «Universal Robots» übernehmen repetitive Tätigkeiten wie das Bestücken der Laserbeschriftungsmaschine. (Bilder: UR)


Der «Bachmann Machine- Tender» (BMT) kann mehrere Maschinen bedienen.


Der kollaborierende Roboterarm UR 5 wird auf dem «Bachmann FeedMaster» zu einer neuen Anwendung gefahren.