Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 03/2017, 17.03.2017

Grösserer Kundennutzen durch mehr Power

Traditionell lädt die Fritz Studer AG Anfang Jahres zu ihrer Jahrespressekonferenz nach Steffisburg. In diesem Jahr stand Grosses und Kleines im Mittelpunkt: Vorgestellt wurde die komplett runderneuerte Produktionsschleifmaschine «S 11» – die kleinste im Studer- portfolio. Und es gab einen Ausblick auf ein grosses Thema unserer Zeit, nämlich Industrie 4.0, und was Studer daraus macht.

(pi) Die kleine Studer-Produktionsschleifmaschine S 11 hätte eigentlich das Zeug, zu einer Grossen im Portfolio zu werden. Leider verlief ihr Weg nicht so, wie sich die Verantwortlichen das vorgestellt hatten. Nun soll ein Imagewechsel, sprich: deutliches Facelifting, die Kleine auf Spur bringen.

Augenfälligste Neuerung ist – neben dem Design – der Einsatz einer Hochgeschwindigkeitsschleifspindel. Die S 11 erzielt damit laut Studer eine extrem hohe Abtragsleistung auf kleinstem Raum. Dieses Update wurde nur möglich, weil gleichzeitig eine neue Fanuc-Steuerung implementiert wurde. Die Verwendung der Software «StuderWinFocus» auf einer Fanuc-Steuerung bietet zudem die Basis für weitere flexible Einsatzmöglichkeiten, welche den Kundennutzen wesentlich erhöhen sollen.

Doch bleiben wir beim High Speed Grinding (HSG) mit der neuen Schleifspindel. Bislang konnte die S 11 lediglich mit Schleifscheibenumfangsgeschwindigkeiten von 50 m/s, in Ausnahmefällen maximal 80 m/s, arbeiten. Jetzt sind mit der Kombination aus Fanuc-Steuerung und Schleifsoftware «StuderGrind» HSG-Bearbeitungen mit CBN-Schleifscheiben und Schleifgeschwindigkeiten bis zu 140 m/s möglich. Dafür wurde speziell für die S 11 eine neue Hochgeschwindigkeitsspindel konzipiert.

Ebenso erlaubt die S 11 nun auch typische C-Achs-Applikationen wie Gewinde- und Formenschleifen. Möglich macht dies eine neue Variante des Werkstückspindelstocks mit C-Achs-Funktion in Kombination mit den Software-Modulen «StuderThread» oder «StuderForm». Das Neu- und Umprofilieren von Schleifscheiben durch eine optimierte Ausräumstrategie mit «StuderDress» und die Bearbeitung von Längskonturen mit «StuderContour» erweitert den Applikationsbereich zusätzlich.

Die neue S 11 verfügt darüber hinaus über das «SBS Dynamic Balance System». Dieses kombinierte System zur Anschlifferkennung mittels Körperschallmessung und zum halb- oder vollautomatischen Auswuchten der Schleifscheiben, senkt die Nebenzeiten durch verringertes Luftschleifen. Auch erlaubt es eine Prozessüberwachung beispielsweise durch die Beobachtung von Schleifpegelgeräuschen.

Studer bietet die S11 ausserdem in zwei verschiedenen Ausführungen an: Die an die bereits bestehende Version angelehnte Maschine ist primär ausgelegt für die Handbeladung oder die Kombination mit kleinen Handlingssystemen. Die Maschinen im neuen Design dagegen sind optimiert für die vertikale Beladung mit Dachluke. Sie empfehlen sich für eine verkettete Fertigung, bei der die Maschinen über Portalkrane be- und entladen werden. Beide Ausführungen zeichnen sich durch ihre gute Zugänglichkeit und Ergonomie aus.

Einen prominenten Raum der Presseveranstaltung bei Studer nahm die Präsentation zum allgegenwärtigen Thema Industrie 4.0 ein. «Eine Smart Factory gibt es nicht von heute auf morgen. Es gilt, sich auf gewisse Bereiche zu fokussieren», erklärte dazu Christian Josi, Projektleiter bei der Fritz Studer AG. Für das Unternehmen gilt der Grundsatz, dass alle Weiterentwicklungen zu einem Kundennutzen führen sollen. «Wir arbeiten eng mit unseren Kunden zusammen», führt Josi weiter aus. Doch woran arbeitet man konkret?

Die Basis von Industrie 4.0, so die Studer AG, bildet die Vernetzung von Maschine, Logistik, Produkt und den Geschäftssystemen der Kunden. Hier müssen alle die gleiche Sprache sprechen. Dies geschieht mittels der einfachen, sicheren und weltweit angewendeten Softwareschnittstelle «OPC UA» (Open Plattform Communication Unified Architecture). Der Schleifmaschinenspezialist hat den OPC UA-Standard in seiner Maschinensoftware StuderWin integriert. Damit sollen sich die Schleifmaschinen einfach und sicher im Umfeld der digitalen Fabrik einbinden lassen.

Ein weiterer Fokus der Industrie-4.0-Aktivitäten liegt auf den ungeplanten Maschinenstillständen. Dieses Thema bearbeitet die Muttergesellschaft von Studer, die United Grinding Group (UGG), bewusst in der Gruppe. Das Ziel: Der Kunde soll ein Tool erhalten, welches eine kostenoptimierte Instandhaltung ermöglicht. Das heisst, die Maschine soll nur stehen, wenn dies geplant und kalkuliert wird.

Hier arbeitet UGG nach dem Ansatz von «Predictive Maintenance», also der vorausschauenden Instandhaltung. Um dies zukünftig zu ermöglichen, werden die Daten der einzelnen Baugruppen aufgezeichnet und analysiert. Dies erfordert ein kontinuierliches Lernen und ist ein fortwährender Prozess.

Ein weiteres Projekt, das angegangen wird: Die «One-Push-Remote-Lösung». Das bedeutet: Sollte eine Baugruppe trotz Predictive Maintenance ausfallen, kann mittels Knopfdruck das Problem behoben und dem Kunden eine optimale Unterstützung geboten werden.


Fritz Studer AG
3602 Thun, Tel. 033 439 11 11
info@studer.com

Deutlicher Optimierungsschub: Mit der neuen HSG-Spindel schafft die S 11 Schnittgeschwindigkeiten von 140 m/min. (Bilder: Studer)


Neue Optik mit neuer Steuerung: Die S 11 gibt es in zwei Versionen als manuell oder automatisch beladbare Maschine.