Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 04/2017, 21.04.2017

«Produkte, mit denen wir signifikant zulegen können»

Seit September 2011 steht Michael Hauser an der Spitze des traditionsreichen Schweizer Drehmaschinenherstellers Tornos und kämpft derzeit, wie alle Schweizer Maschinenbauer, mit der Stärke des Frankens und einer weltweiten Investitionszurückhaltung. Wo Tornos heute steht, und wie er das Unternehmen trotz schwieriger Rahmenbedingungen fit für die Zukunft machen will, erläutert der CEO im Interview.

(pi) Herr Hauser, Tornos hat in seiner Geschichte schon manche Höhen und Tiefen erlebt. Wo steht das Unternehmen heute ?

Mit Sicherheit noch nicht dort, wo wir stehen sollten. Wir haben in den letzten Jahren gewaltige Anstrengungen unternommen, um langfristig profitabel zu werden, wurden jetzt allerdings durch einige Sondereinflüsse etwas zurückgeworfen.

Welche meinen Sie?

Ohne lamentieren zu wollen: Zum einen schlägt natürlich die Währungssituation voll durch. Unsere Produkte wurden mit dem 15. Januar 2015 schlagartig um 15 Prozent teurer. Das war sowohl für unsere Marge als auch die Wettbewerbssituation eine Katastrophe. Zum anderen sind aktuell zwei unserer Kernmärkte bei Investitionen im Stand-by-Modus. Der weltweite Nachfragerückgang bei Uhren, insbesondere in Asien, führt dazu, dass die Uhrenbranche die Produktion zurückfährt. In der Automobilindustrie haben unsere Kunden nach wie vor viele Aufträge, aber sie sind verunsichert und halten sich mit Neuinvestitionen zurück.

Nun werden sich diese drei Probleme kurzfristig nicht in Luft auflösen. Ist Tornos unter diesen Voraussetzungen langfristig überhaupt allein überlebensfähig ?

Eindeutig ja. Wir haben zum einen zwei Hauptaktionäre, die voll hinter uns stehen, weil sie das Potenzial und die Stärken von Tornos kennen. Zum anderen haben wir jetzt ein Produktportfolio, mit dem wir in den nächsten Monaten und Jahren signifikant Marktanteile gewinnen können.

Bevor wir auf diese Produkte zu sprechen kommen. Welche Massnahmen wurden eigentlich bisher getätigt, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken?

Wir haben unsere Produktion vollkommen flexibel gestaltet und spürbar verschlankt. Prozesse und Komponenten, die nicht zu unseren Kernkompetenzen gehören, haben wir auf externe Partner verlagert und zwei Fabriken in Asien aufgebaut. Dadurch ist es uns gelungen, die Gewinnschwelle um 100 Mio. Franken zu senken.

Wo sehen Sie persönlich die besonderen Stärken von Tornos ?

Ich war schon bei einigen Werkzeugmaschinenherstellern, aber einen derartigen Spirit wie bei Tornos habe ich noch nie erlebt. Die Leute hier in der Region haben die Zerspanung in ihrer DNA, dazu sehr hohe Wertvorstellungen, und sie leben diese Werte. Daraus resultiert ein enormes Qualitätsniveau. Tornos verkauft den Kunden nicht nur Maschinen, sondern hilft ihnen dauerhaft profitabel zu produzieren. Daraus ist über die Jahre eine verschworene Gemeinschaft entstanden, sowohl intern als auch zwischen unseren Kunden und uns. Es ist nicht übertrieben, in diesem Zusammenhang von einer Tornos-Familie zu sprechen.

Jetzt geht es also in erster Linie darum, diese Kundenfamilie zu vergrössern. Was haben Sie diesbezüglich geplant ?

Ich könnte jetzt zwar alle Modelle im Detail vorstellen, möchte es aber bei zwei belassen. Vorab aber generell: Der Kunde bekommt für sein spezielles Werkstückspektrum das jeweils beste Produktionsmittel zu einem für ihn optimierten Preis. Das wird vom Markt zunehmend honoriert. So konnten wir von unserem neuen Mehrspindler «MultiSwiss» seit der Markteinführung Ende 2011 mittlerweile schon über 200 Stück verkaufen. Damit wenden wir uns klar an Anwender, die hohe Stückzahlen in hoher Präzision mit hohen Ansprüchen an die Oberflächengüte fertigen. Eine weitere Erfolgsgeschichte schreibt unsere «SwissNano» ...

Inwiefern?

Diese Maschine hat eingeschlagen wie eine Bombe, und wir haben allein in der Schweiz schon über 100 Stück verkauft. Sie ist ein Sympathieträger. Klein, stark, kompakt, dazu mit pfiffigem Aussehen und erstklassigen Produktionsergebnissen. Es macht einfach Spass, mit ihr zu arbeiten. Der Verkauf steht hier erst einmal vor der Herausforderung, die Kunden von der Leistungsfähigkeit der Maschine zu überzeugen. Viele Anwender trauen ihr diese enorme Leistung erst mal nicht zu. Wenn sie dann damit gearbeitet haben, sind sie begeistert. Das zeigt auch die Tatsache, dass der Anteil der Wiederkäufer sehr hoch ist. Sprich: Wer eine Maschine gekauft hat, kauft unmittelbar darauf eine zweite, dritte, vierte. In Anbetracht der vielen kurvengesteuerten Maschinen im Markt, die demnächst ersetzt werden müssen, stimmt uns diese Tatsache sehr optimistisch.

Gibt es sonst noch Dinge, an denen Sie arbeiten ?

(lacht): Jede Menge. Unser primäres Ziel ist, mit unseren Lösungen noch mehr Kundennutzen zu generieren. Das Know-how in der Fertigung wird weltweit abnehmen. Deshalb müssen unsere Maschinen noch intelligenter und intuitiver bedienbar werden. Was den reinen Maschinenbau betrifft, ist Tornos schon sehr weit und spielt in der Spitzengruppe mit. Wo wir allerdings noch Leistungsreserven sehen, ist die Gesamtbetrachtung komplexer Prozesse. Wie kann ich sie automatisieren? Wie kann ich die Zu- und Abführung oder den gesamten Materialfluss optimieren? Wie kann man die Kommunikation zwischen Maschinen und Werkstücken in Gang bringen? Um nur einige Beispiele zu nennen.


Tornos SA
2740 Moutier, Tel. 032 494 44 44
contact@tornos.com



Michael Hauser, CEO Tornos: «Die SwissNano hat eingeschlagen wie eine Bombe, und wir haben allein in der Schweiz schon über 100 Stück verkauft. Sie ist ein Sympathieträger.» (Bild: Tornos)